SUPPLEMENT: PRAXiS

Klimawandel: Risiko und Chance

Dtsch Arztebl 2007; 104(50): [8]

Löwe, Armin

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Der globale Klimawandel und seine Folgen werden auch in der Vermögensverwaltung einer der großen Megatrends der nächsten Jahre sein, prognostizieren Experten.

Eine internationale Expertenkommission hat die dramatischen Fakten des Klimawandels im Februar in ihrem Bericht „Climate Change 2007“ eindrucksvoll vorgestellt. Noch im gleichen Monat kam die Fondsgesellschaft DWS, Tochter der Deutschen Bank, mit dem ersten offenen Investmentfonds auf den Markt, der gezielt den Klimawandel zum Thema macht und dies auch in der Fondsbezeichnung zum Ausdruck bringt, dem DWS Klimawandel. Gerade hat der UN-Klimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in Valencia seinen neuesten Bericht vorgestellt, der noch einmal verdeutlicht, wie kritisch die Lage ist.
Fonds entdecken das Thema
Der globale Klimawandel, der sich nach dem jüngsten Bericht noch beschleunigt, bedeutet große Risiken für die Weltwirtschaft, ist aber auch zugleich eine Chance. Die Chance, die darin liegt, sehen vor allem die Anbieter von Geldanlagen. Der Klimawandel erreicht die Börse, lautete bereits zu Beginn dieses Jahres eine Schlagzeile auf der Webseite „www.-klimaaktiv.com“. In der Tat: Anbieter von Fonds und Zertifikaten haben das Thema entdeckt.
Als einer der ersten hatte also wieder einmal die Deutsche-Bank-Tochter DWS die Nase im Wind. Aber das ist durchaus kein Zufall. Die Deutsche Bank beschäftigt sich schon lange sehr intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Entscheidungen im Asset Management. Im Oktober veröffentlichte das Institut die Studie „Investing in Climate Change“, in der die Auswirkungen des Klimawandels auf die Anlageentscheidungen der Anlagemanager analysiert werden. Das hochkarätig mit den Spitzenkräften des Asset Managements der Deutschen Bank besetzte Komitee kommt zu dem Schluss, dass der Klimawandel einer der großen Megatrends in der Vermögensverwaltung der kommenden Jahre sein wird.
Anleger profitieren
Für interessant halten die Experten zum einen Unternehmen, die Produkte, Dienstleistungen und Technologien entwickeln, mit denen die Treibhausemissionen, die den Klimawandel bewirken, verringert werden können. Zum anderen setzen die führenden Köpfe der Deutschen Bank auf Unternehmen, die dabei helfen, sich auf die Veränderungen des Klimas vorzubereiten und die Konsequenzen besser zu bewältigen.
Überwiegend sind im DWS Klimawandel Aktien zu finden, die sich auch in jedem Fonds gut machen würden, der sich den Themen Nachhaltigkeit, Ökologie oder ganz speziellen Teilaspekten widmet. Neben den alternativen Energien (Wasserkraft, Wind, Solar) gehören dazu auch Unternehmen der Wasseraufbereitung (eigene Wasserzertifikate gibt es bereits) und der Beseitigung der Umweltverschmutzung. Aber auch Autohersteller sind hier zu finden, die besondere Verdienste um das abgasarme Auto haben (wie etwa Toyota). Der Klimawandel-Fonds stieß auf eine gute Resonanz, rund neun Monate nach der Auflegung beträgt das Fondsvolumen 822,7 Millionen Euro. Der Mut der Anleger wurde belohnt, bislang legte der Fonds um fast neun Prozent zu.
Dabei sind die Bundesbürger, die den Ideen der Nachhaltigkeit und Ökologie durchaus positiv gegenüberstehen, eher zurückhaltend, wenn es um Geldanlagen geht. Lediglich zwei Prozent der Bundesbürger haben ihr Geld in Nachhaltigkeitsfonds investiert, zwei Drittel planen solche Investments auch nicht, nur ein Fünftel erwägt derartige Anlagen, wie aus einer Befragung von forsa im Auftrag des belgischen Kreditinstituts Fortis hervorgeht.
Auch bei den Zertifikaten ist das Thema Klimawandel angekommen: Gerade haben die Schweizer Bank Julius Bär und der Investmentberater SAM den JB SAM Climate Change Basket platziert. SAM steht für Sustainable Asset Management, und hier handelt es sich um den führenden Asset-Manager von Nachhaltigkeitsinvestments. Auch in diesem Fall zeigt sich, dass die Anlagethemen Klimawandel und Nachhaltigkeit sehr nah beieinander liegen. Die 16 Aktien des Zertifikats sollen vier Strategien realisieren: saubere Technologie, natürliche Ressourcen, Mobilität und Schadensbegrenzung – die allesamt auch in jedes Nachhaltigkeits-Portefeuille passen würden. Aber das Schlagwort Klimawandel verkauft sich derzeit wohl besser.
Solarenergie im Fokus
Das SAM-Zertifikat hat eine Laufzeit von zwei Jahren und enthält Solarunternehmen wie Q-Cells oder SolarWorld, aber auch den japanischen Autohersteller Toyota, weil das Unternehmen führend ist bei Fahrzeugen, die einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor kombinieren und damit den CO2-Ausstoß verringern.
Solarenergie bildet überhaupt einen Schwerpunkt innerhalb des Themas Klimawandel und Nachhaltigkeit. „Durch die aktuelle Klimadebatte rückt die Frage nach dem Reduktionspotenzial von CO2 und den entsprechenden Vermeidungskosten der einzelnen solaren Energietechnologien weiter in den Fokus“, heißt es in einer gerade veröffentlichten Studie des Baseler Bankhauses Sarasin. Die Schweizer prognostizieren, dass Solarenergie in zehn Jahren günstiger als konventionelle Energie sein wird. Für den Rest des Jahrzehnts werde die Fotovoltaik weltweit jährliche Zuwachsraten von 50 Prozent erzielen, heißt es in der Studie.
Auch die geschlossenen Fonds haben das Thema Solarenergie entdeckt. Derzeit bieten drei Initiatoren (DCM, KGAL, SachsenFonds) geschlossene Solarfonds an, ein Emissionshaus (Commerz Real, eine Tochter der Commerzbank) will im nächsten Jahr mit einem solchen Angebot auf den Markt kommen. KGAL und Commerz Real setzen auf Spanien, teilweise tut dies auch DCM mit einem sehr interessanten Mix. Der DCM Solarfonds 1 investiert zwei Drittel in Deutschland und ein Drittel in Spanien. In Deutschland werden die Solarzellen auf den riesigen Flachdächern der Logistikzentren von Aldi errichtet.
Klimawandel ist derzeit ein Modethema auch für die Geldanlage. Aber niemand vermag heute zu sagen, welche Unternehmen, welche Aktien davon am Ende am meisten profitieren. In den USA gab es einmal Hunderte von Automobilherstellern, wie viele sind übrig geblieben? Was ist aus den Highflyern des Internetbooms geworden, nur wenige haben überlebt. Armin Löwe
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