ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 5/2007Geldanlage mit Garantie: Solide Konstruktion

SUPPLEMENT: PRAXiS

Geldanlage mit Garantie: Solide Konstruktion

Dtsch Arztebl 2007; 104(50): [4]

Jobst, Peter

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LNSLNS Die Baisse der Jahre 2000 bis 2003 hat tiefe Spuren im Anlageverhalten der Deutschen hinterlassen: Aktien und Aktienfonds werden gemieden, Produkte mit Kapitalgarantie feiern indes Hochkonjunktur. Doch es müssen nicht die mit hohen Kosten belasteten Garantiefonds sein.

Foto: Fotolia [m]
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Deutsche Geldanleger sind alles andere als mutig: Geht es an der Aktienbörse aufwärts, halten sie sich mit Engagements zurück. Es könnte ja bald ein Rückschlag kommen, der Anstieg wird lediglich als temporäre Erscheinung betrachtet. Gekauft wird erst dann, wenn alle kaufen, und die Kurse – wie in den Jahren 1999 und 2000 – nahezu explodieren. Dann gelten weder charttechnische noch fundamentale Regeln, auch der gesunde Menschenverstand wird weitgehend ausgeschaltet, denn schließlich kauft jeder. Die Folge: Bei mehrjährigen Haussen sind deutsche Anleger selten dabei, erst kurz vor dem Rückschlag engagieren sie sich. Und weil ihnen auch bei einem Kursrückgang der Mut zum schnellen Verkauf fehlt, erleiden sie häufig hohe Verluste.
Deutsche Anleger sind aber auch nachtragend. Wenn ein US-amerikanischer Investor hohe Verluste erleidet, heißt es nur „what shalls“ – und er engagiert sich in anderen Werten. Verzeichnet ein deutscher Sparer jedoch einen Rückschlag mit seinen Beteiligungswerten, wendet er sich verbittert und oftmals über mehrere Jahre von der Börse ab. Aktien werden als „spekulativ“ oder gar als „Teufelszeug“ eingestuft, jeder Kursanstieg wird lediglich als kurzzeitige Reaktion interpretiert, die nicht von langer Dauer sein kann. Stattdessen setzt der Anleger in dieser Phase auf sichere Papiere.
Diese deutsche Eigenart nutzen Banken und Sparkassen derzeit aus. Sie legen „Garantieprodukte“ auf, die dem Anleger ein hohes Maß an Sicherheit suggerieren: Einerseits wird er bis zu bestimmten Höchstgrenzen zum Beispiel an einem Depot unterschiedlicher Aktien beteiligt, andererseits wird ihm der Kapitalerhalt zum Ende der Laufzeit mehr oder minder verbindlich zugesagt. Die Konstruktion der angebotenen Produkte ist dabei sehr unterschiedlich. Gern angeboten werden Papiere, die auf einem Korb, bestehend aus festverzinslichen Rentenwertpapieren und Aktien, basieren. Dabei sollen die Rentenwerte den Kapitalerhalt garantieren, während die Aktien auf einen möglichst hohen Ertrag abzielen. Beliebt sind aber auch reine Aktien-Portefeuilles, deren Kurse über Derivate der Terminbörsen wie etwa Verkaufsoptionen oder Terminkontrakte abgesichert werden. Nicht selten wird die Garantie aber auch vom Emittenten selbst in eigener Regie übernommen, das heißt, der Anleger wird an der positiven Wertentwicklung eines festgelegten Aktienkorbs in vollem Umfang oder – diese Variante überwiegt – teilweise beteiligt. Den Kapitalerhalt sichert der Emittent unabhängig vom eigentlichen Produkt. Zudem bieten auch Fondsgesellschaften neben klassischen Garantiefonds mit den „Total-Return-Fonds“ sowie den „Absolute-Return-Fonds“ auch zwei Produktkategorien an, bei denen der Werterhalt allerdings lediglich angestrebt, im Regelfall jedoch nicht garantiert wird.
Das Problem liegt jedoch in den hohen Kosten: Nicht nur die Anbieter lassen sich ihre Dienstleistungen mit Einstiegsprovisionen von bis zu fünf Prozent und hohen laufenden Gebühren teuer bezahlen, auch die Absicherung etwa an den Terminbörsen kostet viel Geld. Und nicht zuletzt werden bei Aktienprodukten oftmals Höchstgrenzen vorgesehen, bis zu denen der Anleger an Gewinnen beteiligt wird. Steigt der Aktienkorb stärker, bleibt der Zusatzertrag beim Emittenten.
Entgegen landläufiger Meinung ist es jedoch keineswegs schwierig, sich selbst ein entsprechend sicheres Depot zusammenzustellen. Voraussetzung dafür ist ein Kapital im mindestens mittleren fünfstelligen Bereich und ein festgelegter zeitlicher Horizont. Nun wird das Kapital in zwei Teilen angelegt:
- Ein Teil fließt in „sichere“ Papiere wie etwa Anleihen mit Restlaufzeit bis zum Ende des zeitlichen Rahmens. Die Tilgung erfolgt dabei zu 100 Prozent.
- Ein Teil fließt in „unsichere“ Titel wie etwa Aktien oder Finanzderivate.
Erfolgreich ist eine solche Konstruktion dann, wenn der Rentenanteil mit Zins und Zinseszins den Kapitalerhalt garantiert, während der Aktien-/Derivateteil für den Ertrag des Portefeuilles steht. Wie hoch die jeweiligen Anteile sein müssen, kann aus der Tabelle abgelesen werden. Steht das Kapital beispielsweise vier Jahre zur Verfügung und erwartet ein Anleger einen durchschnittlichen Zinsertrag der Rentenwerte, zum Beispiel Unternehmensanleihen, von 4,1 Prozent, dann müssen 85 Prozent des Gesamtkapitals in Rententiteln investiert werden. Denn das hier angelegte Geld wächst dank Zins und Zinseszins bis zur Fälligkeit in vier Jahren auf 100 Prozent der Gesamtanlage, sodass – theoretisch – das gesamte in Aktien oder anderen spekulativen Produkten investierte Geld verloren gehen dürfte. Kann das Kapital über zehn Jahre investiert werden und erwartet man hierfür eine Rendite von 4,4 Prozent, dann können sogar 35 Prozent des Gesamtdepots spekulativ investiert werden – ohne dass das Geld gefährdet ist.
Wichtigstes Gegenargument einer solchen Konstruktion ist die Tatsache, dass ein Nullertrag keineswegs als anzustrebende Größe zu sehen ist. Doch einerseits besteht darin zu vorgefertigten Garantieprodukten kein Unterschied, andererseits droht ein Nullertrag ohnehin nur dann, wenn der gesamte spekulativ angelegte Kapitalteil verloren geht. Am Kapitalmarkt sind solche Totalverluste hingegen ausgesprochen selten, solange nicht hoch riskante Finanzderivate gewählt und nicht laufend überwacht werden.
Andererseits sind die Gewinnchancen beachtlich. Legt man einen durchschnittlichen jährlichen Kursanstieg der Aktien von 7,5 Prozent zugrunde, ergibt sich bei zehnjähriger Anlage von 100 000 Euro mit einer Renditeerwartung der Rentenwerte von 4,4 Prozent folgende Rechnung: Investiert wurden 65 000 Euro (65 Prozent) in Rentenwerten mit 4,4 Prozent Rendite und 35 000 Euro in Aktien mit 7,5 Prozent Ertrag. Nach zehn Jahren ist das Rentenvermögen auf 100 000 Euro (100 Prozent des investierten Kapitals) gewachsen. Gleichzeitig hat sich das Aktienvermögen auf 72 136 Euro verbessert. Der Anleger verfügt mithin über ein Kapital von 172 136 Euro. Dies entspricht einer risikofreien (!) Gesamtrendite von 5,6 Prozent. Hat der Anleger gar risikofreudig mit Optionsscheinen spekuliert und damit in zehn Jahren ein keineswegs unrealistisches Plus von zum Beispiel 400 Prozent gemacht, erzielt er zum Ende dieses Zeitraums einen Erlös von 275 000 Euro. Dies bedeutet eine – wiederum risikofreie – Rendite von satten 10,7 Prozent. Im Übrigen besteht bei einer erwarteten Trendwende am Kapitalmarkt jederzeit die Möglichkeit, bereits erzielte Gewinne durch den Verkauf der Papiere dauerhaft zu sichern. Peter Jobst
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