GELDANLAGE

Die globale Dorfsau

Dtsch Arztebl 2007; 104(50): A-3502 / B-3086 / C-2978

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Kapital sei, einem uralten Börsenkalauer zufolge, scheu wie ein Reh, aber gierig wie ein Bock. Das mag wohl sein, funktioniert aber vermutlich auch nur deswegen so gut, weil die Produktmacher und Ideenverkäufer in schöner Regelmäßigkeit die ebenso berühmten Sauen durchs Dorf jagen, um größtmögliches Interesse zu erregen, mit anschließenden Kaufimpulsen, versteht sich.
Das war vor Jahrzehnten schon so. Ich erinnere mich noch gut an den Hype um spanische Versicherungsaktien (Seguros Mas) und den Kaufrausch in Nippon-Werten, und dieses System hat sich bis heute in bester Frische erhalten.
Mit „BRIC“ wurde den Investoren in letzter Zeit aus dem bunten Strauß weltweiter Anlagemöglichkeiten ein Investmentzückerchen offeriert, mit dem sich gutes Geld verdienen ließe, verbunden mit dem klasse Gefühl, ein kosmopolitischer Investor zu sein. Dass die Realität um BRIC-Produkte (Brasilien, Russland, Indien, China) zuweilen anders aussieht, wen interessiert das schon beim Anlagegespräch, Hauptsache, die Investmentstory stimmt.
Der neueste Clou soll aber „Next 11“ sein, dahinter verbirgt sich die zweite Schwellenländergeneration, der fulminante Wachstumsraten nachgesagt werden, und es demnach nun höchste Zeit sei, als Anleger daran zu partizipieren. Bei der Deutschen Bank hat die Tochter DWS GO als erste Emittentin das Thema aufgegriffen und das „Next 11 Trend Total Return Index Zertifikat“ aufgelegt. Bei „Next 11“ handelt es sich um die Länder Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Korea, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Türkei und Vietnam. Ein ziemliches Durcheinander. Ich fürchte, ohne den schmucken Titel hätte sich kaum ein Anleger hinterm Ofen vorlocken lassen, so sehr gehört anscheinend Klappern doch zum Handwerk.
Merrill Lynch sieht dagegen Chancen mit seinem „TIP Zertifikat“, das steht für Thailand, Indonesien und die Philippinen. Die Landesbank Berlin hat ein Zertifikat aufgelegt, das die Beteiligung an indischen Immobilienaktien ermöglicht. Die österreichische Erste Bank findet dagegen ihr Basket-Discount-Zertifikat auf kroatische Aktien prima, während die Raiffeisen CENTROBANK in ihren Korb noch die liquidesten serbischen Börsenwerte einzulegen verspricht.
Mir persönlich war neu, dass etwa im Iran, in Bangladesch und in Nigeria überhaupt ein vernünftiger Börsenhandel stattfinden soll. Investoren sollten sich aber schon klarmachen, dass in diesen exotischen Märkten mit wenig Liquidität die Risiken enorm hoch sind. Oft genug kommen solche Produkte dann ins Spiel, wenn die etablierten Anlagemöglichkeiten ausgereizt sind.
Also: Nicht jede Sau, die durchs Dorf gejagt wird, bringt saftigen Ertrag. Schon gar nicht, wenn sie, wie bestellt, jedes Mal an einer anderen Stelle des blauen Planeten auftaucht.
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