ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 5/2007Abgeltungsteuer: Die Übergangszeit nutzen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Abgeltungsteuer: Die Übergangszeit nutzen

Dtsch Arztebl 2007; 104(50): [12]

Löwe, Armin

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LNSLNS Ab 2009 müssen neben Zinsen und Dividenden auch Kursgewinne versteuert werden.

Der Gesetzgeber hat den Anlegern bei der Einführung der Abgeltungsteuer eine ausreichende Vorbereitungszeit eingeräumt. Diese sollte genutzt werden. Denn die neue Regelung tritt erst am 1. Januar 2009 in Kraft.
Die Abgeltungsteuer erfasst nicht nur die bisher schon steuerpflichtigen Zinsen und Dividenden, sondern auch die Kursgewinne. Sie beträgt 25 Prozent plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Bislang waren Kursgewinne nur zu versteuern, wenn die Papiere weniger als ein Jahr gehalten wurden.
Die Abgeltungsteuer ersetzt bei den Dividenden das Halbeinkünfteverfahren, nach dem die Hälfte der Dividenden mit dem persönlichen Steuersatz belastet wurde. Zinsen wurden bislang nach dem persönlichen Steuersatz versteuert, an der Quelle wurde jedoch ein Zinsabschlag erhoben, der als Vorauszahlung auf die Einkommensteuer angerechnet wurde. Die Abgeltungsteuer ist vorteilhaft gegenüber der alten Regelung für Personen mit einem individuellen Grenzeinkommensteuersatz von mehr als 25 Prozent. Nicht entgehen können die Anleger der Abgeltungsteuer bei Zinsen und Dividenden. Vor allem Zinseinkünfte wurden oft nicht deklariert, darauf kommt es in Zukunft nicht mehr an: Der Abzug erfolgt vor Auszahlung der Zinsen durch die Bank.
Bei geschickten Dispositionen lässt sich vor allem die Steuer auf Veräußerungsgewinne vermeiden. Denn die Abgeltungsteuer wird nur bei solchen Wertpapieren erhoben, die nach dem 31. Dezember 2008 erworben wurden. Das heißt, früher erworbene Papiere bleiben steuerfrei. Wertpapiere und Fonds, die bis zum 31. Dezember 2008 erworben wurden, können also nach dem 1. Januar 2009 steuerfrei verkauft werden.
Portefeuille umschichten
Diese Übergangsregelung gilt für Aktien, Anleihen und Fonds, aber nicht für Zertifikate. Noch besteht sogar Zeit, Aktien zu erwerben und unter Einhaltung der einjährigen Spekulationsteuerfrist steuerfrei wieder zu veräußern. Zum 1. Januar 2009 sollte der Anleger also sein Portefeuille so umgeschichtet haben, dass er möglichst lange keine steuerpflichtigen Verkäufe vornehmen muss.
Bei Zertifikaten geht nichts mehr. Nur solche, die vor dem 4. März erworben wurden, können nach dem 30. Dezember 2009 abgeltungsteuerfrei veräußert werden. Später gekaufte Zertifikate unterliegen der Abgeltungsteuer – es sei denn, sie werden bis zum 30. Juni 2009 wieder veräußert. Gleichgültig ist dabei, ob es sich um Zertifikate mit oder ohne Garantie handelt. Bisher unterlagen nur die Gewinne aus Garantiezertifikaten der Einkommensteuer.
Es geht bei allen anderen Wertpapieren also darum, nach dem 1. Januar 2009 möglichst keine Umschichtungen vornehmen zu müssen. Für langfristige Haltepositionen eignen sich vor allem Dachfonds. Das sind Fonds, die in andere Fonds investieren. Weil auf Fondsebene keine Abgeltungsteuer anfällt, kann der Dachfondsmanager die Zielfonds hin- und hertauschen, ohne dass eine Steuer anfällt. Der Dachfondsmanager kann also durch Käufe und Verkäufe jederzeit die optimale Asset Allocation gewährleisten, ohne dass der Anleger einen steuerpflichtigen Verkauf vornehmen muss. Erst wenn der Anleger sich von seinem Dachfonds trennt, fällt die Abgeltungsteuer an, sofern der Dachfonds nicht vor dem 1. Januar 2009 erworben wurde.
Auch sogenannte Vermögensverwalterfonds eignen sich für eine so lange Haltedauer. Diese Art Fonds geben dem Manager einen so breiten Anlagespielraum, dass er weltweit in Aktien und Anleihen anlegen und, falls erforderlich, auch vorwiegend liquide Mittel halten kann. Der Anleger hat damit die Möglichkeit, jahrelang in solchen Fonds engagiert zu bleiben, ohne dass sich für ihn die Notwendigkeit ergibt, den Fonds zu verkaufen und einen anderen zu erwerben. Sehr oft sind solche Fonds auch als thesaurierende Fonds konzipiert, das heißt, Zins- und Dividendenerträge werden wieder angelegt. Damit wird auch die Steuer auf Zinsen und Dividenden vermieden.
Steuerfreie Anlageformen
Es besteht aber auch die Möglichkeit, Anlageformen zu wählen, die überhaupt nicht von der Abgeltungsteuer betroffen sind. Das sind die meisten geschlossenen Fonds, bei denen sich der Anleger als Kommanditist an einer Kommanditgesellschaft beteiligt. Grundsätzlich gilt die Abgeltungsteuer nicht für gewerbliche Fonds. Besonders vorteilhaft ist die Besteuerung bei Schiffsfonds, die nach der Tonnagesteuer besteuert werden, eine Pauschalsteuer, die sich nach der Größe des Schiffs richtet und nicht mehr als 0,2 bis 0,3 Prozent der Ausschüttungen ausmacht. Damit ist bei Schiffen auch ein Veräußerungsgewinn abgegolten. Auch New-Energy-Fonds oder Policen-Fonds sind als gewerbliche Fonds nicht betroffen.
Die Abgeltungsteuer gilt auch nicht für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, also geschlossene Immobilienfonds. Steuerfrei sind hier Veräußerungserlöse nach einer Haltedauer von zehn Jahren. Flugzeugfonds erzielen sonstige Einkünfte nach § 22 Einkommensteuergesetz, die ebenfalls nicht von der Abgeltungsteuer erfasst werden. Veräußerungserlöse sind auch hier erst nach einer Haltedauer von zehn Jahren einkommensteuerfrei. Dagegen trifft die Abgeltungsteuer die Veräußerungsgewinne bei Private-Equity-Fonds, wenn sie vermögensverwaltend konzipiert sind. Armin Löwe
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