ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1996Entwicklungsländer: Eigene Erfahrungen
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LNSLNSLNSLNS Nachdem ich meine medizinische Ausbildung beendet hatte, mußte ich sechs Monate in einem ländlichen Gebiet (Gingoog City Health Center, Misamis Oriental, Mindanao, Philippinen) mit einem Gesundheitsteam einen Einsatz durchführen. Dort habe ich eine Geburt ohne Einsatz von sterilisierten Handschuhen durchgeführt. Hilfsmittel waren nur klares Wasser und Seife. Eine Hebamme hatte schon die Geburt eingeleitet, aber der Rest der Plazenta war noch im Uterus. Ich wurde vom Ehemann abgeholt, um seiner Frau zu helfen. Als ich kam, war die Frau ganz blaß und der Bauch deutlich vergrößert. Ich habe versucht, den Rest der Plazenta und den Rest vom Gerinnsel manuell zu evakuieren. Als Vorsichtsmaßnahme habe ich mit meiner linken Hand die Gebärmutter auf der Bauchspitze festgehalten, um den Uterus während der Evakuierung mit einem gleichmäßigen Druck zu sichern. Ich habe diese Frau gerettet und natürlich mit Antibiotika behandelt . . .
Wichtig ist, das Leben zu retten, sogar unabhängig von hochspezialisierten Geräten. Die Erfahrung, diesen Einsatz zu probieren, ist wirklich empfehlenswert! Eigenes Selbstvertrauen und eigene Selbständigkeit bauen sich schnell auf. Innerhalb von sechs Monaten dieses Einsatzes ist man wirklich "geschafft", und man stellt fest, wie unvergeßlich und sinnvoll die Erfahrung war. Die Berufung als Arzt ist tatsächlich erfüllt. Außerdem hat man neue Kenntnisse und Erfahrungen in seinem Leben gewonnen. Jeden Tag hat man ein schönes Erlebnis. Frustration und Enttäuschung gehören auch dazu, aber man lernt dabei, wie man damit umgehen muß. Diesen Einsatz würde ich gern noch einmal machen, wenn ich wieder die Chance bekäme.
Nach fünf Jahren ärztlicher Erfahrung hier in Deutschland bin ich ständig zur Fortbildung und zu Seminaren und Informationsgesprächen gefahren, um mich für wichtige Qualifikationen ausbilden zu lassen. Ich habe schon gute Zeugnisse gesammelt, aber bis jetzt bleibt die Chance, mich selbständig zu etablieren, gering und manchmal hoffnungslos. Sie können sich vorstellen, wie schwer die Umstellung hier zu meistern ist. Von der dritten Welt in ein industriell und technisch hochentwickeltes Land – es bleibt immer ein Kampf . . . Dr. med. Evadne Parulan-Holzhüter, Niemannsweg 23, 24105 Kiel
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