ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Clostridium difficile: Neuer hochvirulenter Stamm nachgewiesen

MEDIZINREPORT

Clostridium difficile: Neuer hochvirulenter Stamm nachgewiesen

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3308 / B-2908 / C-2808

Weil, Hans-Peter; Brüning, Thomas; Fischer-Brügge, Ulrich; Kuijper, Ed; Kühnen, Ernst

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LNSLNS Der Ribotyp 027,Toxinotyp III, zeichnet sich durch besonders schweren klinischen Verlauf, hohe Rezidivrate und schlechtes Ansprechen auf Antibiotika aus.

Nachdem im Frühjahr das epidemische Auftreten eines neuen hochvirulenten Clostridium-difficile-Stamms in Nordamerika und einigen europäischen Staaten berichtet (DÄ, Heft 22/2007) wurde, hat der Erreger Deutschland erreicht. Ende September wurde das Gesundheitsamt Trier darüber informiert, dass auf mehreren Stationen eines Krankenhauses schwer verlaufende Fälle von Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhö (CDAD) aufgetreten waren. Das klinische Bild fiel durch schwere Kolitiden, hohe Rezidivraten und schlechtes Ansprechen auf Antibiotika auf.
Untersuchungen ergaben, dass erstmals im April bei einem 83-jährigen Patienten der hochvirulente Stamm Ribotyp 027, Toxinotyp III und PFGE NAP1, nachgewiesen werden konnte. Er war sensibel gegenüber Clindamycin, aber resistent gegenüber Erythromycin, Levofloxacin, Ciprofloxacin, Gatifloxacin und Moxifloxacin. Das Ergebnis wurde im niederländischen Nationalen Referenzzentrum für C. difficile in Leiden bestätigt.
Das Krankenhaus hat 550 Betten mit 16 Fachabteilungen. Seit 2005 wurden durch das betreuende Labor erhöhte Inzidenzraten festgestellt und hygienische Maßnahmen (Einzelunterbringung, Barrieremaßnahmen, sporozide Flächendesinfektion) etabliert. Vom 1. Januar bis zum 19. September wurden 84 Patienten mit einem positiven C.-difficile-Toxin-Nachweis identifiziert. Die Abteilungen für Innere Medizin (48 Patienten), Viszeralchirurgie (sieben Patienten), Neurologie (sechs Patienten), Intensivstation (sechs Patienten) und die zentrale Notaufnahme (zehn Patienten) waren die am meisten betroffenen Fachbereiche. Die chirurgische und intensivmedizinische Abteilung sind eher als sekundär versorgende Fachbereiche aus dem Bereich der internistischen Abteilungen zu betrachten.
Auffallend ist die hohe Quote von C.-difficile-positiven Patienten in der zentralen Notaufnahme. Die Schwere der Erkrankungen lässt sich durch die vom 1. bis 19. September durchgeführten Kolektomien dokumentieren (Kasten). In diesem Zeitraum wurden 14 Patienten mit CDAD im Indexkrankenhaus stationär behandelt.
Zusätzlich zu den von Schneider et al. (1) empfohlenen Maßnahmen bei Ausbrüchen von CDAD möchten wir aufgrund unserer Erfahrungen hinzufügen:
c In einer Region mit hyperendemischer CDAD ist diese Erkrankung bei bis zu 20 Prozent der Patienten nach einem vorangegangenen Kranken­haus­auf­enthalt – entweder als Erstmanifestation oder als Rezidiv – der Aufnahmegrund. Eine Untersuchung auf Clostridium-difficile-Toxin sollte daher nicht erst nach dreitägigem Aufenthalt im Krankenhaus („three days rule“), sondern schon bei der Aufnahme erfolgen.
c Der Einsatz von Zephalosporinen und Fluorochinolonen sollte bei Patienten über 50 Jahren in Regionen mit hyperendemischen Clostridium difficile Ribotyp 027, Toxinotyp III und PFGE NAP1, nur bei strenger Indikation und unter Berücksichtigung des CDAD-Risikos erfolgen.
c Obwohl ein Anstieg der CDAD in Deutschland beschrieben wurde (2), existiert eine Surveillance dieser antibiotikainduzierten, nosokomial übertragbaren und potenziell tödlichen Erkrankung durch einen multiresistenten Keim in Deutschland de facto nicht. Durch eine Meldepflicht für CDAD und durch die Einrichtung eines Nationalen Referenzzentrums könnte dies entscheidend verbessert werden.


Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Hans-Peter Weil
Labor Centrum Nordhorn
Am Eichenhain 1
48531 Nordhorn
E-Mail: weil@labor-nordhorn.de


Verfasser:
Labor Centrum Nordhorn, Nordhorn:
Dr. med. Hans-Peter Weil, Dr. rer. nat. Thomas Brüning, Dr. med. Ulrich Fischer-Brügge
Leiden University Medical Centre, Leiden: Dr. Ed Kuijper, M. D. Ph. D.
Ärztliches Labor synlab Trier, Trier: Dipl.-Biol. Dr. med. Ernst Kühnen



Robert Koch-Institut

Kommentar zur Meldepflicht von schwer verlaufenden Clostridium-difficile-Infektionen
In Übereinstimmung mit den zuständigen Seuchenreferenten der Länder werden schwer verlaufende Infektionen durch C. difficile als bedrohliche Krankheit mit Hinweis auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit gewertet. Damit besteht eine Meldepflicht gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 5 a IfSG.
Weiterhin besteht die namentliche Meldepflicht für gehäuftes Auftreten von akuter infektiöser Gastroenteritis (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 b IfSG) und die nicht namentliche Meldepflicht für gehäuftes Auftreten von nosokomialen Erkrankungen (§ 6 Abs. 3 IfSG).
Das Robert Koch-Institut (RKI) appelliert daran, die Meldepflicht entsprechend zu befolgen, damit der öffentliche Gesundheitsdienst gegebenenfalls notwendige Infektionsschutzmaßnahmen treffen kann (siehe auch „Meldepflicht für Infektionskrankheiten“ – Dtsch Arztebl 2007; 104[41]: A 2811–8).
Weitere Informationen sind auf den RKI-Internetseiten unter www.rki.de > Infektionskrankheiten A–Z abrufbar. Zusätzlich steht die IfSG-Hotline: Telefon: 0 30/1 87 54-46 36, am RKI zur Verfügung.
(Mitteilung aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie des RKI)
1.
Schneider T, Eckmanns T, Ignatius R, Weist K, Liesenfeld 0: Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö: Ein zunehmendes klinisches Problem durch neue hochvirulente Erreger. Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A 1588–94. VOLLTEXT
2.
Vonberg RP, Schwab F, Gastmeier P: Clostridium difficile in discharged patients. Germany Emerg Infect Dis 2007; 13: 179–80. MEDLINE
1. Schneider T, Eckmanns T, Ignatius R, Weist K, Liesenfeld 0: Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö: Ein zunehmendes klinisches Problem durch neue hochvirulente Erreger. Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A 1588–94. VOLLTEXT
2. Vonberg RP, Schwab F, Gastmeier P: Clostridium difficile in discharged patients. Germany Emerg Infect Dis 2007; 13: 179–80. MEDLINE

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