ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2007Silberhaltige Wundauflagen bei infizierten Wunden?

MEDIZIN: Referiert

Silberhaltige Wundauflagen bei infizierten Wunden?

Dtsch Arztebl 2007; 104(47): A-3258 / B-2868 / C-2768

w

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Behandlung infizierter Wunden unterliegt zweifelsfrei Modeströmungen und reicht von Alginaten über Hydrokolloide bis zu silberhaltigen Wundauflagen, denen eine bakterizide Wirkung und die Verhinderung einer Resistenzentwicklung nachgesagt werden.
Die Autoren werteten randomisierte kontrollierte Studien (RCT) an Erwachsenen aus, die an offenen infizierten Wunden (Ischämie, Diabetes, Verbrennung, Trauma, Dekubitus, Operationswunde) litten und bei denen topisches Silber oder silberhaltige Wundauflagen verglichen wurden. Primäre Zielgröße waren eine komplette Heilung oder Veränderungen der Wundfläche. Die Einschlusskriterien erfüllten nur 3 zwischen 2005 und 2006 publizierte 4-wöchige Studien mit insgesamt 847 Teilnehmern. Eine Metaanalyse war nicht möglich, weil alle Untersuchungen verschiedene Wundauflagen miteinander verglichen.
Die erste Studie (n = 129) verglich einen mit ionischem Silber imprägnierten Hydrokolloidverband mit einer Polyurethan-haltigen Weichschaumkompresse. Nach dieser Behandlung waren jeweils 5 Wunden (8 % ) komplett abgeheilt. In der ersten Gruppe war die mediane Wundfläche deutlich kleiner geworden (um 45,2 versus 25,4 %; p = 0,034), der Anteil der Patienten mit Wundsekretion war geringer geworden (19 versus 49 %; p = 0,002).
In der zweiten Studie (n = 99) wurde eine silberhaltige Alginat-Wundauflage mit einer Alginat-Wundauflage verglichen. In beiden Gruppen heilten nur jeweils 1 von 48 beziehungsweise 51 Ulzera ab. Die absolute Reduktion der Wundfläche wurde ebenfalls nicht signifikant beeinflusst.
In der dritten Studie (n = 619) wurde der Hydrokollidverband mit der besten verfügbaren Wundversorgung (in 53 % Schaumstoff und Alginat, in 17 % Silber, in 12 % Hydrokolloid) verglichen. Zum Studienende war die relative Reduktion der medianen Wundfläche in der Hydrokollidverband-Gruppe größer (47 versus 32 %; p = 0,0019), ein Verbandswechsel war in dieser Gruppe seltener notwendig (3,1 versus 2,1 Tage; p = 0,0001).
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die wenigen Studien mit zu kurzer Laufzeit insgesamt eine ungenügende Evidenz liefern, um silberhaltige Wundauflagen zur Behandlung infizierter Wunden zu empfehlen. w

Vermeulen H et al.: Topical silver for treating infected wounds. Cochrane Database Syst Rev 2007 (1): CD005486 E-Mail: vermeulen@amc.nl

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema