SUPPLEMENT: Reisemagazin

Swasiland: Im Allgäu Mswatis III.

Dtsch Arztebl 2007; 104(49): [20]

Motz, Roland

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LNSLNS Das Land ist sicher und landschaftlich reizvoll. Das macht es vor allem bei jungen Südafrikanern beliebt.

Voralpine Postkartenidylle im südlichen Afrika. Foto: Fotolia/Jullag
Voralpine Postkartenidylle im südlichen Afrika. Foto: Fotolia/Jullag
Sanfte Hügel, grüne Wiesen, schmale Bäche, Büsche und Felder. Die kleine Propellermaschine fliegt über eine voralpine Postkartenidylle, die an das Allgäu erinnert, wären da nicht die vielen braunen Pisten, die wie ein Spinnennetz die reizvolle Landschaft überziehen. Sie führen zu den unzähligen homesteads, wie etwas irreführend die oft nur aus drei, vier strohbedeckten Lehmhütten bestehenden Minisiedlungen der Swasis bezeichnet werden. Wir fragen uns, warum wir in Johannesburg Malariatabletten geschluckt haben. Bis auf das östliche Tiefland mit seinen Zuckerrohrfeldern ist Swasiland malariafrei. Aber das erfahren wir erst auf dem Matsapha International Airport. Der Kontrast zum hektischen Treiben in Johannesburg, von wo aus die Swazi Airlink gestartet ist, könnte nicht größer sein. Am „internationalen“ Flughafen, einem Gebäude von der Größe eines mittleren Geräteschuppens, herrscht gähnende Leere und ein angenehmes Klima – trocken und mild. Dennoch werden wir von einem kleinen Empfangskomitee über einen Stoppelacker in den eiskalt heruntergekühlten VIP-Raum geführt, wo wir bei einem Drink auf unser Gepäck warten.
Manzini in unmittelbarer Nähe des Flughafens ist die größte Stadt, das 40 Kilometer entfernte Mbabane die Hauptstadt des Landes. Kurz dahinter endet der einzige Highway auch schon an der südafrikanischen Grenze. Abgesehen von einem kurzen Abschnitt mit Mosambik ist Swasiland vom großen Nachbarland eingekreist und auch ökonomisch von Südafrika abhängig. „Wir wollen, dass die Touristen bleiben und unser schönes Land nicht nur als zweistündige Transitstrecke von KwaZulu Natal zum Krüger Nationalpark benutzen“, sagt der Bürgermeister von Manzini. Deshalb ist ihm die ausländische Berichterstattung über den verschwenderischen Lebensstil des Königs – vier Maybachs, 13 Frauen – unangenehm. „Bei uns geht es nicht drunter und drüber wie im Buckingham Palast. Wir respektieren das Privatleben unseres Königshauses“, wimmelt er weitere Fragen zu dem Thema ab.
König Mswati III. ist für seinen verschwenderischen Lebensstil berüchtigt. Vier Maybachs und 13 Frauen nennt er sein Eigen. Foto: dpa
König Mswati III. ist für seinen verschwenderischen Lebensstil berüchtigt. Vier Maybachs und 13 Frauen nennt er sein Eigen. Foto: dpa
Mswati III. hat seine Macht vor 20 Jahren von seinem Vater geerbt, der wiederum bis zu seinem Tod ein halbes Jahrhundert lang auf dem Thron saß. Im weitläufigen King Sobhuza II Memorial Park, den die nationalchinesische Regierung als Dank für die diplomatische Anerkennung Swasiland zum Geschenk machte, kann man dem ehemaligen Alleinherrscher huldigen. Er führte 1968 sein Volk in die Unabhängigkeit von Großbritannien und ließ bald darauf alle politischen Parteien verbieten, die auch unter Mswati III. noch immer nicht an Wahlen teilnehmen dürfen. „Das Geheimnis des weißen Mannes ist das Buch und die Münze“, steht über einer Vitrine im Nationalmuseum, in dem wir neben dem Konterfei des jetzigen Königs, der alle Banknoten der nationalen Währung Lilangeni ziert, noch einige Oldtimer aus dem königlichen Fuhrpark bewundern dürfen.
Wir fahren durch das grüne Ezulwini Valley, in dem die touristischen Hauptattraktionen Swasilands liegen. Überragt wird das „Tal des Himmels“ vom Execution Rock, einer beeindruckenden Felsspitze, von der Mörder und der Hexerei Überführte zum finalen Sprung in die Tiefe gezwungen wurden. Heutzutage zieht das Ezulwini Valley vor allem Rucksacktouristen an, die in der grünen Hügellandschaft Treckingtouren unternehmen. Wir begegnen Steve und Ben bei einer Wanderung zu den Matenga Falls. Von den filigranen Wasserfällen oberhalb des Cultural Village, die sich über zahlreiche Felsstufen in ein großes Becken ergießen, hat man den besten Blick auf den Execution Rock. Gerade unter jungen Südafrikanern erfreut sich Swasiland wegen der Sicherheit und landschaftlichen Schönheit großer Beliebtheit. Alles sei so easy, erzählen die beiden Studenten beim Baden, „keine No-Go-Areas, keine Straßenkriminalität, freundliche Leute, selbst die Polizei ist hilfsbereit“.
Wie nachsichtig die Polizisten sein können, erfahren wir auf dem Rückweg zum Hotel, als wir von einer Streife angehalten werden. Die Schönheit des Landes habe ihn daran gehindert, das Schild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung wahrzunehmen, behauptet unser Fahrer dreist, und wir bekommen von den Polizisten statt einer Strafe den Tipp, unbedingt Sibabe anzusehen. So fahren wir zu dem nach Ayers Rock in Australien weltweit zweitgrößten Monolithen. Ein paar Kletterer versuchen sich an dem glatt geschliffenen Granitbrocken, der majestätisch über dem Tal der Pinien thront, während wir unten am Mbuluzi-Fluss picknicken.
„Wir sind von der Natur reich beschenkt, aber von Gott hart bestraft worden“, spricht Sareka, unsere Begleiterin vom Royal Swazi Sun Hotel, die Aidspandemie an. Swasiland hat die höchste HIV-Rate der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist auf unfassbare 34 Jahre gesunken. Zur Jahrtausendwende habe das große Sterben begonnen, mittlerweile trage fast jeder Zweite den HI-Virus in sich, „aber erst jetzt handelt die Regierung“, kritisiert die Managerin. Überall werben Schilder für sicheren Sex, warnen Plakate vor Aids. Medikamente werden kostenfrei ausgegeben, in den Schulen wird aufgeklärt, aber die Hilfe kommt für viele zu spät. In der Landessprache Siswati gibt es kein Wort für Waise, aber 2007 hat jedes zehnte elternlose Kind keine Verwandten mehr, die es aufnehmen könnten.
Für den pompösen Lebensstil des Königsclans hat Sareka wie viele Swasis nur Spott übrig. „Unser Steuergeld arbeitet hart“, meint die resolute Managerin, als wir am letzten Tag wieder einmal an einem Palast vorbeifahren. Plötzlich ertönen Sirenen hinter uns. Alle Autos halten sofort an. Die Insassen steigen aus, ziehen die Mützen vom Kopf. Dann ist der von Motorradfahrern eskortierte schwarze BMW auch schon vorbeigerauscht. Eine der Königsfrauen fährt zum Shoppen. Noch hält das Volk still. Roland Motz


Infos: Royal Swazi Sun Hotel, Internet: www. suninternational.de; mehrmals täglich Flüge von Johannesburg nach Manzini. Ein Besuch Swasilands lässt sich gut mit einer Südafrika-Reise verbinden.
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