ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2007Pflegequalität: Unkritisch
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Die Berichterstattung (und folglich die aufgeregte Diskussion) über die vermeintlich so katastrophale Pflegequalität erfolgt bisher leider absolut unkritisch. Keiner der Journalisten, leider auch nicht im DÄ, macht sich die Mühe, die mitgeteilten Zahlen auf elementarste Weise zumindest zu hinterfragen. 40 Prozent der Bewohner hungern und verdursten? Bei zwei Dritteln unzureichende Lagerung? (Nur ca. zehn Prozent sind überhaupt in dieser Situation!) Sind das auch nur auf den ersten Blick glaubwürdige, vernünftige Zahlen? Der MDK liefert ein statistisches Zahlenwerk, bei dessen Aufstellung elementare Regeln rigoros übergangen wurden . . . So werden Stichproben aus fünf Prozent ausgesprochenen Problempatienten (präfinal-moribund, Sondenkost, Untergewichtige aus vielerlei Gründen u. Ä.) als repräsentativ für die übrigen 95 Prozent der Bewohner dargestellt. Dabei kann nichts anderes herauskommen als die mitgeteilten Nonsenszahlen . . . Dem MDK nimmt man diesen Unfug aber erstaunlicherweise kritiklos ab, so groß ist sein Ansehen, das er damit allerdings zugleich weitgehend verspielt haben dürfte, wie auch die Rufe nach anderen Instanzen nun zeigen. Auch ist z. B. nie gehört worden, dass diejenigen (die große Mehrheit) von MDK-Gutachtern, die Tag für Tag die Bewohner von Heimen individuell begutachten, jemals Alarm geschlagen hätten über die angeblich so fortlaufend anzutreffenden skandalösen Zustände – es wäre eigentlich ihre bürgerliche Pflicht. Auch sprechen die spontanen Rückmeldungen von Abertausenden Ärzten, die die Heime regelmäßig besuchen, nicht davon – im Gegenteil, das Engagement der Pflegenden wird respektiert, anerkannt und sogar bewundert . . . Das Niveau, auf dem die Pflegeleistung in deutschen Heimen zurzeit diskutiert wird, ist schlichtweg nur peinlich, zumindest Fachblätter wie das DÄ sollten es besser können.
Dr. med. Reinhold Hölker, Schulstraße 1,
67575 Eich/Rheinhessen
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