ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2008Impfempfehlungen: Wichtige Ungenauigkeit
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Die Aufarbeitung der aktuellen Impfempfehlungen im DÄ finde ich sehr begrüßenswert. Diese dient sicher der Schließung von Lücken im Wissen der Ärzte. Auf eine wichtige Ungenauigkeit möchte ich aber hinweisen. Masern sind eine schwere Infektionserkrankung. Nicht nur die Erkrankung verläuft schwer, auch die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ist eine furchtbare und derzeit unheilbare Komplikation. Sie betrifft insbesondere Kinder, die früh, d. h. im ersten Lebensjahr, an Masern erkranken. Aus diesem Grund ist der Impfschutz so früh wie möglich zu erreichen, also unmittelbar nachdem der Nestschutz durch plazentar übertragene Antikörper aufgebraucht wurde. Deshalb sollten Kinder nicht mehr wie früher „im zweiten Lebensjahr mit zwei Dosen Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff“, sondern schon im Alter von elf Monaten geimpft werden. Bei früherer Aufnahme des Kindes in eine Kindereinrichtung soll die Impfung ab dem neunten Monat erfolgen, die zweite Impfung soll zu Beginn des zweiten Lebensjahrs erfolgen, da persistierende maternale Masernantikörper im ersten Lebensjahr die Impfviren neutralisieren können. Es mag dem einen oder anderen Leser etwas kleinlich erscheinen, zu unterscheiden zwischen einem elf Monate alten Kind und einem Kind irgendwo im zweiten Lebensjahr, wer aber noch vor Kurzem bei einem Achtjährigen die fatale Diagnose einer letal verlaufenden subakuten sklerosierenden Panenzephalitis aufgrund einer Maserninfektion im ersten Lebensjahr hat stellen müssen, der versteht die Wichtigkeit der möglichst frühen zeitgerechten Impfung.
Prof. Dr. med. Gerd Horneff, Direktor des Zentrums für Allgemeine Kinderheilkunde und Neonatologie, ASKLEPIOS Klinik Sankt Augustin,
Arnold-Janssen-Straße 29, 53757 Sankt Augustin
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