ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Operationsrisiko aus der Sicht des Kardiologen: Kein Freibrief für Statine

MEDIZIN: Diskussion

Operationsrisiko aus der Sicht des Kardiologen: Kein Freibrief für Statine

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3340 / B-2939 / C-2837

Meyer, Frank P.

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LNSLNS Die Autoren meinen, dass kardiovaskuläre Komplikationen bei nicht kardialen Operationen wesentlich zur präoperativen Morbidität und Mortalität beitragen. Sie argumentieren, dass verschiedene, auch randomisierte Arbeiten eine geringere perioperative Mortalität bei Statintherapie zeigen (zitierte Literatur 24, e19–e23). Betrachtet man die Literatur, existiert nur eine randomisierte Studie (e19), in der bei 100 Patienten mit elektiven gefäßchirurgischen Eingriffen 30 Tage nach der Randomisierung (Atorvastatin 20 mg täglich versus Placebo über 45 Tage) auf valide Weise innerhalb von 6 Monaten der Einfluss eines Statins auf die Mortalität untersucht wurde. Die Mortalität (Tod aus kardialen Gründen) wurde nicht gesenkt (1). Alle anderen zitierten Arbeiten (24, e20, e21, e22) waren retrospektive oder Fall-Kontroll-Studien mit nur begrenzter Aussagekraft. Selbst die besonders hervorgehobene retrospektive Kohortenstudie (e23) an mehr als 780 000 Patienten bringt nur eine absolute Risikoreduktion von 1 % (2,1 versus 3,1 %). Das würde bedeuten, dass bei 100 mit Statinen vorbehandelten Patienten therapieassoziiert nur ein Todesfall (NNT = 100) verhindert wird (2). Bei diesem Design sind Bias (in beiden Richtungen) vorprogrammiert. Künftig sind also prospektive, randomisierte, kontrollierte Studien erforderlich, um zu definitiven Aussagen zu gelangen. Die gegenwärtige Datenlage rechtfertigt weder eine allgemeine langfristige präoperative noch eine kurzfristige perioperative Applikation von Statinen bei nichtkardialen Operationen. Selbst in der Heart Protection Study (e24) wird bei Hochrisikopatienten durch Simvastatin (40 mg täglich) die Mortalität innerhalb von 5 Jahren im Vergleich zu Placebo nur um 1,8 % (14,7 minus 12,9 %) gesenkt (NNT = 56) (3). Statine sollten nicht als Lifestyle-Medikamente missbraucht werden.


Prof. Dr. med. Frank P. Meyer
Magdeburger Straße 29, 39167 Groß Rodensleben

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Durazzo AES, Machado FS, Ikeoka DT et al.: Reduction of cardiovascular events after vascular surgery with atorvastatin: a randomized trial. J Vasc Surg 2004; 39: 967–76. MEDLINE
2.
Lindenauer PK, Pekow P, Wang K, Gutierrez B, Benjamin EM: Lipid-lowering therapy and in-hospital mortality following major noncardiac surgery. JAMA 2004; 291: 2092–9. MEDLINE
3.
Heart Protection Study Collaborative Group: MRC/BHF Heart Protection Study of cholesterol lowering with simvastatin in 20 536 high-risk individuals: a randomised, placebo-controlled trial. Lancet 2002; 360: 7–22. MEDLINE
1. Durazzo AES, Machado FS, Ikeoka DT et al.: Reduction of cardiovascular events after vascular surgery with atorvastatin: a randomized trial. J Vasc Surg 2004; 39: 967–76. MEDLINE
2. Lindenauer PK, Pekow P, Wang K, Gutierrez B, Benjamin EM: Lipid-lowering therapy and in-hospital mortality following major noncardiac surgery. JAMA 2004; 291: 2092–9. MEDLINE
3. Heart Protection Study Collaborative Group: MRC/BHF Heart Protection Study of cholesterol lowering with simvastatin in 20 536 high-risk individuals: a randomised, placebo-controlled trial. Lancet 2002; 360: 7–22. MEDLINE

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