SUPPLEMENT: Reisemagazin

Von Syrien nach Libyen: Kreuzfahrt mit Adrian

Dtsch Arztebl 2007; 104(49): [18]

Motz, Roland; Otto, Adrian

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Endlose Entdeckungstouren an Bord: Die Sorge, der zwölfjährige Adrian könne sich langweilen, erwies sich als unbegründet. Fotos: Roland Motz
Endlose Entdeckungstouren an Bord: Die Sorge, der zwölfjährige Adrian könne sich langweilen, erwies sich als unbegründet. Fotos: Roland Motz
Ein gewagtes Experiment: Vater und Sohn unterwegs im östlichen Mittelmeer

Roland: „Das kann ja lustig werden“, ist mein erster Impuls beim Einchecken auf der MS Delphin Renaissance in Antalya angesichts der vielen älteren Herrschaften, die sowohl einen betuchten als auch einen betulichen Eindruck machen. Doch die Sorge, mein zwölfjähriger Sohn könne sich langweilen oder – noch schlimmer – danebenbenehmen, erweist sich bald als unbegründet. Direkt nach dem Auslaufen beginnt Adrian mit endlosen Entdeckungstouren an Bord und begegnet den Mitreisenden dabei mit einer mir bis dato verborgen gebliebenen Höflichkeit, sodass ich auf dem Weg zur syrischen Küste den Blick kaum vom unverschämt blauen Meer wenden muss.
Adrian: Das riesige Schiff, drei Restaurants, eine Grillstelle, eine Bibliothek, verschiedene Bars, ein Pool, Suiten mit Bildern und Balkons. Am Morgen geht man zum Büffet, nimmt sich, was man will, und kann dann in den Fitnessbereich oder sich einen Drink an der Poolbar genehmigen. Man kann dort Shuffleboard spielen. Mein bester Treffer war das Colaglas einer englischen Dame. Die Nachmittagshitze ist unerträglich, aber im Pool kommt man schnell auf andere Ideen, wie ein Tischtennis- oder ein Dartsturnier auf dem schattigen Hinterdeck.
Omaijaden-Moschee: Im geografischen und spirituellen Mittelpunkt von Damaskus herrscht absolute Ruhe.
Omaijaden-Moschee: Im geografischen und spirituellen Mittelpunkt von Damaskus herrscht absolute Ruhe.
Damaskus/Syrien
Roland: Endlos zieht sich die Straße von Tartus durch die syrische Wüste. Die Grenze zum Irak ist nicht weit. Auf der Busfahrt zur Hauptstadt will mein Sohn wissen, was Bush gegen die Syrer habe, er fände sie nett. Triste neue Vororte ziehen sich die strauchlosen Hänge hoch, dann sind wir mitten im Verkehrs- und Menschengewusel von Damaskus. In den engen Gassen der Souks um die Moschee fließt ein unaufhörlicher Strom von Käufern und Händlern durch den größten Basar der Welt. Spätestens seit sich die Seiden- und die Weihrauchstraße hier kreuzen, ist den Syrern das Handeln in die Wiege gelegt. Zwischen zahllosen Gewürzständen, frisch geschlachteten Hammeln, grünen Pistazien und mit Auberginenmus gefüllten Teigtaschen verschwindet Adrian voller Neugier immer wieder in kleinen Läden, wo mit Stoffen, Silberschmuck und Gold gehandelt wird. Zwar taucht sein blonder Schopf jeweils schnell wieder aus dem Halbdunkel auf, doch schließlich bin ich froh, dass wir die laute Welt der Souks hinter uns gelassen haben.
Im geografischen und spirituellen Mittelpunkt von Damaskus hingegen herrscht absolute Ruhe. Barfuß stehen wir auf den blitzblanken Marmorfliesen im riesigen Innenhof der Omaijaden-Moschee. Adrian, der zu Hause freiwillig kein Gotteshaus betritt, ist beeindruckt von der Schönheit der Moschee und der tiefen Gläubigkeit der Menschen.
Adrians Bilanz: „Die Reise mit der MS Delphin Renaissance war die schönste meines Lebens.“
Adrians Bilanz: „Die Reise mit der MS Delphin Renaissance war die schönste meines Lebens.“
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Adrian: Wir liefen in den Hafen von Tartus ein. Die Stadt ist ein ziemlich heruntergekommenes Nest und nicht sehr groß, deswegen sind wir schnell auf einer Landstraße. Wir fahren drei Stunden bis Damaskus und werden von Ahmed darüber aufgeklärt, wo es die schönsten und die am besten kochenden Frauen gibt. Unser Führer meinte, wer Arbeit in Syrien wolle, der bekomme sie auch. Niemand kann es ihm richtig glauben, weil sein Sohn, wie er uns später erzählt, selbst arbeitslos sei. Aber er sagt, es sei nicht sehr schlimm, weil die Familien in Syrien sich gegenseitig unterstützen würden. Auch der Islam würde die Armen fördern, meinte er.
Das erste, was wir von Damaskus sehen, ist ein riesiges Industriegebiet. Vor der Moschee weigern sich manche Frauen unserer Gruppe, Kopftücher zu tragen und müssen draußen bleiben. Wir betreten den riesigen Vorhof, barfuß. Er hat kein Dach und ist doch sehr sauber. Uns fällt auf, dass die Frauen in der Moschee ganz hinten sitzen müssen. Der Imam erzählt etwas, doch uns interessieren mehr die herabhängenden Leuchter.
Leptis Magna: antike Wunderwelt
Leptis Magna: antike Wunderwelt
Leptis Magna/Libyen
Roland: Freundlich gelassen begegnen uns die Menschen, winken meinem Sohn zu. Durch Oliven- und Dattelhaine fahren wir nach Leptis Magna, immer begleitet vom omnipräsenten Oberst Ghaddafi, der von Plakatwänden mal mit und mal ohne Sonnenbrille auf seine Untertanen blickt. Adrian ist begeistert von der 2 500 Jahre alten Römerstadt am Meer. Stundenlang klettert er zwischen Triumphbögen, Herkulestempel und Amphitheater durch das Steinlabyrinth am Meer. Selbst den langatmigen Erklärungen unseres Führers lauscht er geduldig. Erst die Hitze treibt ihn aus der antiken Wunderwelt ins Meer.
Adrian: Überall in der Stadt Tripolis hängen Bilder von Ghaddafi. Wir zählen sie, doch bei 50 hören wir auf. Ein Schotterweg führt nach Leptis Magna, der ehemals drittgrößten Stadt des römischen Imperiums. Als erstes zeigt uns der Führer die alten Bäder, die früher einmal mit süßen Dämpfen und Gerüchen gefüllt waren. Heute leben Skorpione hier. Hinter dem Marktplatz sind die antiken Klos, wo sich Römer und Römerinnen unterhalten konnten und Geschäfte abschlossen. Allerdings kostete es Geld, und nur die Reichen konnten es sich leisten, auf die öffentliche Toilette zu gehen. Daher kommt der Ausdruck, Geld stinkt nicht.
Roland: Mit einem Zwölfjährigen auf einem Schiff in der arabischen Welt – viele Eindrücke sind auf Adrian niedergeprasselt. Zum einen die luxuriösen Seetage an Bord mit vorwiegend älteren Menschen, von denen einige Adrian in ihr Herz schlossen. Zum anderen die exotischen Landausflüge in die fremde arabische Kultur mit ihrer großen Vergangenheit und den bedrückenden Gegenwartsproblemen, die bis heute für Diskussionsstoff zwischen Adrian und mir sorgen.
Adrian: Die Reise mit der MS Delphin Renaissance war die schönste meines Lebens, da die Menschen der fernen Länder sehr nett waren. Nur manche alte Passagiere nervten mich ein bisschen, da sie über alles meckerten und zu nichts Lust hatten. Mein Geburtstag wurde auf dem Schiff gefeiert. Ich bekam einen Kuchen und eine Uhr. Sogar in meinen Träumen denke ich noch manchmal an die MS Delphin Renaissance. Roland Motz, Adrian Otto

Informationen:

Jährlich im Herbst kreuzt die MS Delphin Renaissance entlang der östlichen Mittelmeerküste. Veranstalter: Delphin Seereisen, Neusalzer Straße 22 e, 63069 Offenbach, Telefon: 0 69/ 98 40 38 11, Fax: 0 69/98 40 38 40, Internet: www.delphin-kreuzfahrt.de

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