ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2007Die Aktienanleihe ist zurück

GELDANLAGE

Die Aktienanleihe ist zurück

Dtsch Arztebl 2007; 104(48): A-3354 / B-2950 / C-2846

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die Abgeltungsteuer sollte zum Schreckgespenst des Jahres ernannt werden. Mit einer gewissen Fassungslosigkeit nehme ich zur Kenntnis, dass unter dem Vorwand, genau dieses oder jenes Produkt sei bestens geeignet, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen, nahezu jeder Mist verkauft wird.
Dabei sind auch Papiere, gegen die ich schon vor Jahren angeschrieben habe. Ich meine ganz konkret Aktienanleihen. Sie erinnern sich vielleicht an die großformatigen Anzeigen in den Wirtschaftsblättern, dort wurde mit Superrenditen bis zu 15 oder 18 Prozent geworben. Dahinter steckte dann eine Aktienanleihe auf einen DAX-Titel oder STOXX-Wert, das Ganze hatte eben nur den Nachteil, dass, wenn der Referenzkurs der entsprechenden Aktie unter eine definierte Marke (Basiswert) fiel, der Anleger eben dieses Papier geliefert bekam und anschließend auf fetten Verlusten saß, trotz der schönen Leihzinsen. Irgendwann begriff dann auch die Mehrzahl der Anleger, dass Aktienanleihen eher so konstruiert waren, die emittierende Bank reich zu machen, und so verkümmerte dieses Marktsegment bis Ende letzten Jahres.
Das war einmal. Die Aktienanleihe erlebt seit diesem Januar ein fulminantes Comeback. Die Zahl der gelisteten Aktienanleihen an der Stuttgarter Derivatebörse EUWAX liegt mittlerweile bei 6 500 Titeln, Tendenz weiter deutlich steigend. Begründung: Die Abgeltungsteuer begünstige nunmehr Aktienanleihen. Zu allem Unglück stimmt das auch noch. Bis jetzt zählten Aktienanleihen als Finanzinnovation, und Gewinne daraus (so sie entstanden), mussten voll versteuert werden.
Durch die Abgeltungsteuer fällt dieser Nachteil weg, aber immer vorausgesetzt, ein Gewinn fällt auch wirklich an. Das Risiko, die Aktie geliefert zu bekommen und dann einen viel empfindlicheren Verlust zu erleiden, als vom vermeintlichen Steuervorteil zu profitieren, ist einfach viel zu groß. Also gilt für Aktienanleihen nach wie vor, dass höchste Vorsicht angebracht ist.
Damit nur kein falscher Eindruck entstehe: Natürlich bedeutet die Einführung der Abgeltungsteuer ab dem 1. Januar 2009 einen gewaltigen Einschnitt, und es ist sehr wohl angezeigt, seine Anlagestrategie auf die neue Situation einzustellen, viele wissen durchaus noch nicht, welche Fallstricke im Kleingedruckten lauern.
Es gibt Produkte, die sich hervorragend „gegen“ die Abgeltungsteuer eignen, wie etwa Fonds mit einer braven Gesamtkostenquote, aber es gibt eben genauso viele Mogelpackungen. Als Faustregel gilt dabei, wer marktschreierisch oder aber auch augenzwinkernd Steuervermeidungstatbestände anpreist, ansonsten aber keine anständigen Argumente für die angebotene Finanzdienstleistung auf der Pfanne hat oder Risiken schamhaft verschleiert, sollte nicht über die Schwelle gelassen werden.
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