ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2008Recherche zur Gruppenpsychotherapie: Identifizierungen, Feedback und Motivierung

WISSENSCHAFT

Recherche zur Gruppenpsychotherapie: Identifizierungen, Feedback und Motivierung

PP 7, Ausgabe Januar 2008, Seite 36

Eichenberg, Christiane

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Gruppenpsychotherapie bietet die Möglichkeit einer psychotherapeutischen, korrigierenden Einflussnahme auf Verhalten und Erleben innerhalb von Gruppen. Therapeutisch wirksam ist dabei die Gelegenheit zu gegenseitigen Identifizierungen, das spontane Feedback sowie die permanenten Neuverteilungen gruppendynamischer Funktionen unter den Mitgliedern (1, 6). Eine Gruppe bietet die Chance, die eigenen Meinungen und das eigene Selbstbild zu überprüfen; die Gruppendynamik, die jeder Gruppe innewohnt, birgt die Möglichkeit eines motivationalen Schubs (3). Ein weiterer möglicher Nutzen der gruppentherapeutischen Erfahrung liegt darin, dass die Teilnehmer für regressive unbewusste Prozesse im Umgang mit Mitmenschen toleranter werden (2).
Unverzichtbare Option
In der psychotherapeutischen Versorgung von psychisch kranken Menschen ist die Gruppenpsychotherapie eine mittlerweile unverzichtbare Option (5). Sie kann bei verschiedenen Störungsbildern eine wirksame Alternative oder Ergänzung zur Einzeltherapie sein (4). Eine Gruppenpsychotherapie wird von den Krankenkassen übernommen, sofern sie nach dem Konzept der analytischen Psychotherapie oder der Verhaltenstherapie durchgeführt wird.
Historisch wurde die Gruppenpsychotherapie in Europa von drei theoretischen Ansätzen geprägt. Jacob L. Moreno stellte im Jahr 1910 seine Methode des Psychodramas vor, Sigmund Freud schuf 1921 die Grundlagen der psychoanalytischen Gruppentherapie, und 1935 führte Kurt Lewin den Begriff der Gruppendynamik ein. Da Gruppentherapien anhand verschiedener psychologischer Ansätze durchgeführt werden können, bieten sie innerhalb der Psychotherapie ein breites Spektrum an verschiedenen Therapieverfahren mit verschiedenen Interventionszielen. Insofern wird auch eine Reihe unterschiedlicher methodischer Hilfsmittel bei der Durchführung einer Gruppentherapie verwendet (zum Beispiel das Soziogramm, die Soziometrie oder der Ausdruck von Empfindungen durch eine Handlung). Die Zusammensetzung einer Gruppe während der Durchführung einer Gruppenpsychotherapie kann offen oder geschlossen sein. Bei geschlossenen Gruppen ist die Gruppenzusammensetzung während des gesamten Therapiezeitraums konstant.
Im Internet sind für Psychologische Psychotherapeuten, Ärzte oder Interessierte aus anderen Sozial- und Heilberufen, die in der Arbeit mit Gruppen tätig sind, eine Fülle von Informationsmaterial sowie Hinweise zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu finden. Laien werden in verschiedenen Internetportalen in die Thematik und Möglichkeiten einer Gruppenpsychotherapie eingeführt und können Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Gruppenpsychotherapeuten bekommen.
Fachgesellschaften
Die 1973 gegründete International Association of Group Psychotherapy and Group Processes (IAGP) bietet auf ihrer Homepage Informationen in englischer Sprache an (www.iagp.com). Die IAGP ist engagiert in der Weiterentwicklung der Gruppenpsychotherapie und verfügt über ein weltweites Netzwerk. Unter dem Menüpunkt „Affiliates“ sind verschiedene Tochtergesellschaften der IAGP aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen Ländern, teilweise mit direkter Verlinkung, zu finden.
Ebenfalls in englischer Sprache ist der Internetauftritt der im Jahr 1942 von J. L. Moreno gegründeten American Society of Group Psychotherapy and Psychodrama (ASGPP) (www.asgpp.org). Die ASGPP bietet unter der Rubrik „Education“ Informationen zu Psychodrama und Soziometrie inklusive einer ausführlichen Bibliografie an. Die Homepage unterstützt durch ein Forum den Fachaustausch zwischen Kollegen.
Der Deutsche Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik (DAGG), gegründet im Jahr 1967 (www.dagg.de), ist Mitglied im IAGP und im ÖAGG (Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik). Er bietet Interessierten auf seiner Homepage konkrete Informationen zu sechs Sektionen: analytische Gruppentherapie, Gruppendynamik, Gruppenmethoden in Klinik und Praxis, Psychodrama, Sozialtherapie und psychosoziale Praxis sowie intendierte dynamische Gruppenpsychotherapie. Der DAGG bietet darüber hinaus ein umfangreiches Linkverzeichnis zu anderen Homepages an, die sich ebenfalls mit dem Thema Gruppenpsychotherapie auseinandersetzen. Der geschäftsführende Vorstand der DAGG gibt die Zeitschrift „Matrix“ heraus, die neben Informationen über aktuelle Projekte des DAGG Kongressberichte und Termine veröffentlicht. Die Onlineausgaben von „Matrix“ der letzten Jahre sind in ihrer elektronischen Version vollständig einsehbar. Unter der Rubrik „Zeitschriften“ werden ebenso andere themennahe Publikationsorgane aufgeführt.
Interessierte Psychologische Psychotherapeuten und Ärzte mit Approbation können sich beim 1999 gegründeten Berufsverband der approbierten Gruppenpsychotherapie eintragen (www.bag.info.ms). Es handelt sich um eine Initiativgruppe von Gruppenpsychotherapeuten, in der sich verschiedene Mitglieder von verschiedenen Fachgesellschaften zusammengeschlossen haben.
Weiterbildungsinstitute
Der Verein Psychoanalyse in Gruppen e.V. bietet auf seiner Internetseite (www.psychoanalyse-in-grup pen.de) Informationen zur Weiter- und Fortbildung nach dem Göttinger Modell und eine Auflistung von Literatur zur Gruppenpsychotherapie.
Der Österreichische Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (www.oeagg.at) veröffentlicht online nicht nur eine Darstellung der verschiedenen Verfahren der Gruppentherapie, sondern ebenso Informationen über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten inklusive Curricula und Ausbildungsrichtlinien sowie Termine internationaler Kongresse.
Die Arbeitsgemeinschaft für Gruppenpsychotherapie der Alfred-Adler-Institute der Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie (www.dgip.de) informiert unter (www.agg-gruppentherapie.de) über Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten. Unter der Rubrik „Literatur“ sind weiterführende Publikationen zur Gruppenpsychotherapie aufgelistet.
Der Onlineauftritt des Fördervereins Gruppentherapie Münster e.V. (www.gruppenanalyse-muenster.de) bietet Hinweise zu dem Förderverein, allgemeine Informationen zur Gruppenanalyse sowie Angebote zur Aus- und Weiterbildung inklusive weiterführender Literatur. Der Verein hilft ebenso bei der Vermittlung von Gruppentherapieplätzen.
Das Institut für Gruppenanalyse Heidelberg e.V. (www.gruppenana
lyse-heidelberg.de) ist ebenso eine Ausbildungsinstitution. Auf der Homepage bietet es unter der Rubrik „Zeitschrift“ Informationen über die halbjährlich erscheinende Zeitschrift „Gruppenanalyse“ mit ihren verschiedenen Schwerpunktthemen. Die Rubrik „Angebote“ informiert über die verschiedenen Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten des Instituts sowie über Termine verschiedener Workshops und gruppenanalytischer Symposien.
Das Institut für Verhaltenstherapie, Verhaltensmedizin und Sexuologie Nürnberg ermöglicht eine verhaltenstherapeutisch orientierte Weiterbildung in der Gruppenpsychotherapie (www.ivs-nuernberg.de).
Das Institut für Tiefenpsychologie, Gruppendynamik und Gruppentherapie e.V. hat die Verbreitung, wissenschaftliche Ergänzung, Vertiefung und Weiterentwicklung der Erkenntnisse der Tiefenpsychologie und Psychotherapie zum Ziel. Interessierte finden auf der Homepage (www.itgg-berlin.de) unter der Rubrik „Ausbildung“ Informationen zur Weiterbildung für die Zusatzqualifikation „Tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie“ inklusive Curriculum.
Die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse (www. gruppenanalyse.info) bietet ebenso wie das Institut für Analytische Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik e.V. Düsseldorf (www. iagd.de) Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in analytischer/tiefenpsychologisch fundierter Gruppenpsychotherapie zur Qualifikation in Praxis, Klinik und Supervision an.
Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik“ veröffentlicht Beiträge zur Sozialpsychologie und therapeutischen Praxis. Auf der Verlagshomepage (www.v-r.de/ zeitschriften/500011) findet man die Inhaltsverzeichnisse der letzten Ausgaben inklusive der Zusammenfassungen der Beiträge.
Der Volltext des Artikels „Gruppenpsychotherapie – Entwicklungslinien, Diversifikation, Praxis und Möglichkeiten“ von Prof. Volker Tschuschke, 2001 erschienen in der Zeitschrift „Psychotherapie im Dialog“, ist unter www.thieme.de/pid/ 01_01/pdf/2001_01_003.pdf einsehbar. Im selbem Heft publizieren Elke Frohn und Ulf Klein einen Aufsatz zum Thema Psychodramatische Gruppenpychotherapie (www.thieme.de/pid/01_01/pdf/2001_01_025.pdf).
Ein Diskussionsbeitrag aus der Perspektive der Integrativen Gruppenpsychotherapie mit marginalisierten Kindern kann auf der Internetseite der Zeitschrift „Beratung aktuell“ abgerufen werden (www.bera tung-aktuell.de/kinderheute.html).
Ein Volltextartikel „Gruppentherapie im tagesklinischen Setting“ von Elisabeth Rohrbach (2001) steht unter www.tkakoeln.de/seiten/ pdf/gruppentherapie.pdf zum Download bereit.
Eine Pressemitteilung der Universität Münster „Erfolgreiche Gruppentherapie gegen soziale Ängste“ verweist auf ein Projekt, in dem die Wirksamkeit der Gruppentherapie bei der Diagnose sozialer Ängste untersucht wurde. Das Projekt wurde 2006 von Psychologen der Universität Münster durchgeführt (www.uni-muenster.de, Volltextsuche „Gruppentherapie“).
Die Effektivität einer stationären Gruppentherapie für somatoforme Störungen untersuchte eine Forschergruppe an der Universität Würzburg (www.rehawissenschaft.uni-wuerzburg.de/forschung/projekt-b2.html).
Informationen für Laien
Laien finden eine kurze und leicht verständliche Einführung zum Thema Gruppenpsychotherapie auf der Internetseite der Hardtwaldklinik 1, Bad Zwesten (www.1-hwk1.de/gruppenpsychotherapie). Hier können sich Interessierte auch über die stationäre Behandlung in Gruppen informieren. Auf den Seiten des Berufsverbands deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP e.V.) gibt es eine Kurzbeschreibung und Definition zur Gruppentherapie (www.bdp-verband. org/psychologie/glossar/gruppenthe rapie.shtml).
Auf der Schweizer Homepage www.praxis-info.ch können Betroffene von psychischen Problemen Kontaktadressen zu Gruppentherapeuten finden. Die Homepage hilft bei der Therapeutensuche für die Schweiz, für Österreich und für Deutschland.
Ebenfalls hilfreich bei der Suche nach einem geeigneten Gruppentherapeuten ist die deutsche Internetseite www.therapeuten.de. Die Rubrik „Therapien“ führt zu den verschiedenen Therapiemethoden, und nach Anklicken des entsprechenden Verfahrens werden dem Suchenden die Therapeuten angezeigt, die auf diese spezialisiert sind.
Einen kostenlosen und persönlichen Service bei der Suche nach einem geeigneten Gruppentherapeuten offeriert ebenso der Psychotherapie-Informations-Dienst des BDP (www.psychotherapiesuche.de). Der Suchende hat die Möglichkeit, eine E-Mail (pid@psychotherapiesuche. de) zu schreiben oder ein Beratungstelefon nutzen, das als kostenloser Beratungs- und Vermittlungsservice fungiert. Hier sind auch Informationen zur Kassenzulassung der jeweiligen Therapeuten zu finden.

Literatur
1. Ermann M: Gruppentherapie. In: F. Dorsch, H. Häcker, K.H. Stapf (Hrsg.): Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Hans Huber Verlag, 1994; 303–4.
2. Heyne M: Die Indikationsstellung in der Gruppenpsychotherapie. In: A. Pritz, E. Vykoukal (Hrsg.): Gruppenpsychoanalyse. Wien: facultas Verlag, 2003; 47–57.
3. Katz-Bernstein N, Subbelok K: Therapiebaustein in der Gruppentherapie von redeflussgestörten Kindern und Jugendlichen. In: N. Katz-Bernstein, K. Subbelok (Hrsg.): Gruppentherapie mit stotternden Kindern und Jugendlichen. München: Reinhardt Verlag, 2002; 41–52.
4. Knott H: Der traumatisierte Patient. Psychotherapeut 2006; 51, 4: 321–2.
5. Linden M: Gruppentherapie. Verhaltenstherapie 2006; 16, 3: 164–5.
6. Tschuschke V: Kurzgruppenpsychotherapie. Theorie und Praxis. Wien: Springer Verlag, 2003.

Anschrift der Verfasserin
Dr. Christiane Eichenberg, Dipl.-Psych., Institut für Klinische Psychologie und Psychologische Diagnostik – Klinische Psychologie und Psychotherapie –, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln
E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de
Internet: www.christianeeichenberg.de
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