SUPPLEMENT: Reisemagazin

Provence: Kultur und „savoir vivre“

Dtsch Arztebl 2007; 104(49): [7]

Klinkhammer, Gisela

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: laif
Foto: laif
Die südfranzösische Landschaft zieht seit Jahrhunderten nicht nur Schriftsteller in ihren Bann. Auch die Küche ist viel gerühmt.

Als Achim von Arnim um 1800 Avignon besuchte, wäre er am liebsten dortgeblieben. „Wir wohnen Avignon gegenüber an dem Ufer der Rhône am Berge im gewesenen Kloster. Keiner verfolgte uns, denn keiner verstände unsere Sprache“, schrieb er an Clemens von Brentano. Ein „Atelier des Südens“ für Schriftsteller schwebte ihm vor. Daraus wurde zwar nichts, doch die Anziehungskraft der Provence auf Schriftsteller ist bis heute ungebrochen.
Bereits im 14. Jahrhundert zeichnete sich der Ort Fontaine-de-Vaucluse als ehemaliger Wohnsitz des italienischen Dichters Petrarca aus, der dort in einer Art selbst gewähltem Exil einen großen Teil seiner Gedichte verfasst haben soll. Das heute noch existierende Gebäude ist jetzt ein Museum. Das Musée de la Résistance erinnert an die Dichtung des Widerstands. Schließlich hatte sich die Provence als Refugium für politisch Verfolgte bewährt. Schon bald nach Hitlers Machtergreifung flüchteten zahlreiche deutsche Schriftsteller an die Mittelmeerküste, unter anderem Bertolt Brecht, Stefan Zweig, Thomas und Heinrich Mann.
Mit der heute noch poetischen Atmosphäre des Orts Fontaine-de-Vaucluse wirbt das kleine „Hotel du Poète“ (www.hoteldupoete.com), dessen Besitzer Yves Tourbillon Besucher auch gern zur eigentlichen Hauptsehenswürdigkeit des Orts, der Quelle der Sorgue an einer 230 Meter hohen Felswand führt. Der Wasserstand variiert dort beträchtlich. Auf Postkarten sieht die Quelle wie ein riesiger See aus. Der Tourist kann aber auch vor einem völlig ausgetrockneten Becken stehen. Niemand wisse, wo das Wasser bliebe, erklärt Tourbillon geheimnisvoll. Wikipedia verrät jedoch, dass der Ursprung der Quelle, nachdem der französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau das unterirdische Höhlen- und Quellsystem bereits erforscht hatte, im Jahr 1985 endgültig geklärt werden konnte. Der tiefste Punkt des Siphons liegt in 308 Metern Tiefe; die Quelle ist der einzige Ausfluss eines unterirdischen Beckens von 1 100 Quadratkilometern Fläche, dass die Wasser des Mont Ventoux, der Monts de Vaucluse und der Montagne de Lure aufnimmt.
Die nicht mehr ganz geheimnisvolle Quelle der Sorgue: eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Fontaine-de-Vaucluse. Foto: picture-alliance/maxppp
Die nicht mehr ganz geheimnisvolle Quelle der Sorgue: eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Fontaine-de-Vaucluse. Foto: picture-alliance/maxppp
Ebenfalls mit literarischem Bezug wirbt ein Schlosshotel in Mazan, das 1720 erbaut wurde (www.chateaudemazan.fr). In diesem Château lebte nämlich Marquis de Sade. Er gründete dort im Jahr 1772 das erste Theaterfestival in Frankreich. Bis 1850 blieb das Château in Familienbesitz. Anschließend diente es verschiedenen Zwecken – unter anderem als Religionsschule und Altenheim. Im Jahr 2003 wurde es in ein luxuriöses Hotel umgewandelt. Von der „extremen Lust“, die der französische Schriftsteller beschrieb, ist dort nichts mehr zu spüren. Vielmehr von der angenehmen französischen Lebensart, die sich nicht zuletzt in gutem Essen und Trinken niederschlägt und die der englische Schriftsteller Peter Mayle in seinen Büchern „Mein Jahr in der Provence“, „Toujours Provence“ und „Encore Provence“ treffend beschrieben hat: „Sein pomadierter Schnurrbart zitterte vor Begeisterung, als er das Lob auf das Menü sang: foie gras, Hummermousse, Rindfleisch en croute, Salate in kaltgepresstem Öl, handverlesene Käse, traumhaft leichte Desserts, Digestifs.“
Die Herstellung solch „gastronomischer Arien“ lässt sich auch erlernen. So bieten inzwischen immer mehr Hotels Kochkurse an. Deutsche, die der französischen Sprache nicht mächtig sind, können sich beispielsweise von Thierry Crovara, der lange in Frankfurt am Main gelebt hat, und seiner deutschen Frau Nina in ihrem Hotel „Le Mas des Grès“ (www.masdesgres.com) in Lagnes in die Geheimnisse der provenzalischen Küche einführen lassen. Thierry Crovara zeigt, dass Kochen mit frischen Zutaten keine Geheimwissenschaft sein muss und auch völlig Ungeübten richtig Spaß machen kann. Einzige Voraussetzung für eine Teilnahme: Man muss Knoblauch mögen.
Von Lagnes ist es nicht weit nach L’Isle-sur-la-Sorgue, dem Geburtsort des französischen Schriftstellers René Char. Er verbrachte dort seine Jugend und und kehrte nach seiner surrealistischen Phase und der Teilnahme am Kampf der Résistance wieder dorthin zurück. Von seinen Zeitgenossen als einer der größten Dichter seiner Zeit anerkannt, wird er mit dem im Sommer 2003 eröffneten Réne-Char-Haus geehrt. Gisela Klinkhammer


Infos: Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60352 Frankfurt/
Main, Telefon: 09 00/1 57 00 25, Internet: www.franceguide.com
Foto: picture-alliance/Bildagentur Huber
Foto: picture-alliance/Bildagentur Huber
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema