ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2008Rückblick 2007: Nachwirkungen der Reform

EDITORIAL

Rückblick 2007: Nachwirkungen der Reform

PP 7, Ausgabe Januar 2008, Seite 1

Bühring, Petra

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LNSLNS Das vergangene Jahr war das Jahr der großen Gesetze: In Kraft getreten sind das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, besser bekannt als Gesundheitsreform, und das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz. So wenig durchgreifend den meisten die Gesundheitsreform insgesamt auch erschien, manche Details im Gesetz haben weitreichende Wirkung. So wurde bei der Bekämpfung der Diskriminierung psychisch Kranker ein Erfolg erzielt: Ab 2009 muss die private Kran­ken­ver­siche­rung einen Basistarif anbieten, in dem sich auch psychisch Kranke ohne Risikoprüfung versichern können. Begrüßt wurde von den Berufsverbänden auch die gesetzliche Festschreibung, genehmigungspflichtige Psychotherapien weiterhin als Einzelleistungen zu vergüten statt, wie befürchtet, als Fallpauschalen. Gesetzlich festgelegt wurde mit der Reform ein weiterer wichtiger Punkt: die Sicherstellung einer „angemessenen Honorierung“ psychotherapeutischer Leistungen. „Angemessen“ heißt nach den Urteilen des Bundessozialgerichts, dass ein Psychotherapeut mit maximalem Einsatz wenigstens den Durchschnitt des Facharzteinkommens erreichen können muss. Beide Vorschriften haben unmittelbare Auswirkungen auf den neuen Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM).
Im vergangenen Jahr war die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vornehmlich mit dem EBM 2008 beschäftigt, der am 1. Januar in Kraft getreten ist. In diesem Jahr wird sich im Hinblick auf die Vergütung der Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie zwar nichts Wesentliches ändern. Unsicher wird die Höhe der Vergütung allerdings ab 2009 sein. Dann nämlich wird für alle Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten ein sogenannter Orientierungspunktwert gelten, der niedriger sein wird als der derzeitige von 5,11 Cent. Der niedrigere Punktwert wird zwar teilweise durch eine Anhebung der Punktzahl kompensiert – aber eben nicht vollständig. Doch noch haben KBV und Krankenkassen Zeit, einen Weg zu finden. Denn dass die angemessene Honorierung psychotherapeutischer Leistungen von der Selbstverwaltung sichergestellt werden muss, hat der Gesetzgeber ja festgeschrieben.
Mit der Gesundheitsreform einher ging auch die sektorübergreifende Straffung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA). Wenn die Umstrukturierung dieses Spitzengremiums so vorgenommen wird, wie es aussieht, werden künftig dort Entscheidungen ohne psychotherapeutischen Sachverstand getroffen. Den Unterausschuss Psychotherapie wird es von Juli 2008 an aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr geben. Dies hat ungünstige Auswirkungen nicht nur auf die Weiterentwicklung der Psychotherapie-Richtlinien. Ohne den Unterausschuss fehle „der erforderliche Raum für eine differenziertere Anwendung der Bewertungsmethodik und einer Gesamtbewertung durch die Profession“, hat der Deutsche Psychotherapeutentag in Mainz in einer Resolution gegen die Umstrukturierung kritisiert.
Zuletzt zwei Neuerungen in eigener Sache: Vierzig Jahre sind vergangen seit 1968, dem Jahr des gesellschaftlichen und politischen Aufbruchs. PP startet deshalb eine kleine Serie: Auf dem Titelblatt werden ab diesem Heft für sechs Ausgaben Kunstwerke aus dem Jahr 1968 gezeigt, die den Aufbruch veranschaulichen. Dr. Hartmut Kraft erläutert die Werke aus seiner Sammlung in der Rubrik „Kunst und Psyche“ wie immer mit psychoanalytisch geschärften Sinnen. Danach wird die im Jahr 2007 begonnene Reihe „Fotokunst“ fortgesetzt.
Auf den „Aktuell“-Seiten finden PP-Leser künftig zudem auch eine „Randnotiz“: Lustiges, Eigenartiges und Absurdes aus dem Gesundheitswesen – am Rande aufgeschnappt.
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