ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2007Pilotprojekt „AOK aktiv + vital“ in Hessen: Software für die Früherkennung

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Pilotprojekt „AOK aktiv + vital“ in Hessen: Software für die Früherkennung

Dtsch Arztebl 2007; 104(51-52): A-3537 / B-3117 / C-3009

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Im Pilotprojekt „AOK aktiv + vital“ wird derzeit in ausgewählten hessischen Regionen ein neues Versorgungsmodell erprobt. Die AOK Hessen hat im Rahmen der integrierten Versorgung (IV) einen IV-Vertrag konzipiert, in dem das Risiko, an Diabetes mellitus Typ II zu erkranken, festgestellt und notwendige Maßnahmen schneller eingeleitet werden können. Im Unterschied zu Disease-Management-Programmen richtet sich „AOK aktiv + vital“ präventiv an Menschen, die aufgrund medizinischer Werte und ihres Lebensstils ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung an Diabetes haben. „Es gibt kein vergleichbares IV-Projekt irgendeiner Krankenkasse, das beim Risikopatienten ansetzt. Bei uns geht es vor allem darum, eine noch nicht manifeste Erkrankung zu verhindern“, erklärte Dr. Dr. Heinz Giesen, der für das Programm verantwortlich ist. Doch auch bereits Erkrankte sollen von dem Angebot profitieren.
Eine wesentliche Komponente des Projekts ist eine für Ärzte kostenfreie Fallmanagement-Software, die von der GiV, einem Tochterunternehmen der CompuGROUP Holding AG, bereitgestellt wird. Über einen einfachen Risikotest werden aus den vorhandenen Patientenakten diejenigen Betroffenen herausgefiltert, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko aufweisen oder bereits erkrankt sind. Darüber hinaus gibt die Software dem Arzt durchgängige Behandlungspfade für Diabetes mellitus Typ II vor. Sie ermöglicht es ihm, sämtliche relevanten medizinischen Werte zu verfolgen und sich anhand von Untersuchungs- und Behandlungspfaden für Therapiemaßnahmen zu entscheiden. Dabei sind auch Abweichungen von den vorgeschlagenen Behandlungsschritten möglich, etwa bei der Medikation. Die Behandlungspfade wurden auf der Basis wissenschaftlich anerkannter Leitlinien mit Ärzten aus unterschiedlichen Disziplinen entwickelt. Zusätzlich kann der Arzt auf medizinische Datenbanken zugreifen. Er kann sich außerdem an Termine und anstehende Untersuchungen erinnern lassen. Vorgefertigte Briefe und Infopakete für die Patienten sollen dazu beitragen, den bürokratischen Aufwand für die Ärzte zu verringern. Zu dem Programm gehört auch eine optimierte Arznei-, Heil- und Hilfsmittelversorgung mit vereinfachtem Genehmigungsprozess.
Um die Interaktion zwischen den behandelnden Ärzten zu fördern, werden anonymisierte Behandlungsstatistiken für Qualitätszirkel zur Verfügung gestellt. Die Software ist mit allen Praxisverwaltungssystemen der CompuGROUP kompatibel. Für andere Softwarehäuser sollen die Systemschnittstellen offen gelegt werden, damit auch deren Anwender das Programm nutzen können.
Das Projekt sieht auch ein an die gesundheitlichen Erfolge angelehntes Vergütungsmodell für die Ärzte vor. So erhalten die teilnehmenden Haus- und Fachärzte aufgrund des höheren Beratungsaufwands eine zusätzliche fixe Vergütung zur regulären Abrechnung (15 Euro für die Erstdokumentation, weitere zehn Euro je Quartal). Hinzu kommt eine Erfolgsvergütung bei einer Verbesserung oder dem Erreichen der vorgesehenen Zielwerte bei einem teilnehmenden Patienten (bis zu 60 Euro pro Jahr). Mitbehandelnde Fachärzte erhalten eine jährliche Pauschale von 30 Euro je Patient zusätzlich.
Auch die Versicherten sollen Anreize zur Teilnahme erhalten. So erwägt die AOK Hessen beispielsweise die Einführung eines Wahltarifs im Lauf des Jahres 2008. Man arbeite an der Ausgestaltung von Tarifinhalten und der zugehörigen Bonifizierung, sagte Giesen. Eine Belohnung des Teilnehmers wäre zum Beispiel möglich, wenn der Patient die Kontrolltermine wahrnimmt, die medikamentösen Empfehlungen seines Arztes einhält und die vereinbarten Gesundheitsziele erfüllt, etwa auf sein Gewicht achtet. Die AOK will dieses Versorgungsmodell auf weitere Indikationen ausweiten. KBr
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