ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Operatives Risiko bei hepatologischen und gastroenterologischen Erkrankungen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Operatives Risiko bei hepatologischen und gastroenterologischen Erkrankungen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3342 / B-2941 / C-2839

Rädle, Jochen; Zeuzem, Stefan

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LNSLNS Die perioperative Mortalität bei Patienten mit Leberzirrhose wird neben den operativen Einflussfaktoren insbesondere durch die Schwere der Lebererkrankung, die Komorbidität und das Patientenalter bestimmt. Für Patienten mit einer Child-A-Leberzirrhose (MELD-Score < 8) konnte anhand der vorgestellten Literatur belegt werden, dass die Mortalität einer laparoskopischen Cholezystektomie mit < 1 % im Bereich von Lebergesunden liegt (1). Auf die Operation von Leisten- oder Nabelhernien sind wir nicht im Detail eingegangen, weil diese als relativ sichere Eingriffe bei Patienten mit kompensierter Leberzirrhose angesehen werden (2). Aktuelle Daten einer großen retrospektiven Analyse der Mayo Clinic, Rochester, Minnesota, an 772 Patienten mit Leberzirrhose belegen für große abdominale, orthopädische und kardiovaskuläre Operationen bei Patienten mit einem MELD-Score < 8 eine 30-Tage-Mortalität von 5,7 % (3). Die Mortalität gegenüber einer Kontrollgruppe mit kleineren Operationen (wie Appendektomie oder Hernienoperation) war in diesem Zeitraum signifikant erhöht, glich sich allerdings nach einem Jahr wieder an. Notfalloperationen erhöhen die Mortalität teils deutlich, ohne dass hierfür verlässliche aktuelle Zahlen vorlägen. Lebertransplantationen hingegen weisen bei einem kurativen Behandlungsansatz der Lebererkrankung allgemein eine geringere Mortalität auf. Aufgrund der Datenlage und klinischen Einschätzung schlussfolgern die Autoren der Mayo Clinic, dass größere Operationen bis zu einem MELD-Score < 11 bei einem für den Patienten vertretbaren Mortalitätsrisiko im Allgemeinen möglich sind (3).
In Übereinstimmung mit dem vorliegenden Kommentar möchten wir wegen einer möglichen postoperativen Funktionsverschlechterung nochmals auf eine ausreichend lange, auch interdisziplinäre Nachbetreuung von Patienten mit Leberzirrhose hinweisen. Ebenso sollte auch bei kleinen oder ambulanten Eingriffen auf eine mögliche Lebererkrankung geachtet werden.


PD Dr. med. Jochen Rädle
Prof. Dr. med. Stefan Zeuzem
Klinik für Innere Medizin II
Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Yeh CN, Chen MF, Jan YY: Laparoscopic cholecystectomy in 226 cirrhotic patients. Experience of a single center in Taiwan. Surg Endosc 2002; 16: 1583–7. MEDLINE
2.
de la Pena CG, Fakih F, Marquez R, Dominguez-Adame E, Garcia F, Medina J: Umbilical herniorrhaphy in cirrhotic patients: a safe approach. Eur J Surg 2000; 166: 415–6. MEDLINE
3.
Teh SH, Nagorney DM, Stevens SR et al.: Risk factors for mortality after surgery in patients with cirrhosis. Gastroenterology 2007; 132: 1261–9. MEDLINE
1. Yeh CN, Chen MF, Jan YY: Laparoscopic cholecystectomy in 226 cirrhotic patients. Experience of a single center in Taiwan. Surg Endosc 2002; 16: 1583–7. MEDLINE
2. de la Pena CG, Fakih F, Marquez R, Dominguez-Adame E, Garcia F, Medina J: Umbilical herniorrhaphy in cirrhotic patients: a safe approach. Eur J Surg 2000; 166: 415–6. MEDLINE
3. Teh SH, Nagorney DM, Stevens SR et al.: Risk factors for mortality after surgery in patients with cirrhosis. Gastroenterology 2007; 132: 1261–9. MEDLINE

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