ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2007Palliativmedizin: Zustimmung
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Frau Kollegin Bausewein ist voll und ganz zuzustimmen: Die deutsche Palliativmedizin hat sich schon viel zu lange allein auf Menschen mit Krebs konzentriert. Tatsächlich machen ja onkologische Erkrankungen nur rund ein Viertel aller Todesfälle in der Bundesrepublik aus. Für die Mehrheit der sterbenskranken Menschen in Deutschland fehlt also ein palliativmedizinisches Angebot weitgehend, obgleich auch sie deutlich davon profitieren könnten. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich die Lebensprognose von Menschen mit nicht onkologischen Erkrankungen (NOE) in weit fortgeschrittenem Stadium auch erfahrenen Ärztinnen und Ärzten – anders als bei onkologischen Erkrankungen – meist nicht intuitiv erschließt. Angaben zur Prognose sind aber bei vielen Palliativ-angeboten Voraussetzung für die Aufnahme in diesen Dienst. Bei NOE mit ihren diskontinuierlichen Verläufen sind solche prognostischen Aussagen zur verbleibenden Lebenszeit weit schwieriger – oder waren es wenigstens bislang. Schon Ende der Neunzigerjahre hat eine Expertengruppe der nordamerikanischen Hospiz- und Palliativ-Gesellschaft (National Hospice and Palliative Care Organization, NHPCO) zusammen mit den dortigen Krankenkassen sehr aussagekräftige Prognosemarker erarbeitet. Sie ermöglichen es, aus relativ wenigen klinischen Daten zu recht verlässlichen Aussagen über die noch bestehende Lebenszeit bei weit fortgeschrittenen NOE zu kommen. Das erleichtert die Aufnahme solcher Patienten in den Hospiz- beziehungsweise Palliativbereich. Allerdings wurden solche Daten in einer ersten Übersicht erst in diesem Jahr auch auf Deutsch veröffentlicht (Student & Napiwotzky: Palliative Care; Thieme, Stuttgart 2007, Seite 178–184) . . .
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Christoph Student,
Palliativmediziner und Psychotherapeut,
Deutsches Institut für Palliative Care,
St. Gallener Weg 2, 79189 Bad Krozingen
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