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LNSLNS Historischer Roman
Königliches Unglück
Margaret George: Maria Stuart. Der Roman ihres Lebens, TB Nr. 12427, Bastei-Lübbe Taschenbücher Verlag Gustav H. Lübbe, Bergisch Gladbach, 1995, 1 215 Seiten, kartoniert, 24,90 DM
In der angelsächsischen Literatur steht der historische Roman in hohen Ehren. Man liebt es, ins Gewand einer vergangenen Zeit zu schlüpfen und zu erleben, wie aus den Helden der weltgeschichtlichen Bühne Menschen werden, angefochten, verführbar, jeder dramatischen Regung fähig, einschließlich der banalen, die uns ihnen gleichmacht.
Dieser egalitäre Zug hat Affinität zum Trivialen, und oberstes Qualitätsmerkmal der Flut historisierender Stoffe ist die Fähigkeit des Autors, zwischen Portrait und Platitüde zu unterscheiden, Sensus zu entwickeln für Stimmungen, ohne bloß Stimmung zu machen.
Maria Stuart, die legendäre katholische Königin Schottlands, hat die literarische Phantasie seit jeher beflügelt. Die starke Frau auf Abwegen, Machtstreben unter weiblichen Vorzeichen, der Rivalinnenkampf mit der kongenialen, auch politisch klügeren Cousine Elisabeth von England, nicht zuletzt das blutrünstige Ende beim Henker – wie gemacht für die Kolportage.
Margaret George, Amerikanerin mit schottischer Familientradition, wählt den mittleren Weg zwischen effektbetonter Theatralisierung und historischer Akkuratesse. Rund 1 200 Seiten prallen Spektakels, Leichen, Intrigen, Sehnsüchte und Verzweiflungen: ein Seelendrama auf der Basis gründlicher Quellenstudien; aufbereitete, aber eben auch aufgearbeitete Geschichte. So schlägt der Roman Profit aus den Rätseln der unglücklichen Biographie Marias. Manche Episode ist etwas zu tränenreich arrangiert, doch gelingt es der Verfasserin, die Sympathie für ihre widersprüchliche Hauptfigur in eindrucksvolle Szenen zu überführen, diese zum historischen Panorama zu erweitern.
Hanns-Marcus Müller,
Köln
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