ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1997Qualitätssicherung: Originäre Aufgabe

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Qualitätssicherung: Originäre Aufgabe

Clade, Harald

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LNSLNS Durch die dritte Stufe zur Gesundheitsstrukturreform (2. GKV-Neuordnungsgesetz) erhält die Qualitätssicherung ärztlicher Leistungen einen neuen Stellenwert: Auf der Basis von Änderungsanträgen, die die Koalitionsfraktionen im Bundestagsausschuß für Gesundheit kurz vor der Schlußlesung des 2. NOG eingebracht hatten, werden Maßnahmen zur Qualitätssicherung ärztlicher Leistungen im Krankenhaus erstmals auch als originäre Aufgaben der Ärzteschaft gesetzlich verankert (§ 137 a SGB V). Konkret: Mit Inkrafttreten des Gesetzes, voraussichtlich zum 1. Juli 1997, werden die bisher unterschiedlichen Regelungen zur Qualitätssicherung - im Sozialgesetzbuch V und im ärztlichen Berufsrecht - harmonisiert. Damit sollen die Effizienz gesteigert und klare Kompetenzen zugewiesen werden.
Bisher war die Ärzteschaft in § 137 SGB V nur als mittelbar Beteiligte erwähnt. Dies hatte dazu geführt, daß die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Spitzenverbände der Kran­ken­ver­siche­rung im Alleingang zweiseitige Verträge zur Qualitätssicherung aushandelten und für verbindlich erklärten, obwohl selbst innerhalb der Krankenhausträger Dissonanzen und Akzeptanzprobleme auftraten. Auch im Lager der Krankenkassen gab es Widerstände; der AOK-Bundesverband kündigte per ultimo 1997 den Vertrag; die Ersatzkassen wollen folgen.
Da Maßnahmen zur Qualitätssicherung nur mit dem Sachverstand der Ärzte, ihrer Fachgesellschaften und Spitzenorganisationen praxisgerecht erarbeitet, umgesetzt und evaluiert werden können, ist es folgerichtig, daß die Bundes­ärzte­kammer und die Spitzenverbände der Krankenkassen gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft Empfehlungen für jene ärztlichen Leistungen festlegen, bei denen besondere Maßnahmen zur Sicherung der Qualität der Behandlung und ihres Ergebnisses vorausgesetzt werden. Dies ist nun geschehen - nicht aus lauter Gefälligkeit und Zugeständnissen gegenüber der Ärzteschaft. Diesen Schritt nach vorn nachträglich zu bekritteln, wie dies jetzt die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. tut, ist eher als verbandspolitische Pflichtübung zu bewerten, nicht aber als treffende Argumentation. Qualitätssicherung kann auf einem guten Fundament aufbauen: Die vor drei Jahren auf Initia-tive der Ärzteschaft gegründete "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in der Medizin" hat bisher vorzeigbare Kärrnerarbeit geleistet. Ziel des Kölner Gremiums, in dem auch die Kassen und die DKG mitwirken, ist es, die Qualitätssicherung auf Bundesebene dadurch voranzubringen, daß es den Abstimmungsprozeß institutionell befördert und für eine Einheitlichkeit der Qualifikations- und Qualitätssicherungsanforderungen sorgt. Darüber hinaus werden Förderungsmaßnahmen zwischen dem ambulanten und stationären Sektor koordiniert, Programme entwickelt und überprüft. Dr. Harald Clade
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