ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2008Chronische Diarrhö: Auch an eine kollagene Kolitis denken

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Chronische Diarrhö: Auch an eine kollagene Kolitis denken

Vetter, Christine

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LNSLNS K lagt ein Patient über anhaltende wässrige, nicht blutige Diarrhöen, so muss als Krankheitsursache auch eine kollagene Kolitis in Betracht gezogen werden. Das Krankheitsbild, das mit der lymphozytären Kolitis zur mikroskopischen Kolitis zusammengefasst wird, ist allerdings schwierig zu diagnostizieren, da sich in der Endoskopie ein normales makroskopisches Bild der Darmschleimhaut zeigt. Histologisch aber ist die Erkrankung durch ein subepitheliales Kollagenband sowie eine lymphozytäre Infiltration gekennzeichnet.
Die Vermehrung der intraepithelialen T-Lymphozyten im Deckepithel der Kolonschleimhaut ist nach Aussage von Prof. Andreas Tromm (Hattingen) auch für die lymphozytäre Kolitis charakteristisch. Bei dieser aber sei das Deckepithel abgeflacht und schmaler als üblich, und es zeige sich anders als bei der kollagenen Kolitis kein Kollagenband in der subepithelialen Stromazone.

Abdominelle Beschwerden sind auch Leitsymptom
„Man sollte deshalb bei der Endoskopie von Patienten mit chronischer wässriger Diarrhö unbedingt im gesamten Kolon Stufenbiopsien aus der unauffälligen Schleimhaut entnehmen“, forderte Tromm. Indiziert sei eine solche Maßnahme immer, wenn die Diarrhö länger als vier Wochen anhalte und keine Ursache dingfest zu machen sei, betont der Gastroenterologe. Als Leitsymptom der kollagenen Kolitis nannte er neben den wässrigen Durchfällen, die bis zu 20-mal pro Tag und zum Teil auch nachts auftreten, vor allem abdominelle Beschwerden. Eine Gewichtsabnahme werde dagegen meist nicht angegeben, und es bestehe in der Regel auch keine ausgeprägte Dehydratation.
Bestätigt die Histologie die Verdachtsdiagnose, so sei eine Behandlung mit dem Wirkstoff Budesonid indiziert, der als einziges Arzneimittel weltweit für diese Indikation zugelassen ist. Tromm sprach sich unter anderem deshalb für das lokal wirksame Corticoid aus, weil dieses eine hohe Wirkstoffkonzentration an der Darmschleimhaut erziele bei gleichzeitig nur geringer systemischer Belastung.
Als Dosierung empfahl er dreimal täglich eine Kapsel mit 3 mg des Wirkstoffs, der sich in Studien einem Placebo als signifikant überlegen erwiesen habe. Zur symptomatischen Linderung könne zusätzlich auch Colestyramin gegeben werden. „Unter einem solchen Regime bessern sich die Durchfälle meist rasch, und es kommt zur Rückbildung des Kollagenbands“, sagte der Wissenschaftler.
Er machte ferner darauf aufmerksam, dass die kollagene Kolitis, die immer noch zu selten diagnostiziert werde, an Häufigkeit zunehme. Dies belegten insbesondere Daten aus den USA. Unklar sei noch die Ursache der zunehmenden Inzidenz, ebenso wie über die Ätiologie und Pathogenese letztlich nur spekuliert werden könne. Diskutiert werde derzeit als Krankheitsursache ein Zusammenhang mit einem erhöhten Gebrauch nicht steroidaler Antirheumatika. Es gebe ferner Befunde, die auf eine gestörte Absorption von Gallensäuren hinwiesen, und es bestünden, so Tromm, Assoziationen zu verschiedenen Autoimmunerkrankungen wie der Polyarthritis und der Thyreoiditis.
Christine Vetter

Falk-Gastroforum „Darm­er­krank­ungen 2007 – Aktuelle Diagnostik und Therapie“ in Hattingen
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