ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2008Strobe-Statement: Wie berichtet man eine Beobachtungsstudie?

MEDIZINREPORT

Strobe-Statement: Wie berichtet man eine Beobachtungsstudie?

Dtsch Arztebl 2008; 105(1-2): A-18 / B-16 / C-16

Antes, Gerd; Elm, Erik von

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LNSLNS Eine internationale Gruppe schlägt eine Checkliste mit 22 Punkten vor, die von Studiendesign und Methoden bis zum Umgang mit quantitativen Variablen reicht.

Wissenschaftliche Zeitschriften sind sorgfältig darauf bedacht, nur das zu publizieren, was ihnen exklusiv angeboten wird. Sieben führende internationale Zeitschriften* weichen nun von dieser Regel ab und ziehen an einem Strang (1). Damit wollen die Herausgeber die Initiative einer internationalen Arbeitsgruppe von Epidemiologen, Biometrikern und Klinikern namens STROBE (Strengthening the Reporting of Observational Studies in Epidemiology) unterstützen, die zum Ziel hat, die Qualität der Publikationen von Beobachtungsstudien zu verbessern.
Die Zuverlässigkeit von Beobachtungsstudien wurde in der Vergangenheit öfters infrage gestellt, da die Ergebnisse später denen anderer Studien widersprachen. Dabei steht die Wertigkeit von großen epidemiologischen Studien ohne experimentellen Ansatz außer Frage – zum Beispiel zur Erforschung der Ätiologie oder Prognose von Erkrankungen.

Wertigkeit großer Studien
Die jetzt publizierten Leitlinien für Berichte von Beobachtungsstudien sind nach einem ähnlichen Prinzip wie die Empfehlungen für interventionelle und diagnostische Studien sowie für Metaanalysen von randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) entwickelt worden (2). Die 2004 gegründete STROBE-Initiative fokussierte ihre Arbeit auf die drei wesentlichen Studientypen: Querschnitts-, Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien. Es kristallisierten sich 22 Punkte heraus, die von der STROBE-Arbeitsgruppe als essenziell für Berichte über Beobachtungsstudien angesehen wurden.

Inhaltliche Mindestanforderungen
Diese STROBE-Checkliste ist in erster Linie für Autoren, Zeitschriftenherausgeber und -gutachter gedacht. Sie soll eine Hilfestellung sein, um sicherzustellen, dass Publikationen gewisse inhaltliche Mindestanforderungen erfüllen. 18 Punkte beziehen sich auf alle drei Studiendesigns, während vier spezifisch Punkte in Querschnitts-, Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studien ansprechen. Der Inhalt der Checkliste erstreckt sich von Anforderungen an den Titel und Abstract über die Methodenbeschreibung und den Ergebnisteil bis hin zu Aussagen in der Diskussion, wie etwa die Frage der Übertragbarkeit der Ergebnisse.
Das STROBE-Statement wird in zwei Artikeln präsentiert: Ein kürzerer Artikel enthält die Checkliste und erklärt, wie sie entstanden ist (3), ein umfangreicher erklärender Artikel gibt zu jedem der 22 Punkte Beispiele und schaut tiefer in die methodischen Herausforderungen und Fallstricke von Beobachtungsstudien hinein (4). Die Problematik von Matching in Fall-Kontroll-Studien wird dort genauso diskutiert wie diejenige von Subgruppenanalysen, Confounding oder dem Umgang mit fehlenden Daten – jedoch alles aus der Perspektive des Berichtens.
Klar ist, dass eine saubere Trennung von Studiendurchführung und späterem Bericht in der Realität schwierig ist, da beide Aspekte naturgemäß untrennbar sind. Jedoch können auch schlecht geplante und schlecht durchgeführte Studien offen und vollständig berichtet werden. Umgekehrt wird eine methodisch hochwertige Studie durch einen unvollständigen Bericht abgewertet. Das STROBE-Statement soll zu mehr Transparenz beitragen und nicht zu einem Bewertungsmaßstab für die eigentliche Forschungsarbeit werden.
Der lange Entwicklungsprozess der Checkliste sowie die zeitgleich erschienenen kritischen Kommentare in Fachzeitschriften (1) zeigen, dass hier mehr Kontroversen lauern, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wie oft bei Leitlinien, ist eine verbreitete Sorge mit der prinzipiellen Abneigung gegen eine Reglementierung von Forschung verbunden. Kochbuch- oder Checklistenwissenschaft wird als unvereinbar mit der kreativen Rolle der Epidemiologie auf der Suche nach neuen Erkenntnissen angesehen. Auch Schulmeisterei gegenüber Herausgebern und Autoren zählt zu dieser Kritik. Auf der anderen Seite werden aber zunehmend für die Durchführung von Beobachtungsstudien Qualitätsstandards, wie sorgfältige Planung und geradlinige Auswertungen, gefordert. Aus dieser Warte ist eine Publikationsleitlinie nur als logische Fortsetzung eines strukturierteren methodischen Vorgehens zu sehen.
Dr. rer. nat. Gerd Antes, Deutsches
Cochrane Zentrum, Freiburg
Dr. med. Erik von Elm, Deutsches Cochrane Zentrum, Freiburg; Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM), Universität Bern, Schweiz


Anschrift für die Verfasser
Dr. Gerd Antes
Deutsches Cochrane Zentrum
Universitätsklinikum Freiburg
Stefan-Meier-Straße 26, 79104 Freiburg
E-Mail: antes@cochrane.de


* Annals of Internal Medicine, British Medical Journal, Bulletin of the World Health Organization, Epidemiology, The Lancet, Preventive Medicine, PLoS Medicine
3.
PLoS Med 2007; 4(10): e296. doi:10.1371/journal.pmed.0040296.
4.
PLoS Med 2007; 4(10): e297. doi:10.1371/journal.pmed.0040297.
1.http://www.strobe-statement.org/Publications.htm
2. http://www.cochrane.de/de/statements.htm
3. PLoS Med 2007; 4(10): e296. doi:10.1371/journal.pmed.0040296.
4. PLoS Med 2007; 4(10): e297. doi:10.1371/journal.pmed.0040297.

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