ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2007Erbrechen in der Schwangerschaft: Mirtazapin bei therapieresistenten Fällen

MEDIZIN: Diskussion

Erbrechen in der Schwangerschaft: Mirtazapin bei therapieresistenten Fällen

Dtsch Arztebl 2007; 104(47): A-3267 / B-2877 / C-2777

Rohde, Anke

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LNSLNS In dieser Übersichtsarbeit ist auch zu den psychosomatischen Ursachen der Hyperemesis gravidarum Stellung genommen. Prinzipiell ist die Wiedergabe des aktuellen Wissensstands richtig, nämlich dass psychosomatische Störungen als eine mögliche Ursache angenommen werden, zum Beispiel verursacht durch Ambivalenzkonflikte hinsichtlich der Schwangerschaft. Durch die gewählte Zitierung der sehr alten Arbeiten von Ende der 1960er- beziehungsweise 1970er-Jahre wird aber vom flüchtigen Leser die Information mitgenommen, dass Hyperemesis-Patientinnen hysterisch sind, an einer infantilen Persönlichkeit leiden und eine exzessive Mutterbindung haben. Damit wird man den betroffenen Frauen sicher nicht gerecht. Darüber hinaus können solche Aussagen sehr schnell zur Stigmatisierung der Patientinnen im klinischen Alltag führen.
Unbestritten ist, dass die Hyperemesis gravidarum mit psychischen Symptomen einhergehen kann – aus der eigenen klinischen Erfahrung mit vielen Patientinnen wissen wir aber, dass solche Symptome (bis hin zum „hysterischen Ausdruck“) oftmals Folge der für die Patientin unerträglichen Symptomatik sind, insbesondere wenn diese seit vielen Wochen besteht. Folgesymptome wie Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Ängste und im Ausnahmefall sogar Suizidalität können den Verlauf komplizieren. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Möglichkeit einer anti-emetischen Therapie mit Mirtazapin hinweisen, die nach entsprechender Nutzen-Risiko-Abwägung eine Alternative bei therapieresistenten Fällen sein kann. Seit der ersten Darstellung von 7 Fällen durch Saks im Jahr 2001 gab es wiederholt Publikationen zur oralen und parenteralen Anwendung bei der Hyperemesis gravidarum (unter anderem Rohde et al. 2003). Bei Mirtazapin handelt es sich um ein Antidepressivum, das eine gute antiemetische Wirkung hat (vermittelt über die 5-HT3-Rezeptoren, also analog zu Ondansetron) und zusätzlich den Vorteil der anxiolytischen, schlafanstoßenden und antidepressiven Wirkung. Nach unseren Erfahrungen ist meist nur eine kurze Behandlung und im späteren Verlauf der Schwangerschaft allenfalls eine intermittierende Gabe erforderlich, sodass auch unter dem Aspekt
der Fetotoxizität eine Therapie in schweren Fällen von Hyperemesis gravidarum vertretbar ist.

Prof. Dr. med. Anke Rohde
Gynäkologische Psychosomatik
Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde
Universitätsklinikum Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25, 53105 Bonn

Interessenkonflikt
Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Rohde A, Dembinski J, Dorn C: Mirtazapin (Remergil) for treatment resistant hyperemesis gravidarum: rescue of a twin pregnancy. Arch Gynecol Obstet 2003; 268: 219–21. MEDLINE
2.
Saks B: Mirtazapine: treatment of depression, anxiety, and hyperemesis gravidarum in the pregnant patient. A report of 7 cases. Arch Womens Ment Health 2001; 3: 165–70.
1. Rohde A, Dembinski J, Dorn C: Mirtazapin (Remergil) for treatment resistant hyperemesis gravidarum: rescue of a twin pregnancy. Arch Gynecol Obstet 2003; 268: 219–21. MEDLINE
2. Saks B: Mirtazapine: treatment of depression, anxiety, and hyperemesis gravidarum in the pregnant patient. A report of 7 cases. Arch Womens Ment Health 2001; 3: 165–70.

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