ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007HPV-Infektion: Cervarix® als zweiter Impfstoff zugelassen

PHARMA

HPV-Infektion: Cervarix® als zweiter Impfstoff zugelassen

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3352

Bischoff, Angelika

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Inzidenz des Zervixkarzinoms ist durch das Screening auf ein Drittel gesunken und in den letzten zehn Jahren auf dem erreichten Niveau von 12,5 Neuerkrankungen/100 000 jährlich geblieben. Durch eine zusätzliche flächendeckende und frühzeitige HPV(humanes Papillomavirus)-Impfung junger Mädchen besteht die Möglichkeit, die Inzidenz noch weiter zu verringern.
Seit Ende September 2007 ist ein neuer HPV-Impfstoff zugelassen zur Prävention von zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN 2 und CIN 3) und Zervixkarzinomen, die durch HPV-16 und HPV-18 verursacht werden. Eine persistierende Infektion mit HPV-Viren ist eine notwendige Voraussetzung für das Auftreten eines Zervixkarzinoms. Prof. Lutz Gissmann (Heidelberg) erinnerte bei der Einführungspressekonferenz in Andechs daran, dass es 20 Jahre gedauert habe, bis das HPV als Tumorvirus allgemein anerkannt wurde. Im Vordergrund der Kanzerogenese stehen die HPV-Typen 16 und 18, die verantwortlich sind für etwa 70 Prozent aller Zervixkarzinome. Die HPV-Infektion ist zwar vorwiegend eine sexuell übertragene Erkrankung der jungen Frau, es gibt aber auch bei älteren Frauen Neuinfektionen. Hier besteht sogar ein höheres Risiko für eine Persistenz.
Der neue Impfstoff Cervarix besteht aus Virus-like-particles (VLP), die nur die leere Virushülle der HPV-Typen 16 und 18 repräsentieren; er enthält kein genetisches Material und ist somit nicht infektiös. Die VLP sind jedoch immunogen und rufen die Bildung von spezifischen Antikörpern gegen beide HPV-Genotypen hervor. Die Immunogenität wird verstärkt und der Schutzeffekt verlängert durch das Adjuvans AS04 mit dem Immunstimulans Monophosphoryl-Lipid-A (MPL). Durch Adjuvierung mit AS04 habe langfristig ein höherer Antikörpertiter erzielt werden können als mit dem üblichen Adjuvans Aluminiumhydroxyd, erläuterte Priv.-Doz. Dr. Andreas M. Kaufmann (Berlin).
Die Genotypen-spezifische Immunantwort korreliert mit dem klinischen Schutzeffekt. In der PATRICIA*-Studie habe Cervarix eine 100-prozentige Wirksamkeit gegen HPV-16/18-bedingte präkanzeröse Läsionen gezeigt, berichtete Prof. Tino Schwarz (Würzburg). Der 100-prozentige Schutz vor persistierenden Infektionen und präkanzerösen Läsionen hält für 5,5 Jahre an, wie Langzeitdaten zeigen. Die Antikörper transsudieren auch ins Zervikovaginalsekret und bieten dort einen lokalen Schutzeffekt.
Für Mädchen Kassenleistung
Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit März 2007 eine HPV-Impfung für alle Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren. Seit wenigen Monaten ist die HPV-Impfung für diese Klientel Kassenleistung. Auch für Frauen höherer Altersklassen kann eine Impfung sinnvoll sein.
„Man darf nicht gering schätzen, dass die Impfung auch Krebsvorstufen verhütet“, betonte Dr. Heike Perlitz (Haldensleben). Ein pathologischer Abstrich stellt eine erhebliche psychische Belastung für eine Frau dar. Konisationen können zur Zervixinsuffizienz führen. Und die Tatsache, an einer sexuell übertragenen Krankheit zu leiden, ruft Scham, Partnerschaftskonflikte und einen hohen Gesprächsbedarf hervor.
Dr. med. Angelika Bischoff

Launch-Pressekonferenz „Für die Frauen – für die Zukunft“ in Andechs, Veranstalter: GlaxoSmithKline
*PATRICIA= PApilloma TRIal to prevent Cervical cancer In young Adults
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema