ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1997Börsebius zur Stahlfusion: Neue Dimensionen

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zur Stahlfusion: Neue Dimensionen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der Schlachtenlärm ist verklungen, die geplante "feindliche" Übernahme Thyssens durch Krupp aus der Welt geschafft. Viel blieb dabei auf der Strecke, darunter mit Ulrich Cartellieri sogar ein leibhaftiges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.
Doch das ist ja nun Schnee von gestern. Nun soll also eine gemeinsame Stahl AG unter der Führung von Thyssen die strukturellen Branchenprobleme an Rhein und Ruhr beheben helfen. Mit der neuen gemeinsamen Gesellschaft soll eines der modernsten und wettbewerbsfähigsten Zentren der Welt-Stahl-Produktion etabliert werden.
Die spannende Frage für den Anleger lautet aber, wie er sich zu verhalten hat. Thyssen kaufen, Krupp verkaufen? Oder eher Krupp kaufen? Oder vielleicht doch besser beide verkaufen? Vielleicht hilft hier nochmals der kühle Blick mitten ins Getümmel des Übernahmekampfes weiter. Warum klappte die Übernahme letztlich nicht? Es gibt Stimmen, die sagen, der Druck der Arbeiter und der Politiker hätte dies verhindert. Ich bin mir da nicht so sicher. Möglicherweise war einfach das Übernahmeangebot von 425 Mark zu niedrig! Immerhin sickerte durch, daß etliche Banken den wahren inneren Wert ("Fair value") von Thyssen deutlich oberhalb der Grenze von 500 Mark sahen. So gesehen ist Thyssen bei Kursen unter 400 Mark immer ein klarer Kauf. Auch heute noch. Denn wenn der "fair value" vor einem Monat über 500 Mark lag, dann liegt er heute erst recht in diesem Bereich.

Am besten: beide kaufen
Es sollte überdies auch nicht vergessen werden, daß der Vorstand in Zukunft alles daransetzen wird, daß sich eine feindliche Übernahme nicht wiederholt. Und verhindert wird so etwas durch ein Hochhalten des Aktienwertes. Es gibt aber auch ernstzunehmende Fakten, Krupp-Chef Cromme für den wahren Sieger zu halten. Das hieße also, die Aktien von Krupp Hoesch-Krupp bei Kursen um 330 Mark zu kaufen. Auf der einen Seite nämlich steigt durch die neue Stahl AG die Profitabilität im Stahlbereich erheblich, will heißen, es fallen bei Krupp keine Verluste mehr an. Auf der anderen Seite hätte eine komplette Übernahme einen Milliardenhaufen von Schulden eingebracht, deren Zinslasten ganz sicher arg auf den Gewinn gedrückt hätten.
Wer also daran glaubt, daß durch die neue Stahl AG Synergieeffekte für beide Gesellschaften herausspringen, sollte dann auch so konsequent sein, beide Aktien zu kaufen. So setzt man wenigstens nicht aufs falsche Pferd. Börsebius

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