ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2008Drogensucht: Mehr Engagement
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Frau Bühring meint es ja gut mit ihrem Plädoyer für die Heroingabe. Trotzdem muss ich widersprechen. Das fängt schon damit an, dass es den „Heroinsüchtigen“ nicht (mehr) gibt. Alle Heroinkonsumenten benutzen zeitweise oder regelmäßig auch Kokain und beruhigende oder aufputschende Drogen, großenteils aus legalen Quellen beschafft . . . Dies aber nicht, weil Heroin fehlen würde, sondern weil es nach kurzer Zeit seinen Zweck nicht mehr erfüllt und u. a. seine euphorisierende Wirkung verliert. Die somatische Wirkung der Rauschmittel (Rezeptorkrankheit) ist nur der geringere Aspekt der Suchterkrankung, vielmehr ist sie eine soziale Erkrankung. Die Erkrankung erfordert die Behandlung durch engagierte und erfahrene Ärzte. Ein Hausarzt, der sich auf die Behandlung einlässt, kann da nur schaden. Eine Heroingabe auf Krankenschein hilft keinem Abhängigen, aus der Sucht herauszufinden. Jeder Tag mit der Droge ist ein verlorener Tag, ein elendes Leben. Und Studien haben bekanntlich das Ergebnis, das vom Studiendesign her herauskommen soll. Vielmehr ist Methadon ein gut geeignetes Substitut, um zur Besinnung zu kommen und den Ausstieg einzuleiten. Zur Abstinenz gibt es weiter keine Alternative. Und die sogenannten Schwerstabhängigen brauchen viel mehr als etwa ein Heroinangebot . . . Methadon oder die anderen Substitute sind für jeden Konsumenten illegaler Drogen geeignet. Dass „Methadon nicht geholfen“ hätte, liegt an mangelndem Engagement, an mangelnder Konsequenz und nicht am mangelnden Heroin. Wenn es um einige todgeweihte Junkies ginge, hätte keiner etwas gegen die Heroingabe. Das ist aber nicht der Fall. Die Todesrate liegt bei Heroingabe und bei Methadonsubstitution gleicherweise bei ein bis zwei Prozent. Natürlich eignet sich die Heroindebatte hervorragend, um sich ein humanitäres Mäntelchen umzuhängen. Aber unsere verwahrloste Jugend braucht sehr viel mehr Engagement und nicht ein Abspeisen mit Heroin.
Dr. Andreas Triebel, Dr.-Ruer-Platz 1,
44787 Bochum
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