ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2007Ineffektive Sinusitistherapie
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LNSLNS Die akute Sinusitis gehört in der allgemeinärztlichen Praxis zu den häufigsten Gründen für den Einsatz von Antibiotika. Diese können jedoch die Dauer der Erkrankungen nicht verkürzen, auch die topische Behandlung mit Steroiden ist nicht effektiv, wie eine aktuelle Studie (JAMA 2007; 298: 2487–96) zeigt.
Patienten, die über eitrigen Ausfluss aus der Nase und lokalen Schmerz über den Nebenhöhlen klagen, erhalten von ihrem Hausarzt zu 67 Prozent (Norwegen) bis 98 Prozent (USA) ein Antibiotikum verschrieben. Dies ist schon deshalb eine Übertherapie, weil eitriger Ausfluss allein noch kein Beweis für eine bakterielle Infektion ist. Es gibt nach Auskunft des Editorialisten Morten Lindbæk (Oslo) kein sicheres Zeichen, um bei einer Sinusitis zwischen bakteriellen und viralen Infektionen zu unterscheiden (JAMA 2007; 298: 2543–4). Auch die von Berg und Carenfeld (Stockholm) aufgestellten Kriterien (Acta Otolaryngol 1988; 105: 343–9) seien nicht validiert. Danach müssen zwei der folgenden Befunde vorhanden sein: purulenter Ausfluss mit einseitiger Betonung, lokaler Schmerz mit einseitiger Betonung, beidseitiger purulenter Ausfluss, Nachweis von Eiter bei der Inspektion.

Auf Antibiotika und Steroide verzichten?
Diese Kriterien wurden in der Studie bei 240 Erwachsenen mit akuter nicht rezidivierender Sinusitis angewendet. Die Patienten wurden einmal auf eine empirische Antibiotikatherapie mit Amoxicillin (auch in Deutschland Mittel der Wahl) oder Placebo randomisiert. Zusätzlich erhielten sie ein Nasenspray, das entweder Budesonid oder ein Placebo enthielt. Beide Therapien wirkten nicht. Unter der Antibiotikatherapie hatten nach zehn Tagen noch 29 Prozent der Patienten Beschwerden. Unter Placebo waren es 33,6 Prozent – ein geringfügiger Unterschied, der statistisch nicht signifikant war (Odds Ratio 0,99; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,57–1,73). Auch das Nasenspray hatte keinen Einfluss: Mit oder ohne Budesonid waren nach zehn Tagen 32 Prozent der Patienten noch symptomatisch. Die Ärzte könnten daher bei den meisten Patienten auf die Gabe von Antibiotika und Steroiden verzichten, fordert Editorialist Lindbæk. Nur bei hartnäckigen Infektionen würden Antibiotika benötigt. Leider könne dies niemand den Patienten ansehen. Eine mögliche Lösung könnte in der Ausstellung von Eventualrezepten bestehen, welche die Patienten nur dann einlösen, wenn die Beschwerden sich nach einigen Tagen nicht bessern. rme
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