ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Cox-2-Inhibitoren: Ab sofort ruht die Zulassung für Prexige®

PHARMA

Cox-2-Inhibitoren: Ab sofort ruht die Zulassung für Prexige®

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3352

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat das Ruhen der Zulassung für das lumiracoxibhaltige Arzneimittel Prexige angeordnet. Lumiracoxib war weltweit in mehr als 50 Ländern zugelassen, nicht aber in den USA. Die dortige Arzneimittelbehörde FDA lehnte Ende September die Zulassung wegen der erhöhten Rate von Leberenzymen ab.
In Australien hatte bereits im August die dortige Arzneimittelbehörde Therapeutic Goods Administration (TGA) eine Rücknahme des Medikaments erzwungen, nachdem es bei mehreren Patienten zum Leberversagen gekommen war, bei einigen mit tödlichem Ausgang. In Australien war Prexige in Tablettenform in der Dosierung von 100, 200 und 400 mg erhältlich, in Europa ausschließlich in der Dosierung von 100 mg. Da die hepatotoxischen Zwischenfälle in Australien nur bei den 200-mg- und 400-mg-Dosierungen beobachtet wurden, reagierte die European Medicines Agency (EMEA) lediglich mit einer „dringenden Zulassungsänderung“.
Die Fachinformationen wurden durch neue Angaben zu Gegenanzeigen, Warnhinweisen, Vorsichtsmaßnahmen und Nebenwirkungen ergänzt. Seither sind nach Angabe des BfArM weitere Fälle über Leberschädigungen bekannt geworden, und zwar auch unter der niedrigen Tagesdosis von 100 mg sowie bei vergleichsweise kurzer Anwendungsdauer. Die Gesamtzahl der Spontanberichte über Leberschädigungen stieg damit auf 159.
Leberschäden schon nach
16 Tagen beobachtet
Unter den Berichten befinden sich laut BfArM 14 Fälle von Leberschädigungen mit schwerwiegendem Verlauf unter einer Tagesdosis von 100 mg, einschließlich dreier Fälle mit einer Therapiedauer von weniger als einem Monat. Dabei betrug die kürzeste Einnahmedauer, nach der schwere Leberschädigungen beobachtet wurden, 16 Tage.
Letzteres widerlegt die Hoffnung, dass die schweren Komplikationen bei regelmäßigen Laborkontrollen rechtzeitig erkannt werden können. Das BfArM glaubt auch nicht, dass das Risiko durch Kontraindikationen (Verbot für Patienten mit erhöhtem Risiko für Leberschädigungen) vermieden werden könne. Diese Position beruht auf einer Analyse des Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der EMEA, die ihre abschließenden Empfehlungen im Dezember veröffentlichen will.
Novartis vertritt in einer Pressemitteilung die Auffassung, dass Prexige nicht hepatotoxischer sei als andere nicht steroidale Antiphlogistika (NSAID). Auf der Basis von weltweit neun schweren hepatischen Ereignissen unter der niedrigen Dosis von 100 mg – hier besteht eine Diskrepanz zu den Zahlen des BfArM – errechnet der Hersteller eine Inzidenz von 5,19 Ereignissen je 100 000 Patientenjahre. Sie wird mit Angaben aus der Literatur (Rubenstein JH et al., Aliment Pharmacol Ther 2004; 20: 373–80) verglichen, nach denen NSAID in 3,1 und 23,4/100 000 Patientenjahren schwere hepatotoxische Komplikationen auslösen.
Der Vorschlag von Novartis, die Anwendung von Prexige auf Patienten mit hohem Risiko für gastrointestinale Komplikationen zu beschränken (für die COX-2-Inhibitoren ursprünglich ja entwickelt wurden), lehnte das BfArM ab. Dies würde das absolute Risiko für Leberschädigungen für den einzelnen Patienten nicht reduzieren, sondern nur die Gesamtzahl der Fälle, heißt es in der Begründung des BfArM.
Rüdiger Meyer
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