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Der Artikel zeigt, dass Informationsbedarf offenbar an mehreren Stellen besteht – nicht nur bei den Patientinnen, sondern auch ärzteseitig. So führt die „Kooperationsgemeinschaft Mammografie“ zur Studie von Kuhl et al. (Lancet 2007; 370: 485– 92) an, dass die „Ergebnisse der Studie sich im Hinblick auf die Treffsicherheit der MRT . . . ‚nur‘ auf die Diagnostik von duktalen Carcinomata in situ (DCIS) beziehen“. Damit hat die „Kooperationsgemeinschaft Mammografie“ sicherlich recht – das war ja schließlich auch der Gegenstand der Studie. Nicht erwähnt wird aber, dass die Überlegenheit der MRT bei allen anderen Mammakarzinomen längst bewiesen ist. Als letzter „blinder Fleck“ der MRT galt bislang die Diagnostik des DCIS – bisher vermeintlich letzte Domäne der Röntgenmammografie. Nun ist belegt, dass auch für die Detektion des DCIS die MRT bei Weitem sicherer ist als die Röntgenmammografie – ganz speziell hinsichtlich der Diagnostik der biologisch aggressiveren, sogenannten high grade DCIS. Das bedeutet, dass die Mamma-MRT das medizinisch eindeutig bessere Verfahren ist . . . Dies sind die nüchternen Fakten. Befremdlich ist der Umgang damit – und zwar der in unserem Land. Die „Kooperationsgemeinschaft Mammografie“ führt an, auch die Autorin der Studie habe geäußert, dass ihre Ergebnisse nicht als Argument gegen das Röntgenmammografie-Screening einzusetzen sind. Dies ist richtig – verloren gegangen ist aber wohl das kleine Wort „derzeit“. Diese Einschränkung gilt, weil die MR-Mammografie derzeit nicht flächendeckend angeboten werden kann. Zu erwarten und zu hoffen ist, dass sich das ändert. In den USA wie auch in England ist man diesen Schritt (zumindest für Frauen mit familiärer Belastung) bereits gegangen. In Deutschland – immerhin dem „Exportland“ dieser Technik! – scheint dies in weiter Ferne – sind doch immense Investitionen in das Röntgen-mammografie-Screening-Programm geflossen. Es kann nicht schlecht sein, einen Tumor früh zu diagnostizieren und zu therapieren. Oder noch besser: Die Vorstufe eines biologisch aggressiven Tumors zu erfassen, auch wenn dies primär durch ein relativ teures Untersuchungsverfahren geschieht. Dies gilt besonders auch vor dem Hintergrund knapper Ressourcen: Wenn ich jemanden früh genug von einem Tumor heilen kann, spare ich Folgekosten – so habe ich das früher einmal gelernt. Gerade für das Mammakarzinom gilt dies nicht? Und wenn nicht – warum dann überhaupt Röntgenmammografie-Screening? Es besteht tatsächlich großer Informationsbedarf – an Fakten.
Univ.-Prof. Dr. Hans H. Schild,
Direktor der Radiologischen Universitätsklinik Bonn, Sigmund-Freud-Straße 25, 53105 Bonn
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