ArchivDeutsches Ärzteblatt49/20073 Fragen an… Prof. Dr. med. Daniel Grandt, Präsident des Kongresses für Patientensicherheit

POLITIK

3 Fragen an… Prof. Dr. med. Daniel Grandt, Präsident des Kongresses für Patientensicherheit

Dtsch Arztebl 2007; 104(49): A-3371 / B-2965 / C-2861

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Prof. Dr. med. Daniel Grandt
Prof. Dr. med. Daniel Grandt
Was haben Sie seit dem ersten Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie 2005 in Saarbrücken erreicht?
Grandt: Wir haben bei vielen Fachleuten, bei Patienten, aber auch in der Politik ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Arzneitherapie ein Hochrisikoprozess ist und nur alle Beteiligten gemeinsam dieses Risiko vermindern können. Ausdruck dafür ist sicherlich der Aktionsplan, den das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium jetzt vorgelegt hat. Er spiegelt letztlich auch die Überzeugung des Ministeriums wider, dass ein kontinuierlicher Prozess erforderlich ist und dieser auch finanziell unterstützt werden muss.
Auch ist die Politik auf die Ärzteschaft zugegangen und hat die Arznei­mittel­kommission gebeten, die Umsetzung und Weiterentwicklung des Aktionsplans zu koordinieren. Das hätte ich vor zwei Jahren nicht erwartet.

Wie geht es jetzt weiter?
Grandt: Der erste Schritt ist: Wir brauchen mehr Sensibilität für das Problem bei allen Beteiligten – auch bei den Patienten. Zum Beispiel schlucken immer noch Patienten die Medikamente von Verwandten oder wissen nicht, was sie einnehmen. Der zweite Schritt ist die Abkehr von der Suche nach dem Schuldigen. Es gibt immer jemanden, der den Fehler macht. Aber dahinter stehen meist fehlerinduzierende Systembedingungen.
Dies vorausgesetzt, sollten wir Strategien zur Risikoreduktion entwickeln. Diese müssen auf dem Verständnis der Risiken und Fehler aufbauen und schließen auch eine elektronische Unterstützung bei der Verordnung ein. Alle Strategien müssen aber praxisnah und praxistauglich sein. Das ist eine Grundvoraussetzung. Ist dies nicht gegeben, können neue Fehler entstehen oder die Umsetzung im Routinebetrieb schlicht unmöglich sein.

Wo wollen Sie in zwei Jahren stehen, wenn der dritte Kongress zur Patientensicherheit stattfindet? Welches Thema könnte dann auf der Tagesordnung stehen?
Grandt: Wichtig ist zunächst einmal, dass der Kongress durch den Aktionsplan sozusagen institutionalisiert worden ist. Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren schon Ergebnisse der Projekte zur Risikominimierung vorstellen können, die jetzt im Zuge des Aktionsplans aufgelegt werden.
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