ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2007Ärzte-Schach: Ein Lob den Großmüttern

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Ein Lob den Großmüttern

Dtsch Arztebl 2007; 104(51-52): [108]

Pfleger, Helmut

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Als der Ungar Peter Leko, einer der besten Spieler der Welt, beim Dortmunder „Sparkassen Chess Open“ einmal einen ganz einfachen Gewinnzug übersehen hatte, klagte er nachher: „Das hätte sogar meine Großmutter gesehen!“
Der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, ein starker Amateur, der beinahe sogar Weltmeister Kramnik ein Remis abgetrotzt hätte („Stellen Sie sich mal vor, ich hätte ein Remis gekriegt – das ist besser als Minister!“), lernte das Spiel mit sieben Jahren von seiner dänischen Großmutter und war riesig stolz, als er sie mit 13 Jahren erstmals besiegen konnte. Dieser Sieg habe nach eigenem Bekunden sein Selbstbewusstsein mehr geprägt als jede andere Erfahrung. Besagte Großmutter namens Rasmussen muss ein Ass gewesen sein, die auch in Kriegszeiten mit ihrem deutschen, in Frankreich stationierten Mann Fernschach spielte. Wobei bei der Übermittlung der Züge Hieroglyphen wie „Sg8-f6“ oder „Le2xb5“ den Verdacht des Geheimdiensts erregten – doch schnell war die Chose aufgeklärt.
Familiensport
Unterschätze niemand die Großmütter! Wohl dem, der sich auf eine stützen kann. Das denkt sich auch Dr. med. Martin Scherer von der Uni Tübingen, der seit Jahren seine Großmutter mit zum Ärzteturnier bringt. Sie sitzt dann schon einmal neben seinem Brett und beäugt genau, ob seine Züge auch großmütterlichen Ansprüchen genügen, ähnlich wie umgekehrt die Enkelkinder von Dr. med. Christian Bordasch Opas Züge begutachten. Ganz zu schweigen von der einen Tochter, die ihm mit einem „Babyphon“ ausgestattet (leitet per Funk ein eventuelles Schreien des Säuglings zur Mutter) über die Schulter schaut. Familiensport Schach!
Zurück zu Dr. Scherer. Ich weiß nicht, ob seine Großmutter während seiner Partie gegen Dr. med. Wolfhard Trebbin aus Berlin neben ihm saß und bei seinem letzten Zug b2-b4 mit der an und für sich guten strategischen Idee, auf c5 einen Stützpunkt für Turm oder Läufer zu errichten, zuerst innerlich recht zufrieden war, dann aber miterleben musste, wie Dr. Trebbin als Schwarzer am Zug dank einer tückischen Kombination mit einem überraschenden Flankenwechsel unweigerlich einen ganzen weißen Turm eroberte. Wie kam’s?

Lösung:
Nach dem einleitenden Turmtausch 1. . . . Txc1 2. Txc1 konnte man den „Langschritt“ 2. . . . Dh6! der schwarzen Dame wahrlich leicht übersehen, zumal diese schreckliche Königin von dort wiederum „Fernes“ droht, sogar zwiefach: zum einen 3. . . . Dxh2 matt, zum anderen 3. . . . Dxc1+ mit Matt im nächsten Zug.
Sofort 1. . . . Dh6 wäre wegen 2. Txc8+ (und der Turm hat sich gerettet) viel schlechter gewesen.
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