ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1997Hausärzteverband: Kossow für strategische Zusammenarbeit mit KBV

POLITIK: Aktuell

Hausärzteverband: Kossow für strategische Zusammenarbeit mit KBV

Maus, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) fordert ein schnelles Ende der "permanenten Vergütungsdiskussion". Gemeinsam mit den ärztlichen Berufsverbänden solle der neue KBVVorstand nunmehr für eine längerfristig tragfähige Honorierungsbasis sorgen. Dabei, so Dr. Klaus-Dieter Kossow, müsse jede Hektik - auch im Hinblick auf die heftig umstrittenen Praxisbudgets - vermieden werden. Der BDA-Vorsitzende stellte wenige Tage nach den Neuwahlen des KBV-Vorstandes die Forderungen des Hausärzteverbandes an die Führungsspitze der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor.


Die niedergelassenen Ärzte sind es nach Auffassung des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) gründlich leid, sich permanent mit Vergütungsfragen beschäftigen zu müssen. Es müsse endlich wieder Spaß machen, Arzt zu sein, fordert Dr. Klaus-Dieter Kossow. Vor allem die Hausärzte seien der "Dauerbelastung mit EBM-Vergütungsfragen und anderen Regelungen" überdrüssig.


EBM: Warnung vor weiterer Hektik
Der BDA-Vorsitzende verbindet mit dieser Aussage konkrete Forderungen an den neuen Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Zunächst, so Kossow, müsse Schluß sein mit persönlichen Auseinandersetzungen. Ein Großteil der vergangenen Amtszeit des KBV-Vorstandes war davon überschattet. Ebensosehr müsse sich der neue Vorstand vor allzu großer Hektik hüten - für Kossow ein Kardinalfehler der Vergangenheit, vor allem hinsichtlich der EBM-Reform. "Das war ein strategischer Fehler", meint der BDAVorsitzende, dessen honorarpolitische Vorstellungen in einigen Punkten erheblich von der bisherigen KBVLinie abweichen.
Trotz der massiven Kritik an den Praxisbudgets warnt Kossow die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor vorschnellen Schlüssen: "Wenn der KBV-Vorsitzende Ordnung schaffen will, dann kann er den EBM zum 1. Juli dieses Jahres nicht mehr ändern." Jetzt sei jede Art von Hektik fehl am Platz, vielmehr müsse es um sorgfältig vorbereitete, längerfristige Umstellungen gehen. Als Ausgangspunkt einer besseren Honorarverteilung sieht der BDA die Aufteilung der Gesamtvergütung in "Facharzttöpfe". Die jeweiligen Anteile müßten mit den Kassen verhandelt werden. Die eigentliche Verteilung der Honorare sei dann schließlich Sache der Kassenärztlichen Vereinigungen.
Die KBV, so Kossow weiter, müsse sich hauptsächlich um die Leistungsbewertung kümmern - und hier vertritt der Berufsverband der Allgemeinärzte einen grundsätzlich anderen Standpunkt. Die Leistungsbewertung soll nach den Vorstellungen des BDA künftig nicht mehr einheitlich und fachübergreifend getroffen werden, sondern nach Fachgruppen unterschiedlich sein. Das heißt: Ein Hausarzt würde für Hausbesuche (die er in Serie erbringt) relativ gesehen weniger Honorar erhalten als beispielsweise ein Psychiater, der nur ganz selten Patienten außerhalb seiner Sprechstunde aufsucht. Umgekehrt würden bestimmte Serienleistungen von Fachärzten als seltener erbrachte Leistungen für Hausärzte höher bewertet.
Derartige Umstellungen im Honorarsystem könnten zwar relativ schnell beschlossen werden, sie müßten jedoch mit einer hinreichend langen Vorbereitungszeit umgesetzt werden. Der BDA plädiert in diesem Zusammenhang auch für die Erprobung verschiedener neuer Vergütungsformen - etwa für den sogenannten Urologen-EBM (siehe Deutsches Ärzteblatt, Heft 48/1996) oder auch für Teile der McKinsey-Studie im Auftrag einer Münchner Ärzteinitiative (Deutsches Ärzteblatt, Heft 10/1997). Bei allen diesen Fragen sieht Kossow die Notwendigkeit einer engen, strategisch ausgerichteten Zusammenarbeit zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den ärztlichen Verbänden. Allerdings: Auch die Berufsverbände müßten ihr Verhalten künftig ändern, denn "so manche Polemik der Berufsverbände hat mit in das Chaos geführt". Während sich die Regelungskompetenz der KBV in Vergütungsfragen nach Auffassung des BDA auf die Leistungsbewertung und Verhandlung von Honoraranteilen für die Fachgruppen beschränken soll, bewertet der Berufsverband die neue Rolle der KBV im Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen ungleich höher. Hier vor allem, so Kossows Forderung, müsse die Kassenärztliche Bundesvereinigung ihre Richtlinienkompetenz einbringen und dabei die hausärztliche Versorgung durch Qualitäts- und Kooperationskonzepte nachhaltig stärken. Dem Hausärzteverband schwebt ein Disease-Management vor - sozialmedizinisch und empirisch sauber ermittelt, wie Kossow sagt. Auf diese Weise, glaubt der BDA, könne das Gesundheitswesen kostengünstiger und effektiver gestaltet werden.


Praxisbudgets: Erneute Überprüfung
Unterdessen hat sich der neue KBV-Vorstand in seiner ersten Sitzung nach der Wahl mit dem Thema Praxisbudgets befaßt. Er kam überein, die Grundlagen für die Berechnung und Bildung der Praxisbudgets erneut in Gesprächen mit den ärztlichen Verbänden zu überprüfen. Sollte sich daraus Korrekturbedarf ergeben, will die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen über die dann eventuell notwendigen Änderungen verhandeln, so daß die Korrekturen zum 1. Oktober 1997 beschlossen werden könnten. Josef Maus

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote