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Grund zur Zuversicht

Dtsch Arztebl 2007; 104(51-52): A-3505 / B-3089 / C-2981

Heinz Stüwe

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Heinz Stüwe Chefredakteur
Heinz Stüwe Chefredakteur
Wie wird 2007 am Ende dieses Jahrzehnts in Erinnerung geblieben sein? Als ein Jahr, das eine weitere sogenannte Gesundheitsreform brachte, die ihren Namen nicht verdient? Oder als das Jahr, in dem ein wichtiger Schritt zu angemessenen Honoraren für die Niedergelassenen getan wurde? Auf solche Fragen überzeugende Antworten zu geben, ist schwierig. Hilfestellung geben dabei Heike Korzilius und Jens Flintrop mit ihrem Jahresrückblick in diesem Heft. Kein Zweifel: Die Unsicherheit unter Ärztinnen und Ärzten über die Zukunftsperspektiven ist groß – verständlicherweise. Es gibt genug Gründe, um skeptisch zu sein. Die Grundausrichtung der Gesundheitspolitik hat sich 2007 nicht geändert: Das Misstrauen gegenüber der Ärzteschaft ist weiterhin nicht zu übersehen, der Trend geht zu mehr Staatseinfluss zulasten der Selbstverwaltung, hin zu einem uniformen Kran­ken­ver­siche­rungssystem. Dennoch oder gerade deshalb bezweifeln drei von vier Bundesbürgern, dass es der Politik gelingen wird, in Zukunft eine gute Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Die Mehrheit der Patienten vertritt die Ansicht, dass die Gesundheitsversorgung in den vergangenen zwei, drei Jahren schlechter geworden sei. Die Rationierung von Gesundheitsleistungen kann eben immer weniger verdeckt und übertüncht werden.
Nicht nur aufgrund der Finanznöte verändern sich die Rahmenbedingungen für ärztliches Handeln. Der ordnungspolitische Rahmen für die Krankenhäuser ist noch unklar. Wie die Struktur der ambulanten Versorgung in zehn Jahren aussehen wird, welche Bedeutung beispielsweise die Medizinischen Versorgungszentren erlangen werden, vermag heute niemand mit Gewissheit zu sagen. Heute schon macht Ärztinnen und Ärzten die neue Unübersichtlichkeit zu schaffen, für die beispielsweise die Begriffe Rabattverträge und hausarztzentrierte Versorgung stehen.
Und doch gibt es Grund zur Zuversicht. Ärztinnen und Ärzte sind gesucht. Für einen Großteil der Krankenhausärzte wurden berufsspezifische Tarifverträge erstritten. Für die Vertragsärzte hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung im Ringen um die Honorarreform ein gutes Ergebnis erreicht. Auch wenn 2008 noch nicht mehr Geld fließt: An den um durchschnittlich zehn Prozent höheren Punktzahlen im neuen EBM werden sich die Preise der Leistungen in Euro und Cent orientieren.Von 2009 an gehören dann Kopfpauschalen und die Budgetierung der Gesamtvergütung der Vergangenheit an. Die Kassen müssen wieder das Morbiditätsrisiko übernehmen. Viele Kassenärzte trauen den guten Nachrichten nicht, weil sie allzu oft in der Vergangenheit nach vollmundigen Ankündigungen enttäuscht wurden. Auch diese EBM-Reform birgt noch Risiken, die aber auch nicht verschwiegen werden. Neu ist jedoch die veränderte gesetzliche Grundlage. Neu ist auch, dass hochrangige Politiker der Regierungskoalition sich festgelegt haben und eine Honorarverbesserung für die Vertragsärzte befürworten, ja dafür sogar höhere Beitragssätze in Kauf nehmen wollen.
Knapp zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl gibt es noch andere positive Signale. Bundes- und Landespolitiker befassen sich ernsthaft mit der Frage, wie der Arztberuf wieder attraktiver werden kann. Bisher waren es eher die Bürgermeister und Landräte in Regionen mit Ärztemangel, die sich engagierten. Eine Kleinstadt ohne Hausarzt? Das ist für viele undenkbar und muss es auch bleiben. Arzt ist kein x-beliebiger Beruf, daran ist gelegentlich zu erinnern. So hat der Deutsche Bundestag jetzt nach einer Debatte über die schockierenden Fälle von misshandelten und vernachlässigten Kindern Vorschläge des 110. Deutschen Ärztetags aufgegriffen. In einer Entschließung verlangten die Abgeordneten, die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder auszubauen und die Eltern ausfindig zu machen, die ihre Kinder den Untersuchungen entziehen. Manche drängenden gesellschaftlichen Probleme sind ohne Ärztinnen und Ärzte nicht zu lösen. Daran wird sich auch künftig nichts ändern.
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