ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2007Das Elend mit den Medienfonds

GELDANLAGE

Das Elend mit den Medienfonds

Dtsch Arztebl 2007; 104(49): A-3427 / B-3015 / C-2911

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Dem deutschen Steuerzahler gebührte längst ein „Oscar“ – der für besondere Verdienste um die amerikanische Filmindustrie. Vor allem bundesdeutsche Anleger investierten Milliarden in Medienfonds. Die Unterstützung der Glanz-&-Glamour-Branche funktionierte natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern vor allem, weil den Investoren in Hochglanzprospekten die wunderbaren Steuervorteile unter die Nase gerieben wurden. Kein Wunder, dass der verführerische Odem des fiskalischen Schnippchenschlagens seine Wirkung nicht verfehlte, vor allem die sogenannten VIP-Medienfonds gingen über den Tresen wie „geschnitten Brot“.
Wer etwa als Kinogänger Jean-Baptiste Grenouilles Meisterwerk „Das Parfum“ sah, immerhin im letzten Jahr mit 5,5 Millionen Zuschauern der erfolgreichste Film, hörte, so er Zeichner des VIP-Medienfonds 4 war, schon während der Vorführung förmlich das Geld in seinen Taschen klimpern, nebst Seelenverwandtschaft mit dem Protagonisten, der am Ende bekanntlich ja auch die Staatsgewalt überlistete.
Dumm nur, dass der deutsche Fiskus sich ziemlich regiewidrig verhielt. Wie schon beim VIP 3 werden die Finanzämter ihren Kunden wohl auch beim VIP 4 hohe Steuernachzahlungen abverlangen. Grundlage der bösen Absicht ist ein Urteil des Finanzgerichts München, in dem die Verlustzuweisung an die Anleger aberkannt wurde. Aufgrund der langen Laufzeit der Verwertungsverträge brächte die anschließende Verwertung des Fonds selbst nur noch einen geringen Ertrag. Somit, so das Finanzgericht, seien die Filme eben nicht Anlagevermögen, sondern verlustzuweisungsunfähiges Umlaufvermögen. Also, kehrt Marsch, zurück mit den eingesparten Steuern.
Nicht nur die Anleger der VIP-Fonds, deren Gründer Andreas Schmid gar wegen Steuerhinterziehung für sechs Jahre hinter schwedische Gardinen gesteckt wurde, sind betroffen, sondern über die gesamte Medienfondsbranche ist gewissermaßen Sodom und Gomorrha hereingebrochen, obwohl es durchaus auch seriöse Adressen gibt.
Die in der Branche als zuverlässig geltende Hannover Leasing arbeitet nach eigenen Angaben mit den Finanzbehörden sogar zusammen und auch der Emittent LHI beteuert, seine Medienfonds nach dem Erlass der Finanzbehörde ausgerichtet zu haben. Bei den LHI-Modellen lägen die Kriterien, die zu einer Nichtabzugsfähigkeit von Verlusten führten, so nicht vor, meint jedenfalls die Geschäftsführung.
Wie auch immer, der Fiskus schert wohl derzeit die Medienfonds alle über einen Kamm. Will heißen, die Anleger werden samt und sonders zur Kasse gebeten. War wohl nichts mit Happy End.
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