ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2008„Knorpelkuren“: Chondroitin unwirksam

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„Knorpelkuren“: Chondroitin unwirksam

Dtsch Arztebl 2008; 105(3): A-66 / B-58 / C-58

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Der Verkauf von chondroitinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln boomt. Können „Knorpelkuren“ Arthroseschmerzen lindern, und lohnen sich die Kosten von 30 bis 80 Euro für eine dreimonatige Behandlung? Die Antwort eines Forscherteams der Universitäten Bern, Bristol und Göttingen auf der Basis einer Metaanalyse von Studien der letzten 40 Jahre ist eindeutig: Der Einsatz von Knorpelaufbaupillen zur Behandlung der schweren Arthrose kann nicht empfohlen werden (Ann Intern Med 2007; 146: 580–90).
Während Chondroitin in älteren Untersuchungen deutlich besser abschnitt, was die Wissenschaftler auf die kleinen Patientenzahlen und die mangelhafte methodische Qualität dieser Studien zurückführen, belegen aktuelle Untersuchungen mit hohem methodischen Standard, dass das Nahrungsergänzungsmittel nicht oder allenfalls minimal wirksam ist. Nur knapp sieben Prozent der 291 Studien waren randomisiert und kontrolliert, sodass sie in der Metaanalyse berücksichtigt werden konnten.

Arthrose betrifft auch Bänder
und Knochen
Das schwefelhaltige Zuckermolekül Chondroitinsulfat ist ein natürlicher Bestandteil des Gelenkknorpels. Die Hypothese, dass die aus Tierknorpel gewonnene Substanz in das defekte Knorpelgewebe eingebaut wird und dadurch Arthrose-Beschwerden an Knien und Hüften lindert, erscheint aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich: Die Arthrose betrifft nicht nur den Knorpel, sondern das gesamte Gelenk einschließlich Knochen und Bändern. Außerdem besitzt Knorpelgewebe gar keine Nerven, daher lässt sich eine schmerzlindernde Wirkung der allein am Knorpel ansetzenden Substanz kaum nachvollziehen. Und schließlich gelangen aufgrund der Molekülgröße nicht einmal 15 Prozent des eingenommenen Chondroitins in die Blutbahn.
Offen bleibt, ob Chondroitin bei schwachen Arthroseformen im Anfangsstadium wirksam ist. Dies müssen weitere randomisierte, kontrollierte Studien zeigen. zyl
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