ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2007Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Atherothrombotisches „Cross-Risiko“

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Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Atherothrombotisches „Cross-Risiko“

Dtsch Arztebl 2007; 104(51-52): A-3568

Bischoff, Angelika

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Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) äußert sich zunächst meist nur in einem Gefäß, ist aber Ausdruck einer generalisierten Atherosklerose mit entsprechenden Manifestationen in den Koronararterien und Carotiden. Die PAVK gilt daher als Marker
für ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Da symptomlose Personen durch die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index erkannt werden können, sollte die Untersuchung nach Ansicht der Angiologen zur Routine in der hausärztlichen Praxis werden. Ist er pathologisch, greifen die Regeln einer intensiven Sekundärprävention.
Die PAVK sei imVergleich zu anderen athersklerotisch bedingten Erkrankungen lange stiefmütterlich behandelt worden, äußerte Dr. Gerhart Tepohl (München). Doch inzwischen beginne sich die Sichtweise zu ändern. Vor allem die Ergebnisse der getABI-Studie (German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index) hätten deutlich gemacht, dass es sich bei der PAVK keineswegs um einen Krankheitsprozess nur in der Peripherie handele, sondern um eine schwere generalisierte Erkrankung. Nicht das Amputationsrisiko stehe heute mehr im Mittelpunkt, sondern das Risiko der PAVK-Patienten, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben.
getABI ist die bisher größte Studie zu Epidemiologie und Prognose der PAVK. Sie wurde durchgeführt bei 6 880 hausärztlichen Patienten, die älter als 65 Jahre sind. Immerhin bei einem Fünftel dieser Klientel fiel die dopplersonografische Messung des Knöchel-Arm-Index (englisch: ABI) pathologisch aus. Die Mortalität dieser Patienten lag nach fünf Jahren mit 21 Prozent doppelt so hoch wie die von Patienten mit normaler peripherer Durchblutung.
Messung Knöchel-Arm-Index
Der ABI biete nicht nur die genaueste, praktikabelste und schnellste Möglichkeit der PAVK-Diagnostik, sondern auch der Früherkennung atherosklerotischer Krankheiten insgesamt. Sie solle deshalb dringend in Präventionsprogrammen und DMP implementiert werden, forderte Tepohl. Ein pathologischer ABI müsse zwingend weitere Untersuchungen der kardialen und zerebralen Gefäße nach sich ziehen.
Wie Prof. Roman L. Haberl (München) berichtete, wiesen in der SCALA-Studie (Systemic Risc Score evaluation in ischemic stroke patients) 51 Prozent der Patienten von Stroke-Units einen pathologischen ABI auf; meist handelte es sich um eine asymptomatische periphere Durchblutungsstörung. Bei PAVK-Patienten verlief der Schlaganfall dreimal häufiger tödlich als bei Patienten ohne PAVK. Die PAVK gehört zusammen mit einem Alter > 65 beziehungsweise 75 Jahren, Rauchen, Hypertonie, früherem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu den Risikofaktoren, die der ESRS (Essen-Stroke-Risk-Score) erfasst.
Drei oder mehr Faktoren definieren eine Patientengruppe mit einem stark erhöhten Rezidivrisiko von mindestens vier Prozent jährlich. Insgesamt 58 Prozent aller Schlaganfallpatienten gehören dieser Gruppe an. „Auch Neurologen sollten deshalb routinemäßig den ABI messen“, betonte Haberl.
Das gelte ebenso für Kardiologen, die häufig stark auf kardiale Endpunkte fixiert seien, sagte Prof. Harald Darius (Köln): „Der ABI bringt oft mehr Informationen als eine Kernspintomografie.“ Immerhin stürben 70 Prozent der PAVK-Patienten an einem Myokardinfarkt.
Das Bein: Auch für Neurologen und Kardiologen wichtig
Als kardiovaskuläre Hochrisikopatienten brauchen PAVK-Patienten eine ebenso intensive sekundärpräventive Medikation wie KHK-Patienten. Die getABI-Studie hat gezeigt, dass hier noch deutliche Defizite bestehen. Ein leitliniengerechter Einsatz von Antihypertensiva (auch Betablocker sind nicht kontraindiziert), Statinen und Thrombozytenfunktionshemmern (bei symptomatischer PAVK bevorzugt Clopidogrel) ist für
PAVK-Patienten nicht weniger wichtig als für KHK- oder Schlaganfallpatienten.
Prof. Dr. Iris Baumgartner (Bern) kritisierte in diesem Zusammenhang, dass in den Köpfen vieler Ärzte noch die Vorstellung herrsche, dass das PAVK-Bein bei höherem Blutdruck besser durchblutet werde. Deshalb werde bei PAVK-Patienten häufig ein Blutdruck < 160/95 mmHg als ausreichend angesehen.
Damit könne man sich aber nicht zufrieden geben, sondern es seien die in den Therapieleitlinien aufgeführten Zielwerte von mindestens 140/90 mmHg anzustreben. „Wenn dann die Extremität zu schwach durchblutet wird, muss ein rekonstruktiver Eingriff erfolgen“, sagte Baumgartner.

Symposium „Der PAVK-Patient ein Hochrisikopatient? Aktuelle Ergebnisse zum atherothrombotischen Cross-Risiko“ anlässlich der Dreiländertagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie in München, Veranstalter: Sanofi-Aventis
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