ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2008ADHS: Geschultes und liebevolles Umfeld notwendig
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Die im oben genannten Artikel zitierte Äußerung von Frau Dr. Menter, der Vorsitzenden der Selbsthilfeorganisation ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom), nach der „Kinderärzte häufig wenig über ADHS wissen“, kann nicht unkommentiert bleiben. Kaum ein Thema beherrscht den pädiatrischen Fortbildungskalender der letzten Jahre so wie ADHS. Paednet Südbaden, das Netzwerk der regionalen Kinder- und Jugendärzte, in dem mittlerweile 130 Kollegen organisiert sind, führte vor Kurzem das 3. Interdisziplinäre Symposium zum Thema ADHS in Konstanz durch. Die Veranstaltung zog jedes Mal 300 bis 400 Interessierte aus verschiedenen Fachdisziplinen an. Von Mangel an Fortbildungen oder Fortbildungswillen kann bei den Kinder- und Jugendärzten sicher nicht die Rede sein . . . Leider erfuhr der Begriff ADHS in der Öffentlichkeit während der letzten Jahre eine geradezu inflationäre Verwendung. Ich wage die Vermutung, dass der Eindruck der „wenig wissenden Kinderärzte“ aufseiten der Selbsthilfeorganisation durch Eltern entstanden sein könnte, die gerade auf sehr gut fortgebildete Kinderärzte trafen, welche sich weigerten, ohne entsprechende Diagnostik verhaltensgestörten Kindern den ADHS-Stempel aufzudrücken und damit vorgefertigte elterliche Therapiewünsche zunächst enttäuschen mussten. Lange Wartezeiten für die Erstdiagnose sind zum Teil Realität. Dass ADHS in den letzten Jahren geradezu sprunghaft zum häufigsten Vorstellungsgrund in Sozialpädriatrischen Zentren und Kinder- und Jugendpsychiatrien wurde und selbige fast überschwemmt, lässt durchaus über die Ursachen grübeln. Die Forderung nach „Therapieplätzen“ bleibt etwas unklar, ist doch die Notwendigkeit einer stationären Unterbringung bei „reinem“ ADHS eher die Ausnahme und stellt kaum ein Problem dar. Im ambulanten Bereich existieren jedoch durchaus Engpässe bei der kontinuierlichen kinder- und jugendpsychiatrischen Begleitung der Patienten und deren Eltern. Hier gibt es Verbesserungsbedarf, denn der beste „Therapieplatz“ für ein Kind mit ADHS ist ein gut informiertes, geschultes, dabei konsequentes und liebevolles Umfeld. Angesichts der hohen „Nachfrage“ hat der gut fortgebildete Kinder- und Jugendarzt als erste Anlaufstation die verantwortungsvolle Aufgabe, die „Spreu vom Weizen zu trennen“. Dem fühlen wir uns durchaus gewachsen.
Dr. med. Andreas Mattheß,
Pressesprecher des Paednet Südbaden e.V.,
Schillerstraße 11, 78532 Tuttlingen
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