ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Operationsrisiko aus der Sicht des Kardiologen: Myokardszintigrafie zur präoperativen Risikoabschätzung geeignet

MEDIZIN: Diskussion

Operationsrisiko aus der Sicht des Kardiologen: Myokardszintigrafie zur präoperativen Risikoabschätzung geeignet

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3340 / B-2939 / C-2837

Burchert, Wolfgang; Schäfers, Michael; Schober, Otmar; Schäfer, Wolfgang; Schwaiger, Markus; Dahl, Jürgen vom; Zimmermann, Rainer; Bengel, Frank

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LNSLNS Im Übersichtsartikel zur präoperativen Risikoeinschätzung wird ein Algorithmus zum Patientenmanagement vor nicht kardialen Eingriffen vorgestellt, der den Stellenwert der Myokardszintigrafie (Myokard-Perfusions-SPECT) nicht berücksichtigt.
Die Autoren begründen dies mit einer Studie aus dem Jahr 1994, in der 457 konsekutive Patienten präoperativ mit der Myokardszintigrafie untersucht wurden. Lediglich die klinisch diagnostizierte koronare Herzkrankheit und ein Lebensalter > 65 Jahre erwiesen sich als signifikante perioperative Risikoprädiktoren, die Ergebnisse der Myokardszintigrafie hingegen nicht. Eine Dobutamin-Stress-Echokardiografie (DSE) wurde in dieser Studie nicht durchgeführt.
Demgegenüber stehen zahlreiche Studien, die nachwiesen, dass die präoperative Myokardszintigrafie eine Risikoabschätzung erlaubt und gerade bei Hochrisiko-Patienten ein normaler Befund ein geringes perioperatives Risiko aufzeigt (negativer prädiktiver Wert 95 bis 100 %) (1). Diese Studien blieben im Übersichtsartikel unberücksichtigt. Die Eignung der Dobutamin-Stress-Echokardiografie zur präoperativen Risikoeinschätzung wurde hingegen mit einer entsprechenden Studie begründet.
In einer Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt ist eine objektive und vergleichende Betrachtung beider Verfahren auf Grundlage der derzeit verfügbaren Daten angebracht. So zeigte bereits 1996 eine Metaanalyse (10 myokardszintigrafische Studien, 5 DSE Studien), dass die prognostische Bedeutung beider Untersuchungsverfahren für perioperative ischämische Ereignisse vergleichbar ist (2).
Verwiesen sei auch auf die Leitlinie der Amerikanischen Gesellschaft für Kardiologie, die differenzierte Empfehlungen und Indikationen für die präoperative Durchführung nuklearkardiologischer Untersuchungen auflistet (1). Insofern sollte, auf dem derzeitigen Erkenntnisstand basierend, die Myokardszintigrafie als gleichwertig zur DSE in den oben genannten Algorithmus aufgenommen werden. Zudem weist eine medikamentöse Belastung mit den Vasodilatatoren Adenosin oder Dipyridamol im Rahmen der Myokardszintigrafie ein geringeres Nebenwirkungsprofil auf als die Dobutaminbelastung bei der Stress-Echokardiografie.


Prof. Dr. med. Wolfgang Burchert
Prof. Dr. med. Michael Schäfers
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Otmar Schober
PD Dr. med. Dr. rer. medic. Wolfgang Schäfer
Prof. Dr. med. Markus Schwaiger
Prof. Dr. med. Jürgen vom Dahl
Prof. Dr. med. Rainer Zimmermann
Prof. Dr. med. Frank Bengel

Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Oliver Lindner
Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und Molekulare Bildgebung
Herz- und Diabeteszentrum NRW
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen
E-Mail: olindner@hdz-nrw.de

Interessenkonflikt
Die Autoren Prof. Bengel, Prof. Schäfers und Prof. Schober erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht. Der Autor Prof. Schwaiger bezieht Drittmittel von den Firmen Siemens und Philips. Der Autor Prof. Dahl erhielt Vortragshonorare von den Firmen GE Healthcare/Amersham Buchler und der Firma MSD. Der Autor Prof. Zimmermann hat Vortragshonorare beziehungsweise Reisekostenersattungen von den Firmen Bristol-Myers-Squibb, GT Healthcare sowie Sanofi-Synthelabo erhalten. Die Autoren Dr. Schäfer und Prof. Buchert haben sich an Multicenterstudien von GE Healthcare beteiligt und von dieser Firma Reisekosten und Vortragshonorare entgegengenommen. Sie haben Reiskosten und/oder Honorare von Bristol-Myers-Squibb, Siemens, Philips und Sanofi-Synthelabo erhalten. Der Autor Dr. Lidner hat Honorare und/oder Reisekostenerstattungen von Bristol-Myers-Squibb, Philips und Aventis erhalten. Er war vorübergehend bei GE Healthcare beschäftigt und hat an einer Multicenterstudie von GE Healthcare mitgearabeitet.
1.
Klocke FJ, Baird MG, Lorell BH et al.: ACC/AHA/ASNC guidelines for the clinical use of cardiac radionuclide imaging – executive summary. 2003; American College of Cardiology Web site. http://www.acc.org/clinical/guidelines/radio/index.pdf
2.
Shaw LJ, Eagle KA, Gersh BJ, Miller DD: Meta-analysis of intravenous dipyridamole-thallium-201 imaging (1985 to 1994) and dobutamine echocardiography (1991 to 1994) for risk stratification before vascular surgery. J Am Coll Cardiol 1996; 27: 787–98. MEDLINE
1. Klocke FJ, Baird MG, Lorell BH et al.: ACC/AHA/ASNC guidelines for the clinical use of cardiac radionuclide imaging – executive summary. 2003; American College of Cardiology Web site. http://www.acc.org/clinical/guidelines/radio/index.pdf
2. Shaw LJ, Eagle KA, Gersh BJ, Miller DD: Meta-analysis of intravenous dipyridamole-thallium-201 imaging (1985 to 1994) and dobutamine echocardiography (1991 to 1994) for risk stratification before vascular surgery. J Am Coll Cardiol 1996; 27: 787–98. MEDLINE

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