ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2008Humanpathogene Papillomviren und Zervixkarzinom – Entwicklung und derzeitiger Stand der ersten Impfstoffe gegen humanpathogene Papillomviren: Kostenfaktor diskutieren

MEDIZIN: Diskussion

Humanpathogene Papillomviren und Zervixkarzinom – Entwicklung und derzeitiger Stand der ersten Impfstoffe gegen humanpathogene Papillomviren: Kostenfaktor diskutieren

Human Papillomavirus and Cervical Cancer - Current Status of Vaccination Against Human Pathogenic Papillomavirus: The Cost Debate

Dtsch Arztebl 2008; 105(1-2): 23; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0023a

Wenderlein, J. Matthias

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LNSLNS Vor 15 Jahren wurde geklärt, dass HPV-Infektionen und Zervixkarzinome kausal gekoppelt sind. Eine sichere Schutzimpfung gegen die 4 riskantesten Viren mit 3 i.m.-Applikationen in 6 Monaten ist ein Riesenerfolg – ohne medizinische Kritik.
Für Mädchen beziehungsweise junge Frauen ohne HPV-Infektion gilt 100 % Schutz für 5 Jahre (eventuell bis 10 Jahre?). Liegt bereits eine HPV-Infektion oder damit assoziierte Zervixläsion vor, hat kaum die Hälfte einen Nutzen.
In der weiblichen Bevölkerung gibt es 2,5 Millionen 12- bis 17-Jährige. Die Impfstoffkosten lägen initial für diese Gruppe bei 1,25 Milliarden Euro (derzeit je 500 Euro – ohne Kosten der Durchführung). Hinzu kämen Wiederholungsimpfungen nach 5 Jahren (evtuell nach 10 Jahren?).
Pro Jahr kommen circa 380 000 Mädchen nach, die das 12. Lebensjahr erreichen, mit fast 200 Millionen Euro Impfstoffkosten – bei angestrebter 100-prozentiger Teilnahme.
Dem sind 6 500 Zervixkarzinom-Neuerkrankungen gegenüberzustellen. Bei einer Gesamteinwohnerzahl von 82 Millionen und circa der Hälfte davon Frauen trifft das Schicksal Zervixkarzinom 1 von 13 000. Dieses Risiko ist keineswegs auf alle Frauen gleich verteilt. Starke Raucherinnen beispielsweise haben ein deutlich höheres Risiko. Das zeigt sich eindrücklich in Dysplasie-Sprechstunden zur Abklärung zytologischer Auffälligkeiten.
Fazit: Zweifelsfrei schützt eine rechtzeitige Impfung sicher vor persistierenden HPV-Infektionen und deren Läsionen in der Genital-/Analregion. Therapiekosten dafür sind den Impfkosten gegenüberzustellen, letztere liegen bei vollständiger Nutzung längerfristig im Milliarden-Euro-Bereich. Brustkrebs-Neuerkrankungen kommen um den Faktor 7 häufiger vor als Zervixkarzinome. Gesundheitsökonomen sollten klären, ob Screening und Impfung für beide Krebsarten mit zur Rationierung in der Medizin beitragen. Dann wäre statt GKV-Erhöhung die Eigenbeteiligung bei den Impfkosten zu diskutieren. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0023a

Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein
Universitätsfrauenklinik Ulm
Prittwitzstraße 41
89075 Ulm
E-Mail: wenderlein@gmx.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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