ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Von schräg unten: Verbesserung

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Verbesserung

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): [124]

Böhmeke, Thomas

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LNSLNS Der alte Kalender läuft aus wie eine zur Neige gehende Infusionsflasche, das neue Jahr drängt sich in den diagnostischen Blick, ungefähr so aufdringlich wie ein Furunkel auf der Nasenspitze. Für mich eine gute Gelegenheit, lieb gewonnene alte Gewohnheiten auf ihre Substanz zu überprüfen und Vorsätze für das neue Jahr zu fassen. Was kann man alles besser machen? Ohne Zweifel wäre es verdienstvoll, das zwischenärztliche Miteinander zu verbessern und zu pflegen. Was könnte hierfür besser geeignet sein als die Entlastung der Kollegen von krankhafter Bürokratie, insbesondere überflüssigem Geschreibsel? Gerade wir Fachärzte, die nunmehr der Berichtspflicht unterliegen, könnten doch in löblicher Form voranschreiten. Ergeben doch die allfälligen Kontrolluntersuchungen der Patienten häufig keinerlei neue Aspekte. Anstatt Zeit, Gehirn und Nerven unserer Kollegen zu verplempern, könnten wir im Arztbericht, wenn dieser mit dem Vorgänger praktisch identisch, oberhalb der Diagnosen einen Vermerk anbringen:

Falls ich bei den Kollegen, die sich tapfer bis zu diesem Punkt der Glosse vorgelesen haben, auf Zustimmung gestoßen bin, möchte ich gleich ein Skalpell dafür brechen, dass Floskeln wie „Unter Würdigung aller Befunde kamen wir zu den oben genannten Diagnosen“ aus Arztbriefen verschwinden sollten. Sind Sie nicht auch der Meinung, dass derartige Sätze einer Peristaltik bei Hungerstreik gleichkommen? Unnützerweise Ihre mentale Mülltrennung aktivieren? Die immer auf Hochdruck läuft, wenn man unauffällige Befundberichte vorgesetzt bekommt, die sich über drei DIN-A4-Seiten erstrecken? Ich möchte denjenigen Kollegen, die Zeilengeld beispielsweise im Rahmen einer Begutachtung bekommen, natürlich nicht zu nahe treten. Die dabei verwendeten Textbausteine kann man aber praktischerweise durch kleinere Schriften kenntlich machen:

und die wirklich wichtigen Informationen hervorheben:
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Das war natürlich ein Scherz. Für weitere Vorschläge zur Verbesserung des kollegialen Miteinanders bin ich gerne jederzeit ansprechbar.
Hoffentlich schickt mir jetzt kein Kollege die intellektuellen Hüpfburgen aus meinen eigenen Arztbriefen zu, das wäre wirklich zu peinlich . . .

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