ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2007Vaterschaftstest: Juristen kritisieren Gesetzentwurf

AKTUELL

Vaterschaftstest: Juristen kritisieren Gesetzentwurf

Dtsch Arztebl 2007; 104(51-52): A-3508 / B-3092 / C-2984

Rabbata, Samir

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auf Mängel am Gesetzentwurf zur Klärung der Vaterschaft, den die Bundesregierung vorgelegt hat, haben Expertinnen und Experten bei einer Anhörung des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags hingewiesen. Mehrheitlich vertraten die Fachleute die Auffassung, dass der Entwurf keinerlei Qualitätsstandards für das Verfahren vorsehe.
Prof. Dr. Marion Albers von der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg bemängelte, dass das Verfahren vollkommen ungeregelt sei. So sei beispielsweise unklar, was mit der Probe passiere, wenn die Untersuchung abgeschlossen sei. Diese Auffassung vertrat auch Dr. Angelika Nake, Fachanwältin für Familienrecht aus Memmingen. Ihrer Meinung nach müsse sichergestellt werden, dass ausschließlich die zur Klärung der Vaterschaft notwendigen Proben entnommen und untersucht würden. Auch fehlten Regelungen zu der Aufbewahrung und Vernichtung der Proben.
Dr. Frauke Brosius-Gersdorf vom Lehrstuhl für Europäisches und Deutsches Verfassungsrecht der Universität Potsdam wies darauf hin, dass das Aufwachsen des Kindes in den gewohnten familiären Beziehungen nur bei heimlich eingeholten Vaterschaftstests ungefährdet sei. Würden die Zweifel des Vaters offengelegt, könne dies bei dem Kind Angst- und Verlustgefühle wecken und damit die Entwicklung seiner Persönlichkeit „erheblich gefährden“.
Das neue Gesetz zur Klärung der Vaterschaft soll bis zum 31. März 2008 in Kraft gesetzt sein. Diese Frist hatte das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber in einem Urteil vom Februar dieses Jahres gesetzt (DÄ, Heft 8/2007). Zu den allgemeinen Persönlichkeitsrechten des Mannes gehöre es festzustellen, ob er tatsächlich der Vater eines ihm rechtlich zugeordneten Kindes sei. Dieser Grundrechtschutz werde bislang nicht angemessen berücksichtigt, befanden die Richter. SR
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema