ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2007Akute Pankreatitis: Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie: Schlusswort
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Zuschrift von Dr. Schaal spricht den aus mehreren Gründen sehr interessanten Ansatz der Periduralanästhesie zur Schmerztherapie bei schwerer Pankreatitis an. Wie Herr Dr. Schaal schreibt, fehlen hierzu leider größere kontrollierte Studien, sodass wir diese Form der Schmerztherapie in unserer evidenzbasierten Übersicht nicht erwähnt haben.
Immerhin wurde in der größten unkontrollierten Studie von Bernhardt et al. (1) bei 121 Patienten in 72 % der Anwendungstage eine ausreichende Analgesie allein durch die Epiduralanästhesie erreicht.
Allerdings traten bei 8 % der Patienten Kreislauf-Reaktionen auf, die medikamentös therapiert werden mussten. Diese Kreislauf-Reaktionen sind durch die Vasodilatation bedingt, die durch die Sympathikolyse ausgelöst wird.
Andererseits hat die Sympathikolyse unter der Voraussetzung eines optimierten Flüssigkeitshaushaltes mit ausreichender Vorlast potenziell 2 pathophysiologische Vorteile: Neben dem günstigen Einfluss auf den paralytischen Ileus gibt es vielversprechende Daten, dass dadurch auch die Mikrozirkulation im Randbereich der Pankreasnekrosen verbessert wird. In einer tierexperimentellen Studie konnten damit das Ausmaß der Pankreas-Nekrosen, des Amylase-Anstiegs und der metabolischen Azidose signifikant reduziert werden (2).
Im Hinblick auf mögliche infektiöse und hämorrhagische Komplikationen (3) sollte die Anwendung der Epiduralanästhesie zeitlich streng den Erfordernissen angepasst und nur in Einheiten mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden. Ein hämodynamisches Monitoring einschließlich sorgsamer Bilanzierung und zielgerichteter Volumensubstitution sollten obligat sein. Insgesamt stellt die Epiduralanästhesie bei der Pankreatitis sicher ein interessantes Konzept dar, zu dem allerdings noch entsprechende kontrollierte Daten fehlen. Gleiches gilt für andere analgetische Ansätze wie zum Beispiel Ketamin.

PD Dr. Wolfgang Huber
Prof. Dr. med. Roland M. Schmid
Klinikum Rechts der Isar
Intensivstation 2/11
Ismaningerstraße 22
81675 München
E-Mail: Wolfgang.Huber@lrz.tu-muenchen.de

Interessenkonflikt
Der Autor Schmid erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
Der Autor Huber übt eine Beratungstätigkeit für die Firma Pulsion Medical Systems, München aus.
1.
Bernhardt A, Kortgen A, Niesel H Ch, Goertz A: Using epidural anesthesia in patients with acute pancreatitis-prospective study of 121 patients. Anesthesiol Reanim 2002; 27: 16–22. MEDLINE
2.
Demirag A, Pastor CM, Morel P et al.: Epidural anaesthesia restores pancreatic microcirculation and decreases the severity of acute pancreatitis. World J Gastroenterol 2006; 12: 915–20. MEDLINE
3.
Gustafsson H, Rutberg H, Bengtsson M: Spinal haematoma following epidural analgesia. Report of a patient with ankylosing spondylitis and a bleeding diathesis. Anesthesia 1988; 43: 220–2. MEDLINE
1. Bernhardt A, Kortgen A, Niesel H Ch, Goertz A: Using epidural anesthesia in patients with acute pancreatitis-prospective study of 121 patients. Anesthesiol Reanim 2002; 27: 16–22. MEDLINE
2. Demirag A, Pastor CM, Morel P et al.: Epidural anaesthesia restores pancreatic microcirculation and decreases the severity of acute pancreatitis. World J Gastroenterol 2006; 12: 915–20. MEDLINE
3. Gustafsson H, Rutberg H, Bengtsson M: Spinal haematoma following epidural analgesia. Report of a patient with ankylosing spondylitis and a bleeding diathesis. Anesthesia 1988; 43: 220–2. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Stellenangebote