ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2007Arztberuf: Übers Ziel hinaus
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So sehr dem generellen Impetus des Artikels ohne Einschränkung zugestimmt wird, so groß die Anerkennung für den Autor und das DÄ auch ist, dass sie den Artikel bringen, so wurde der Autor meines Erachtens, vom Geist der guten Sache beseelt, das eine oder andere Mal über die Sachlichkeit hinaus ins Wolkenkuckucksheim hinausgetragen. So wird z. B. festgestellt, dass Verwaltung, Kostenträger und Politik zweckgerichtet, utilitaristisch handeln. Wir in der praktischen Medizin tätigen Ärzte tun dies ebenso, aber eben nicht primär auf die Allgemeinheit bezogen, sondern wir beziehen uns auf den Menschen, der sich uns anvertraut, und behandeln ihn hoffentlich auf seinen Zweck gerichtet. Und auch der nächste Satz „Denn: Was dem Individuum nützt, schadet der Gesellschaft“ ist in seiner Totalität schlichter Unsinn: Einem Menschen seinen zertrümmerten Hüftkopf zu ersetzen, hilft ihm (Mobilität) und der Gesellschaft (weniger Pflegeaufwand) etc. Aber auch abstrakt ist dieser Satz nicht haltbar, denn was dem Einzelnen zugutekommt, kommt auch der Gemeinschaft, deren Teil er ist, zugute. Das Problem scheint mir in der Verantwortung zu liegen. Während der einzelne Arzt seinem Patienten gegenüber in der Verantwortung steht und es keine Ausflucht für ihn gibt, wird die Verantwortung in Gremien, Verwaltungen, Parlamenten so lange delegiert und umverteilt, bis sie verschwunden ist. Dies macht auch die Hierarchie in den Kliniken verständlich, die eben nicht, wie es wörtlich übersetzt hieße, eine heilige Ordnung ist, sondern aus der letztendlichen Verantwortung des Chefarztes erwachsen ist. Im ständigen Diskurs um die Entscheidungen, die zu verantworten sind, werden der jüngere, aber auch der ältere Arzt lernen, und die entstehende höhere Urteilskraft ermöglicht es dem jüngeren zunehmend, Verantwortung übernehmen zu können bzw. übertragen zu bekommen. So werden die jungen Ärzte (noch) besser, als wir älteren es sind, und werden uns gut behandeln, wenn wir ihrer bedürfen.
Priv.-Doz. Dr. med. Gerald Denk Giebel,
Martin-Luther-Straße 93, 66280 Sulzbach
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