SUPPLEMENT: Reisemagazin

Mailand: Shopping auf Italienisch

Dtsch Arztebl 2007; 104(49): [4]

Wirth-Piller, Ariane

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LNSLNS Unterwegs in Mailands „Goldenem Dreieck“ der Mode

Foto: VISUM
Foto: VISUM
Ohne eine kleine Stärkung am Vormittag kann keine Shoppingtour in Mailand ihren Anfang nehmen. Und wo könnte man besser seinen Tag beginnen als mitten in der Via Montenapoleone, im Zentrum der Stadt, unweit der mächtigen Kathedrale, wo Mode- und Finanzwelt aufeinandertreffen? Im neoklassizistischen Ambiente der traditionsreichen „Confetteria Cova“ genehmigen wir uns im Stehen an der Bar einen Cappuccino. Die Preise sind überteuert, die weiß livrierten Kellner blicken unnachahmlich blasiert, aber der gewünschte Cappuccino wird stilvoll auf einer weißen Stoffserviette serviert. Hinter einer Glasvitrine lockt feinstes Backwerk; die üppige Sachertorte erinnert an die österreichische Vergangenheit der lombardischen Hauptstadt. Doch bleibt der Blick an den winzigen, mit frischen Beeren belegten Törtchen hängen: Diese könnte sich ausnahmsweise auch eines der vielen Models gönnen, die in Mailand überdurchschnittlich oft anzutreffen sind, ohne gleich die Kleidergröße 34 zu riskieren.
Wieder zurück auf der berühmtesten Flaniermeile Mailands fällt es schwer, sich für einen der vielen edlen Designerläden zu entscheiden. Viele schicke Menschen sind hier unterwegs, die „Gutbetuchten“ von Mailand – buchstäblich. Die großen Namen der Modewelt reihen sich auf der gepflegten Straße aneinander: La Perla, Versace, Gucci, Alberta Ferretti, Ralph Lauren, Dior. In den Vitrinen von Cartier und Damiani funkeln raffinierte Edelsteinkreationen.
Aber es sind die in Deutschland eher unbekannten Namen, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Gleich mit zwei Läden ist „Paul & Shark“ vertreten, Synonym für geschmackvolle, sich am Segelsport orientierende Freizeitmode, in der man selbst auf den teuersten Jachten der Weltmeere eine gute Figur macht. Gefragt sind vor allem die fantasievollen Polohemden mit dem Hai-Logo der Marke oder die ausgefallenen Accessoires, wie Gürtel, Sportmützen und Seesäcke, die auch an einem kühlen Herbsttag die Atmosphäre der Costa Smeralda heraufbeschwören.
In dem Mailänder Traditionsgeschäft „Fedeli“ gibt es klassische Pullover, maßgeschneiderte Hemden oder Pyjamas in edelsten Materialien. Nur Kaschmir, Seide oder Leinen, in allen erdenklichen Farben, kommen zur Verwendung. Feinste Seidenbettwäsche, elegante Hausmäntel, verführerische Dessous und dazu passende bestickte Hauspantöffelchen lassen bei „Frette“ das Herz höher schlagen. Frotteehandtücher in allen möglichen Farbschattierungen und flauschige Decken aus feiner Wolle ergänzen das Angebot.
Konsumrausch unter der Glaskuppel der Galeria Vittorio Emanuele II. Foto: dpa
Konsumrausch unter der Glaskuppel der Galeria Vittorio Emanuele II. Foto: dpa
Interessant sind vor allem die Seitenstraßen der Via Montenapoleone, was unsere Shoppingtour zu einem echten Gewaltmarsch ausarten lässt. Zusammen mit der Via della Spiga erinnert dieses Straßennetz im Herzen Mailands an ein Dreieck; die Mailänder nennen das Viertel auch das „Triangolo d’Oro“ – das „Goldene Dreieck“. Assoziationen mit dem Bermudadreieck werden geweckt: Wer sich hier nicht beherrschen kann, sieht leicht seine Euro auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
In der Via della Spiga, einer der schönsten Straßen von Mailand, scheint unsere Tour einem ersten Höhepunkt zuzustreben. Diese für Autos gesperrte Straße ist ganz nach ihrer einzigen Bestimmung, dem hemmungslosen Shoppen, gestaltet. Hier sind die Läden noch imposanter und die Schaufenster noch exzentrischer dekoriert als andernorts. So haben sich die Vitrinen bei „Dolce e Gabbana“, seit Langem eines der interessantesten Modelabel Italiens, in Ställe verwandelt, in denen die Kollektion auf Strohballen präsentiert wird. Bei „Roberto Cavalli“ trifft jedes noch so kleine Detail der Ausstattung den unverwechselbaren Stil des Designers. Schon der Türgriff in Form einer Schlange weist auf die Richtung dieser sehr eleganten, aber auch provokanten Mode hin. Auf 450 Quadratmetern empfängt uns purer Luxus: Fußböden aus Marmor, Stuck und vergoldete Oberflächen an den Wänden, weiche Sessel mit Pythonmotiven. Immer wieder taucht die Python auf, das Markenzeichen von Cavalli – Verführung pur.
Aber auch die eleganten „Bambini“ von Mailand kommen bei einem Shoppingnachmittag mit ihrer Mutter nicht zu kurz. Bei „Pinco Pallino“ baumeln im Schaufenster Hängerchen für elfengleiche kleine Mädchen auf blumenumrankten Kinderschaukeln. Der neueste Gag dieses auf Kinder spezialisierten Modehauses ist die „Harry Potter Limited Edition“, Kinderbekleidung, die sich an den Schuluniformen von Hogwarts orientiert.
Auf Handschuhe ist der Laden von „Sermoneta Gloves“ spezialisiert. Ob für einen kalten Wintertag den mit Kaschmir gefütterten Handschuh oder – für den großen Auftritt in der Scala – das lange, über den Ellenbogen reichende Exemplar aus karminroter Seide, hier findet man für jeden Anlass ein passendes Paar.
Der Showroom von „da Driade“: modernes Design in den freskengeschmückten Sälen eines Palazzo. Foto: Ariane Wirth-Piller
Der Showroom von „da Driade“: modernes Design in den freskengeschmückten Sälen eines Palazzo. Foto: Ariane Wirth-Piller
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Langsam streben wir auf die Via Manzoni zu, in die sowohl die Via Montenapoleone als auch die Via della Spiga an ihren nördlichen Ausgängen münden. Raffinierte Mode von Gianfranco Ferré, verführerische High Heels von Sergio Rossi, die Statussymbol-Taschen von „Tod’s“ oder die unbezahlbaren Colliers von Bulgari haben wir jetzt zu Genüge gesehen. Dass Mailand auch die Stadt des Möbeldesigns ist, führt uns der Showroom von „da Driade“ auf das Eindrucksvollste vor. Möbel, Glasobjekte oder etwa Accessoires für den kreativ gedeckten Tisch, darunter vieles aus eigener Produktion, werden in den freskengeschmückten Sälen eines Palazzo präsentiert. Namhafte Designer wie Philippe Stark oder Matteo Thun, die schon einige Klassiker für Alessi gestaltet haben, stehen auch hier hinter vielen Entwürfen für das Haus „Driade“. Es ist diese einmalige Mischung von Modernem und Antikem, auf die wir in Mailand immer wieder stoßen und die an diesem Ort so geschmackvoll zusammenfließen.
Schräg gegenüber von „da Driade“ wollen wir unseren Shoppingtag im „Armani-Store“ stilvoll ausklingen lassen. Auf drei Stockwerken tauchen wir in die Welt dieses genialen Modemachers ein. Jedes Detail des Gebäudes, von der Verwendung der grauen Pietra Serena als Baumaterial bis hin zu den ausgesuchten Pflanzen im hauseigenen Blumenladen, spiegelt die Ästhetik und die Philosophie des „Maestro“ wider. Es ist das typische Understatement, das nach all den so atemberaubenden Eindrücken des Tages hier so wohltuend wirkt. Auch bei „Armani Casa“ im Untergeschoss dominieren klare Linien und die für den Designer charakteristischen Farben: Anthrazit, Brauntöne, Rot. Bei „Armani dolce“ kommen Schokoladenliebhaber auf ihre Kosten: feinste Pralinen, alle mit einem „A“ verziert. Gleich nebenan wird Kosmetik angeboten, auch diese in typisch minimalistischer Verpackung.
Natürlich steht auch im Armani-Store die Mode im Mittelpunkt. Bis auf die Alta Moda finden wir hier die Kollektionen von „Emporio Armani“ und „Armani Jeans“. Der kleine Buchladen ist ebenso fein sortiert: Bildbände über die Geschichte der Mode und ihre Ikonen, über luxuriöse Interieurs in den großen Metropolen der Welt oder Kochbücher, die weit davon entfernt sind, bewährte Rezepte für die tüchtige Hausfrau zu liefern, laden zum Schmökern ein. Letztere haben uns Appetit gemacht. Auch für ein raffiniertes Dinner müssen wir den „Armani-Store“ nicht verlassen, betreibt doch der japanische Starkoch Nobuyuki Matsuhisa hier seit Jahren eines seiner Restaurants. Sein „Nobu“ ist eine der angesagtesten Ausgehadressen der Schönen und Reichen von Mailand. Das neu eröffnete „Armani Privé“, das man auch für private Cocktailpartys reservieren kann, ist der ideale Ort, um nach einem langen Tag bei einem Drink und softer Musik darüber nachzudenken, warum das Shoppen in Mailand so viel aufregender ist als in Deutschland. Ariane Wirth-Piller


Adressen und Informationen:

Foto: BilderBox
Foto: BilderBox
- Confetteria Cova, Via Montenapoleone 8,
Öffnungzeiten: 7.30 bis 20.30 Uhr
- Paul & Shark-Store Ladies’ Collection, Via Montenapoleone 1
- Paul & Shark-Store Men’s Collection, Via Montenapoleone 15
- Fedeli, Via Montenapoleone 8, Öffnungszeiten:
10 bis 13.30, 14.30 bis 19 Uhr
- Frette, Via Montenapoleone 21
- Dolce & Gabbana, Boutique Donna, Via della Spiga 26
- Boutique Donna Accessori, Via della Spiga 2
- Roberto Cavalli, Just Cavalli Boutique, Via della Spiga 30
- Roberto Cavalli, Via della Spiga 42
- Pinco Pallino, Via della Spiga 42
- Sermoneta Gloves, Via della Spiga 46
- Da Driade, Via Manzoni 30
- Armani-Store, Emporio Armani, Via Manzoni 31
- Armani/Nobu, Via Manzoni 31, Via Pisoni 1,
20121 Milano, Telefon: 02/62 31 26 45, Fax: 02/62 31 26 74, E-Mail: armani.nobu@giorgioarmani.it/ reservations@armaninobu.it, Internet: www.armaninobu.it. Öffnungszeiten: Ristorante: montags bis samstags 12 bis 14.30 Uhr, montags bis sonntags 19 bis 23.30 Uhr; Bar: dienstags bis samstags 12 bis 14.30 Uhr, montags bis sonntags 18.30 bis 24 Uhr; sonntagmittags geschlossen.
Tipp: Wer abseits der berühmten Einkaufsstraßen von Mailand noch unbekannte Designer, Kunstgalerien, Restaurants und Buchläden entdecken möchte, ist im „10 Corso Como“ an der richtigen Adresse. Carla Sozzani, die schon für „Elle“ und die „Vogue“ arbeitete, eröffnete 1990 in der Straße Corso Como eine Kunstgalerie und steht heute als Gründerin hinter dem Konzept eines alternativen Shoppens, das nicht nur die typischen Szenegänger anspricht, sondern bei dem auch neue Trends gesetzt werden und junge Designer die Möglichkeit für einen Start haben.
Wenn nicht anders angegeben, sind die meisten Geschäfte zwischen zehn und 19 Uhr geöffnet. In Italien sind die Geschäfte in der Regel am Montagvormittag geschlossen, dafür aber den ganzen Samstag und zum Teil sonntags geöffnet.

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