GELDANLAGE

Schöne Bescherung

Dtsch Arztebl 2007; 104(51-52): A-3570 / B-3146 / C-3038

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Welt, wie kompliziert bist du bloß? Da spielt sich eine Finanzkrise ab, deren Belastungen in den Hundertmilliardenbereich gehen, wenn es denn nur reicht, und die Aktienkurse ficht das nicht an. Selbst die konzertierte Aktion der Zentralbanken dieses Erdballs, die Asiaten mal ausgenommen, den Geschäftsbanken Mitte Dezember zusätzliche Liquidität in Höhe von 20 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen, führte nicht zu einem Kursverfall, ganz im Gegenteil, die Werte legten nach Bekanntwerden der Nachricht erst einmal zu.

Vielleicht verstehen die Marktteilnehmer nicht (mehr) die Dimension des Geschehens. Es handelt sich hier ganz klar um eine Rettungsaktion für den Bankenapparat mit wahrhaft historischen Dimensionen. Selbst nach den Terroranschlägen am 11. September musste nicht Geld in solchen Ausmaßen in das Finanzsystem gepumpt werden, um bloß keine Vertrauenskrise hervorzurufen. Zu groß ist mittlerweile die Sorge der Geld- und Währungshüter geworden, die angespannte Situation am Geldmarkt (Banken bunkern Geld, weil sie anderen Banken nicht mehr trauen) drohe wie ein Flächenbrand auf die Gesamtwirtschaft überzugreifen.
Es ist durchaus offen, was noch an negativen Überraschungen durch notleidende Kredite und Riesenabschreibungen auch im nächsten Jahr auf uns zukommen wird. Das Platzen der Immobilienblase in den USA ist schon für sich allein genommen schlimm genug, die dortige Wirtschaft in die Knie zu zwingen, demnächst wird vermutlich auch der Häusermarkt in Großbritannien zusammenbrechen. Da sich die Klemme an den Interbankenmärkten vorzüglich als Brandbeschleuniger eignet, werden die Notenbanken auch 2008 immer wieder als Geldversorgungsfeuerwehr einspringen müssen.
Manche Vermögensberater finden alledem zum Trotz, dass Aktien auch im nächsten Jahr ein Investment wert seien. Sogar ein DAX von 10 000 Punkten und mehr könne durchaus drin sein. Ob die Jungs das ehrlich meinen oder bloß in den Wald pfeifen, weiß ich freilich auch nicht. Ich persönlich sehe die Aussichten als nicht so gut an. Meiner Meinung nach dürften die Märkte die Nerven der Anleger nächstes Jahr durch ziemlich intensive Rauf- und Runterbewegungen ordentlich strapazieren.
Die besten Anlageideen sind demnach Demut, Bescheidenheit und das Wissen, nichts zu wissen. Am Ende sind die schönsten Geschenke immer noch die selbst gemachten.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 5. Januar 2008 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80-17). Die kostenlose Telefonberatung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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