ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007RANDNOTIZ: Überweisung zum Piercing

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RANDNOTIZ: Überweisung zum Piercing

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3289 / B-2897 / C-2797

Rieser, Sabine

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LNSLNS Wer beim Deutschen Ärzteblatt (DÄ) arbeitet und kein Arzt oder keine Ärztin ist, der taugt zumindest als unglaublich angenehmer Patient. Für alles und jedes hat der DÄler durch die Recherchen im ärztlichen Milieu Verständnis. Er wartet wochenlang ohne Murren auf einen Termin, sofern er gesetzlich versichert ist, oder käme nie auf die Idee, einen Posten in der Privatliquidation anzuzweifeln. Ist sein Arbeitsfeld bekannt, erleichtert das die Aufklärung in einem Satz: „Das kennen Sie ja alles aus dem Ärzteblatt.“
Vor allem aber ist so ein DÄler billig fürs Gesundheitswesen. Denn die Eigenverantwortung ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Doch manches Do-it-yourself-Projekt hat seine Grenzen. Beispiel: das zugewachsene Ohrloch. Der Gedanke, sich ärztlicher Hilfe zu vergewissern, wird routiniert unterdrückt. Der Juwelierladen um die Ecke ist sicher die angemessene Versorgungsebene. Leider falsch. „Zum zweiten Mal stechen wir nicht, das muss ein Ohrenarzt machen“, sagt die Verkäuferin.
Direkt zum Facharzt? Mit so einer Kleinigkeit? Wochenlang wird das Problem verdrängt. Dann ein neuer Anlauf: Anruf in der Ohrenarztpraxis, Angebot, privat zu zahlen. Auskunft der Medizinischen Fachangestellten: „Nein, das machen wir nicht. Das ist doch so was wie Piercing. Da müssen Sie in so ein Studio.“ Überweisung zum Piercing-Fachmann? Bloß nicht.
Letzte Hoffnung: die Hausärztin. Die Schwester am Empfang hört sich das Problem an und holt eine sterile Nadel: „Probieren Sie ruhig mal selbst.“ Gesagt, getan. Für die schönen Ohrringe taugt das blutige Laienwerk leider nicht. Ach, jetzt täte ein patenter Arzt schon gut . . .
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