ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/20083 Fragen an… Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer

POLITIK

3 Fragen an… Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer

PP 7, Ausgabe Januar 2008, Seite 12

Bühring, Petra

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Foto: Jörg Hermann
Foto: Jörg Hermann
Wurde die Prävention psychischer Erkrankungen in dem Gesetzentwurf ausreichend berücksichtigt?
Richter: Wir sind ganz zufrieden. Die Begründung verdeutlicht, dass die Förderung der psychischen Gesundheit ein gleichrangiges Ziel neben der körperlichen Gesundheit sein soll. Auch soll der Nationale Präventionsrat auf der Initiative gesundheitsziele.de aufbauen, bei der die Förderung der psychischen Gesundheit ebenfalls erklärtes Ziel ist. Stichwort: Gesundheitsziel Depression. Schließlich wird sich auch die europäische Initiative, das Grünbuch zur psychischen Gesundheit, auf das Gesetzgebungsverfahren auswirken.

Lässt der Gesetzentwurf ausreichende Mitwirkungsmöglichkeiten für die Bundes­psycho­therapeuten­kammer zu?
Richter: Ja und nein. Einerseits sind wir natürlich froh, dass wir bei der Besetzung des Nationalen Präventionsrats berücksichtigt wurden.
Die Kritik der Bundes­ärzte­kammer, dass sich der Gesetzentwurf ausschließlich auf die Primärprävention bezieht, teilen wir jedoch. Es war höchste Zeit, dass Primärprävention implementiert wurde. Die Sekundär- und Tertiärprävention allerdings, dort wo die Heilberufe explizit gefordert sind, wird im Entwurf nicht aufgeführt. In der Primärprävention hingegen gibt es viele Akteure, die sich dort erfolgreich betätigen und mit denen man kooperieren muss. Diese interdisziplinäre und multiprofessionelle Kooperation fällt den Psychologischen Psychotherapeuten – traditionell bedingt – leichter als den Ärzten.
Stichwort Gesund­heits­förder­ung in Lebenswelten. Was können Psychotherapeuten dazu beitragen?
Richter: Es gab bereits in den Dreißigerjahren – ausgehend von der Schweiz – ein ausgeprägtes Engagement von Psychotherapeuten in der „seelischen Gesundheitsvorsorge“. Diese Tradition ist in Vergessenheit geraten, das Wissen zum Teil verloren gegangen. Daran wollen wir anknüpfen.
Wir wollen Faktoren, die die psychische Gesundheit beeinträchtigen, frühzeitig erkennen und gegensteuern. Es gibt bereits erste Präventionsprogramme, die schon im Kindergarten ansetzen, etwa zur Gewaltprävention oder zur Entwicklung von Empathiefähigkeit. In solchen Programmen arbeiten Psychotherapeuten zusammen mit Erziehern oder Lehrern. PB
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