ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Kryobanken: Faszinierende Perspektiven
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100 000 Stammzellen auf einem Kubikmillimeter der „miniaturisierten Zellcontainer“, das ergibt faszinierende Perspektiven für die gegenwärtige wissenschaftliche Praxis. Doch lässt sich zeigen, dass die Tiefkühlkonservierung in St. Ingbert auch in wissenschaftstheoretischer Hinsicht von grundsätzlicher Bedeutung ist: Beispielsweise ist gut denkbar, dass an den kryotechnisch aufbewahrten Präparaten nach Jahrzehnten neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu ganz anderen Diagnosen führen, als sie aktuell „perfekt“ gestellt wurden. Das kann sowohl den Befund an den Zellen oder Zellverbänden selbst betreffen wie auch die Definition der Krankheit, die uns heute als „Gesetz“ erscheint. Alle Voraussetzungen im „Explanans“ unserer deduktiv-nomologischen Diagnoselogik sind plötzlich verändert, „nichts stimmt mehr“. Freilich wird das uns heutigen Patienten nichts mehr nützen. Oder doch? Denn der Gedanke kann immerhin den Sinn haben, uns Ärzte bescheidener zu machen: Die beste Diagnose – auch die pathologisch-anatomische – ist jetzt nur eine „vorläufige Diagnose“. Bei solcher Relativierung des Diagnosebegriffs kann keiner mehr unter falscher Sicherheit leiden. Man weiß eben niemals alles und braucht deshalb nicht den „großen Meister“ zu spielen. Und man wird vielleicht eher den gegenwärtigen Patienten beachten und dessen besondere Situation nicht übersehen.
Dr. Frank Praetorius, Lauterbornweg 27,
63069 Offenbach am Main
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