ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2008Kinderschutz: Verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen

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Kinderschutz: Verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen

Dtsch Arztebl 2008; 105(1-2): A-4 / B-4 / C-4

Gerst, Thomas

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Erhöhte Wachsamkeit: Kinderärztinnen und -ärzte werden künftig gesetzlich verpflichtet, bei Vorsorgeuntersuchungen auf Zeichen von Misshandlungen zu achten. Foto:ddp
Erhöhte Wachsamkeit: Kinderärztinnen und -ärzte werden künftig gesetzlich verpflichtet, bei Vorsorgeuntersuchungen auf Zeichen von Misshandlungen zu achten. Foto:ddp
Beim „Kindergipfel“ am 19. Dezember haben sich Vertreter von Bund und Ländern in Berlin auf einen umfangreichen Katalog zum Kinderschutz geeinigt. In einem Bundesgesetz sollen die Kinderärzte verpflichtet werden, bei den Vorsorgeuntersuchungen auf Anhaltspunkte für Gewaltdelikte, sexuellen Missbrauch oder Verwahrlosung zu achten und dies gegebenenfalls zu melden. Zudem wird bundesweit eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung (U7a) eingeführt, um zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr eine weitere Kontrollmöglichkeit zu schaffen. Dabei sollen die Kinderärzte verstärkt auch Angaben zum sozialen Umfeld berücksichtigen, um Risikofamilien zu erkennen. Bundesweit soll das „Saarländer Modell“ Schule machen:
Eltern werden verbindlich zu den Vorsorgeuntersuchungen eingeladen; erscheinen sie nicht, wird das Jugendamt tätig.
Zudem soll der reibungslose Austausch von Daten zwischen den zuständigen Behörden ermöglicht werden. Dieses „Frühwarnsystem mit Datenvernetzung“ schließt neben Jugend- und Gesundheitsämtern, Kindertagesstätten und Schulen auch die Polizei mit ein.
Mit dem System der verbindlichen Früherkennungsuntersuchungen kommen Bund und Länder einer Forderung des vergangenen Deutschen Ärztetages nach. Diese könnten aber nur ein Bestandteil eines flächendeckenden Netzes früher Hilfestrukturen sein, betonte Bundes­ärzte­kammerpräsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe. „Die Strukturen der aufsuchenden Hilfe des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der Jugendhilfe dürfen nicht weiter unter der Vorgabe der Sparsamkeit und beschränkter Haushaltsmittel abgebaut werden“, sagte Hoppe. TG
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